In der gegenwärtigen Entwicklungsphase ist die Kohlenwasserstoffförderung auf dem Festlandsockel eine vorrangige Aufgabe für die Entwicklung des Öl- und Gaskomplexes der Russischen Föderation. Bei der Erschließung von Offshore-Öl- und Gasfeldern spielt der risikoorientierte Ansatz eine besondere Rolle, der auf eine umfassende Analyse von Szenarien für die Entwicklung von Unfällen und Störfällen in Öl- und Gasförderanlagen sowie deren Vermeidung und Beseitigung abzielt. Jedes Szenario beginnt mit einem auslösenden Ereignis (Leckagen unterschiedlicher Intensität, Geräteausfall usw.), das mit einer gewissen Häufigkeit auftreten kann.
Die Analyse von Unfällen und Störfällen, die sich in gefährlichen Produktionsanlagen (GPA) des Offshore-Öl- und Gaskomplexes ereignet haben, lässt einige allgemeine Gesetzmäßigkeiten bei deren Entstehung und Entwicklung erkennen.
Die Ursachen für Unfälle auf Öl- und Gasförderplattformen sind:
Während des Betriebs von stationären Offshore-Plattformen können folgende Notfallsituationen auftreten [2]:
Die Analyse der möglichen Unfallursachen hat folgende Szenarien für die Entwicklung von Notfallsituationen auf stationären und selbsthebenden Offshore-Plattformen ergeben:
Typisches Szenario S1:
Austritt von Öl (Begleitgas) aus dem Bohrloch (der Ausrüstung) → Eindringen von Öl in die Räumlichkeiten des stationären oder selbsthebenden Offshore-Komplexes (Gasansammlung in den Räumen) und/oder Austritt von Öl ins Meer, Umweltverschmutzung.
Typisches Szenario S2, das zu einem Lachenbrand führt:
Druckentlastung von Geräten mit leicht entzündlichen Flüssigkeiten (LEF) oder brennbaren Flüssigkeiten (BF) → Eintritt der flüssigen Phase in die Umgebung → Bildung einer Lache → Vorhandensein einer Zündquelle → Lachenbrand, Einwirkung von Wärmestrahlung auf Personen, benachbarte Gebäude und Anlagen.
Typisches Szenario S3, das bei der Freisetzung brennbarer Stoffe zu einer Gasphasenexplosion führt:
Druckentlastung von Geräten mit LEF oder brennbaren Gasen (BG) → (Lachenbildung → Verdampfung von der Lachenoberfläche) Bildung einer Kraftstoff-Luft-Gemisch-Wolke (KLG) → Auftreten einer Zündquelle → KLG-Explosion, Einwirkung der Druckwelle auf Personen, benachbarte Gebäude und Anlagen.
Typisches Szenario S4, das zu einem Fackelbrand führt:
Teilweise Druckentlastung von Geräten mit BG → Ausströmen des Produkts aus einer Öffnung unter Druck → sofortige Entzündung → Fackelbrand des Strahls, Einwirkung von Wärmestrahlung auf Personen, benachbarte Gebäude und Anlagen.
Typisches Szenario S5, das zu einem Flash Fire führt
Druckentlastung von Geräten mit LEF oder BG → Lachenbildung → Verdampfung von der Lachenoberfläche (Bildung einer KLG-Wolke) → Auftreten einer Zündquelle → Flash Fire, Einwirkung von Wärmestrahlung auf Personen, benachbarte Gebäude und Anlagen.
Typisches Szenario S6:
Kollision mit einem Schiff (Erdbeben, ungünstige meteorologische Faktoren usw.) → Zerstörung von Konstruktionen/Kentern der Plattform, mögliche Brandentstehung, Ölfreisetzung → Gefährdung des Personals, Verschmutzung der Meeresumwelt durch Öl.
Typisches Szenario S7, das zu einer Bohrlocheruption führt:
Druckentlastung der Absperreinrichtungen des Bohrlochs oder Kraterbildung → Ausströmen des Lagerstättenprodukts aus der Bohröffnung unter Druck → Entzündung der Notfallfontäne durch elektrostatische Entladungen → Brand der Gas-Öl-Fontäne, Einwirkung von Wärmestrahlung auf Personen, benachbarte Gebäude und Anlagen.
Typisches Szenario S8:
Hubschrauberabsturz beim Start (Landung) auf dem Landeplatz PJM-1 → Zerstörung von Konstruktionen/Ausrüstung, mögliche Brandentstehung im Falle einer Kerosinentzündung → Gefährdung des Personals.