Programm zur Entwicklung der Arbeitsmedizin und zur Erhaltung der Mitarbeitergesundheit

Fallstudie
10 September 2026 🇷🇺 Originalsprache: русский

Die Rolle der Arbeitsmedizin in modernen Unternehmen verlagert sich zunehmend von der formalen Durchführung medizinischer Untersuchungen hin zu einem proaktiven Gesundheitsmanagement der Belegschaft. Eine hohe Morbiditätsrate, die zum Verlust von mehr als 1.500 Arbeitstagen pro hundert Beschäftigten führte, veranlasste die Unternehmensleitung zur Suche nach neuen Ansätzen. Das Problem wurde durch das Fehlen eines systematischen Ansatzes noch verschärft: Präventionsuntersuchungen, arbeitsmedizinische Vorsorgen und Vorbeugungsmaßnahmen existierten isoliert voneinander, und die verstreuten medizinischen Daten erlaubten keine effiziente Steuerung. In seinem Vortrag teilt Ilya Lubnin seine Erfahrungen mit der umfassenden Transformation des Gesundheitsschutzsystems, dank derer der Krankenstand erheblich gesenkt und eine effektive Zusammenarbeit zwischen Produktion und medizinischem Dienst aufgebaut werden konnte.

Optimierung der Routine: Wie Zeitverluste bei medizinischen Untersuchungen reduziert werden

Traditionelle medizinische Untersuchungen führen häufig zu Konflikten zwischen Produktionsplänen und der Notwendigkeit der Gesundheitsprüfung: Der Prozess konnte sich über einen ganzen Arbeitstag hinziehen, was zu Chaos in den Warteschlangen und Unzufriedenheit bei den Führungskräften vor Ort führte. Um dieses Problem zu lösen, wurde ein striktes Laufwegesystem eingeführt.

Anstatt die Ärzte eigenständig abzulaufen, erhält jeder Mitarbeiter vorab einen individuellen Laufzettel mit genauer Zeitangabe und der Raumnummer, bei der die Untersuchung beginnt. Das Fließsystem, das nach den Prinzipien der Produktionslogistik aufgebaut ist, schließt unnötige Wege und Wartezeiten aus. Parallel zu den arbeitsmedizinischen Untersuchungen wurden die Abläufe der präventiven Reihenuntersuchungen optimal strukturiert. Infolgedessen reduzierte sich die Zeit für den Besuch aller Fachärzte auf zwei Stunden, sodass die Abteilungsleiter das Personal ohne Beeinträchtigung der Produktionsziele freistellen konnten.

Ein zusätzliches Optimierungswerkzeug waren Gesundheits-Checklisten, die von den Mitarbeitern im Voraus ausgefüllt werden. Der Fragebogen mit bis zu siebzig Fragen erfasst eine detaillierte Anamnese zu Lebensstil, Gewohnheiten und erblichen Erkrankungen. Die Struktur der Checkliste ist visuell in Spalten für Normalwerte und Risikofaktoren unterteilt. Dies ermöglicht es dem Allgemeinmediziner, während der Sprechstunde keine Zeit mit einer grundlegenden Befragung zu verschwenden, sondern sich sofort auf problematische Aspekte zu konzentrieren und gezielte Empfehlungen zu geben.

Gesundheitsmonitoring und Prävention auf Abteilungsebene

Ein effektives Gesundheitsmanagement ist ohne ein objektives Bild vor Ort und das Engagement der Führungskräfte unmöglich. Dazu wurden im Unternehmen „Gesundheitspässe“ für die einzelnen Abteilungen eingeführt, welche die Morbiditätsdynamik im Vergleich zu Vorperioden widerspiegeln. Diese Kennzahlen werden regelmäßig auf den Arbeitsschutzbesprechungen der Abteilungen unter Beteiligung des zuständigen Betriebsarztes diskutiert.

Eine interessante Praxis war die gemeinsame Analyse von Freizeitunfällen. Die Statistik zeigte, dass Verletzungen außerhalb der Arbeit einen erheblichen Teil zur Gesamtzahl der Ausfalltage beitragen. In den Besprechungen werden die Ursachen solcher Vorfälle ohne unnötige Personalisierung analysiert. Die Logik ist einfach: Wenn ein Mitarbeiter über eine hohe Sicherheitskultur am Arbeitsplatz verfügt, sollte sich diese Fähigkeit auch auf den Alltag übertragen und gefährliche Handlungen im privaten Umfeld ausschließen.

Zur Förderung eines gesunden Lebensstils werden Initiativen von der Basis aktiv genutzt. Im Rahmen des internen Wettbewerbs „Territorium der Sicherheit“ werden Punkte für eigenständige Gesundheitsmaßnahmen der Abteilungen vergeben: von Ausgleichsgymnastik-Workshops am Arbeitsplatz bis hin zu Aktionen zur Rauchentwöhnung, bei denen der Abteilungsleiter Mitarbeiter, die mit dem Rauchen aufgehört haben, öffentlich belohnt. Parallel dazu sind an den Werkstoren Ehrenamtliche im Einsatz, die anbieten, Zigaretten gegen Süßigkeiten einzutauschen.

Integration des medizinischen Dienstes in das Produktionsumfeld

Um die Barriere zwischen Ärzten und Produktionspersonal abzubauen, wurde eine Reihe von Orientierungsbesichtigungen für die Abteilungsärzte direkt an den Arbeitsplätzen organisiert. Indem das medizinische Personal die realen Arbeitsbedingungen sah und die Auswirkung von Gefährdungsfaktoren aus erster Hand beurteilte, konnte es die Besonderheiten der Arbeit tiefer verstehen, was die Objektivität ärztlicher Entscheidungen erhöhte.

Darüber hinaus bestehen im Betrieb „Gesundheitsschulen“: Fachexperten kommen in die Abteilungen, um Vorträge über die Prävention chronischer Krankheiten und schädlicher Gewohnheiten zu halten. Der Arbeitgeber übernimmt zudem die gezielte Finanzierung der Früherkennung kritischer Gesundheitsprobleme und initiiert zusätzliche Krebs-Screenings sowie stationäre Behandlungsprogramme für Lärmschwerhörigkeit.

Der systematische Ansatz betraf auch die Impfung. Anstelle von Zwang wurde darauf gesetzt, den Abteilungsleitern den direkten Zusammenhang zwischen der Impfquote und dem Krankenstand in ihren Einheiten aufzuzeigen. Mit diesem Verständnis motivieren die Führungskräfte ihr Team selbstständig, während die unmittelbare Nähe der Sanitätsstellen den Impfprozess schnell und bequem macht.

Was Sie in diesem Vortrag erfahren:

  • Wie Sie die Dauer der regelmäßigen arbeitsmedizinischen Vorsorge von einer ganzen Schicht auf zwei Stunden verkürzen.

  • Welche Instrumente dazu beitragen, Abteilungsleiter in das Gesundheitsmanagement der Belegschaft einzubinden.

  • Wie vorab ausgefüllte Checklisten die Zeit des Arztes sparen und die Qualität der Untersuchung steigern.

  • Wie Freizeitunfälle im Rahmen von Arbeitsbesprechungen vorgebeugt werden können.

  • Wie Sie eine hundertprozentige Abdeckung bei präventiven Untersuchungen ohne Unterbrechung der Produktionsabläufe organisieren.

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