Der Ausschluss des menschlichen Faktors bei der Reparatur und Wartung von Anlagen ist eine der Hauptaufgaben der industriellen Sicherheit. Die Einführung des Lockout/Tagout-Systems (LOTO) wird zu einem natürlichen Schritt in der Entwicklung der Sicherheitskultur in Produktionsstätten und ermöglicht es, das Personal garantiert vor unbefugter Energiezufuhr zu schützen. Im Rahmen des Webinars wird die praktische Erfahrung bei der Integration von Sperrverfahren in den Werken von Pirelli und Fels detailliert betrachtet.
Die Besonderheit der Reifenproduktion bei Pirelli bringt lange Produktionslinien (bis zu 40 Meter) mit sich, was die Kontrolle über die Energieabschaltung erschwert. Wladimir Alexejew zeigt am Beispiel seines Unternehmens, wie dieses Problem mithilfe eines Gruppenverriegelungssystems gelöst wird. Zur Trennung der Verantwortungsbereiche werden Mehrfachverriegelungen und eine farbliche Differenzierung eingesetzt: Rote Schlösser werden als persönliche ausgegeben, während gelbe zur Verriegelung der Energiequellen selbst verwendet werden.
Die Schlüssel der gelben Schlösser werden in eine LOTO-Gruppenbox gelegt, die mit dem persönlichen Schloss des Arbeitsleiters verschlossen wird. Dies garantiert, dass keine Baugruppe entriegelt wird, bevor nicht alle Beteiligten die Reparatur abgeschlossen haben. Zusätzlich werden an jeder Anlage, in der Nähe der Bedienpulte, visualisierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Abschaltpläne angebracht. Dieser Ansatz ermöglicht es dem technischen Personal, stets einen klaren Handlungsalgorithmus vor Augen zu haben, was die Wahrscheinlichkeit von Fehlern durch Eile oder Vergesslichkeit verringert.
Die Erfahrung des Unternehmens Fels (Kalkproduktion) zeigt, wie internationale Verriegelungsstandards die russischen Normen organisch ergänzen können. Andrei Stawer analysiert einen Fall, in dem die ursprüngliche Idee, zusätzliche physische Trennschalter an jedem Gerät zu installieren, aufgrund hoher Kosten und langer Vorlaufzeiten verworfen wurde. Stattdessen entschied sich das Unternehmen für die konsolidierte Verriegelung elektrischer Geräte direkt in den Schalträumen.
Zur Vereinfachung des Verfahrens wurden für jeden Abschaltpunkt LOTO-Karten mit Fotos und genauen Angaben zu den Installationsorten der Verriegelungen entwickelt. Der Referent betont die Wichtigkeit der Integration von LOTO in das interne System zur Ausstellung von Arbeitsfreigaben. Im Unternehmen ist eine dreistufige Kontrolle implementiert: Die Abschaltung wird von der Person, die die Freigabe erteilt, dem zulassenden Elektromonteur und dem Bediener des zentralen Pults bestätigt. Dabei wird die eigentliche Abschaltung gefährlicher Energiequellen immer von einem fest angestellten Bereitschaftselektriker vorgenommen, was Verwirrung ausschließt und die Zuverlässigkeit des Systems erhöht.
Beide Experten sind sich einig, dass die Zulassung von Auftragnehmern zu LOTO-Verfahren einer strengen Reglementierung bedarf. In beiden Unternehmen gilt die Regel: Die Basisverriegelung der Anlagen wird nur vom eigenen Personal durchgeführt. Auftragnehmer hängen nach Schulung und Prüfung lediglich ihre persönlichen Schlösser an die Gruppenbox. Dadurch bleibt die vollständige Kontrolle über die Sicherheit des Arbeitsbereichs in den Händen des Unternehmens.
Die Einführung neuer Verfahren stößt beim Personal oft auf Bedenken hinsichtlich einer Verlängerung der Reparaturzeiten. Eine Zeitmessung im Fels-Werk ergab jedoch, dass die Ausstellung der Freigabe und die Installation der Verriegelungsvorrichtungen die gesamte Vorbereitungszeit um nur drei Minuten verlängern. Die Einbeziehung des Linienpersonals in die Entwicklung der LOTO-Karten und gemeinsame Schulungen ermöglichten es, innere Widerstände abzubauen und das System zu einem Arbeitswerkzeug statt zu einer formalen Anforderung zu machen.
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