Autor: Andrey Andrianov, Director of Production Control Department — Sibagro
Viele Jahre lang haben alle miteinander gestritten und auf ihrem Recht beharrt. Gülle sei ein Abfallprodukt, sagten die Experten von Rosprirodnadzor, da sie im Verzeichnis des Föderalen Klassifizierungskatalogs für Abfälle aufgeführt ist und zudem ihre Gefahrenklasse im Handumdrehen bestimmt werden kann.
Gülle sei ein Stoff zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und zur Herstellung von Agrochemikalien, sie enthalte jede Menge Stickstoff, Phosphor, Kalium sowie andere Mikro- und Makroelemente, sagten die Experten von Rosselkhoznadzor einstimmig. Und die landwirtschaftlichen Erzeuger sagten einfach: Das ist unser wertvollstes Produkt im geschlossenen Kreislauf unserer Wirtschaft.
Wir bauen Getreide an, produzieren Futtermittel, züchten Tiere und führen die anfallende Gülle wieder dem Boden zu, um neues Getreide anzubauen.
Wo liegt also das Problem, werden Sie fragen?
Jeder betrachtet ein und dieselbe Sache aus der Perspektive seiner eigenen Erfahrung. Aber alle Beteiligten sind sich in einem Punkt einig: Die Anwendung muss sicher sein. Sowohl Rosprirodnadzor als auch Rosselkhoznadzor hatten bereits mehrfach mit unzuverlässigen Naturnutzern zu tun. Leider nehmen die Folgen für die Umwelt in solchen Fällen katastrophale Ausmaße an.
Wie kann man also die Nutzung von Gülle für Unternehmen und Umwelt sicher gestalten und gleichzeitig dem Staat einen Nutzen bringen?
- Das Wichtigste ist, die eigenen Kapazitäten realistisch einzuschätzen. Welches Volumen fällt an? Welche Infrastruktur und Technik zur Ausbringung sind vorhanden und über welche Entfernungen kann das Unternehmen die Gülle transportieren? Wie viel Fläche steht dem Unternehmen für die Ausbringung zur Verfügung und welche Ausbringungsnorm ergibt sich daraus? Welche Einschränkungen gelten für diese Flächen bei der Ausbringung (Nähe zu Gewässern, Siedlungen, Straßen usw.)? Die Beantwortung dieser Fragen ist von entscheidender Bedeutung, denn es handelt sich um eine faktische Bestandsaufnahme.
- Der nächstwichtige Schritt ist die Standardisierung Ihrer Prozesse. (Oder der Aufbau von Grund auf. Da hat eben jeder sein eigenes Los gezogen.) Meine Erfahrung zeigt, dass man sich mit dem Thema Gülle bereits ab dem Moment der Fütterung und Tränkung der Tiere befassen muss. Der Lebenszyklus besteht aus einer Vielzahl von Phasen. Ich empfehle, sich mit jeder einzelnen im Detail auseinanderzusetzen. Zum Beispiel hängt das anfallende Volumen davon ab, wie Ihre Tiertränken funktionieren. Wenn Wasser ausläuft, vergrößert sich das Volumen aus dem Nichts. Durch verstopfte Leitungen kann nicht die erforderliche Menge gepumpt werden, und in aufgeblähten Lagunen wird nur ein Drittel oder die Hälfte der eigentlichen Güllemenge gelagert. Ihr idealer Prozess sollte in einem Dokument festgehalten werden, es müssen Verantwortliche benannt, klare Phasengrenzen definiert und der Informationsaustausch geregelt werden.
- Kontrolle. Ohne sie geht es nicht. Es liegt in der Natur des Menschen, alles, was er tut, zu vereinfachen. So sind wir nun mal gestrickt. Wir nehmen sozusagen die Abkürzung über den Rasen. Wenn keine lückenlose Kontrolle gewährleistet ist, stirbt das System, bevor es überhaupt geboren wurde. Es dauert Jahre, bis sich in den Köpfen der Mitarbeiter ein klares, alternativloses Bild ihrer Handlungen geformt hat. Und auch das Unternehmen braucht Zeit, um Ordnung in seine Abläufe zu bringen. So wachsen und entwickeln sich alle Beteiligten des Prozesses.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn wir Kollegen von den Aufsichts- und Kontrollbehörden zu jedem Schritt einladen und unsere Arbeit demonstrieren können, wenn wir zeigen, dass wir überlegt und bewusst handeln, die Folgen von Fahrlässigkeit verstehen und Verantwortung übernehmen, dann lösen sich Fragen und Streitigkeiten von selbst in Luft auf. Der Weg entsteht beim Gehen. Allen eine sichere Arbeit.