Elektrounfälle bleiben eines der ernsthaftesten Probleme in der Energiewirtschaft und Industrie. Die Hauptgefahr des elektrischen Stroms besteht darin, dass er ohne spezielle Geräte nicht spürbar ist – der Mensch hat keine natürlichen Rezeptoren für die Wahrnehmung von Spannung. Daher erweisen sich traditionelle, rein theoriebasierte Schulungsmethoden oft als unzureichend. In diesem Webinar diskutieren Branchenexperten moderne Ansätze zur Ausbildung von elektrotechnischem Personal und innovative Arbeitsmethoden, die das Unfallrisiko erheblich senken können.
Igor Makucha, Direktor der Abteilung für Arbeitssicherheit bei PAO MOESK, teilt seine Erfahrungen bei der Schaffung eines einzigartigen Übungsgeländes für elektrische Sicherheit. Der Sprecher analysiert das Problem des Abstumpfens des Gefahrenbewusstseins bei Mitarbeitern, die täglich mit elektrischen Anlagen interagieren, aber noch nie die tatsächlichen Folgen von Elektrounfällen gesehen haben.
Zur Lösung dieses Problems wurde ein Komplex von Ständen entwickelt, die reale physikalische Prozesse demonstrieren: das Herabfallen eines Kabels auf den Boden mit Bildung von Schrittspannung, Kurzschluss beim Anstechen eines Kabels, Durchschlag einer Luftstrecke. Anstelle teurer Generatoren wird auf dem Gelände eine Kondensatorbatterie verwendet, die Energie für die sichere Demonstration von Lichtbogenentladungen speichert. Dieser Ansatz ermöglicht es den Mitarbeitern, die zerstörerische Kraft der Elektrizität mit eigenen Augen zu sehen, was ihre Einstellung zur Einhaltung von Sicherheitsregeln grundlegend verändert.
Almaz Galimov, Direktor des Zentrums für Arbeiten unter Spannung, stellt ein Konzept vor, das auf den ersten Blick kontraintuitiv erscheint: die Wartung von elektrischen Anlagen ohne deren Abschaltung. Der Sprecher zeigt anhand von Statistiken, dass ein erheblicher Teil der Unfälle gerade in der Phase der operativen Schalthandlungen auftritt – aufgrund von Fehlern in den Schaltplänen, Spannungszufuhr aus Reservequellen oder der falschen Gewissheit, dass die Leitung spannungsfrei ist.
Die Methode des Arbeitens unter Spannung schließt die Schaltphase aus und beseitigt somit den Hauptrisikofaktor. Darüber hinaus erhöht dieser Ansatz die Arbeitsproduktivität erheblich, da langwierige Abstimmungen, die Warnung von Verbrauchern und komplexe Verfahren zur Außerbetriebnahme von Geräten für Reparaturen entfallen. Zur Einführung dieser Methode in Tatarstan wurde ein spezialisiertes Ausbildungszentrum eingerichtet, in dem das Personal eine mehrstufige Ausbildung unter Einsatz von Spezialtechnik und isolierenden Werkzeugen durchläuft.
Olga Gorbunova, Senior HSE-Spezialistin bei Hyundai Steel Rus, spricht über das Projekt SafeCon und die Schaffung des Übungsgeländes «Smart Labor». In der Präsentation wird der Ansatz des Lernens durch Simulation realer Tätigkeiten detailliert betrachtet. Auf dem Gelände werden interaktive Module präsentiert, die die richtige und falsche Organisation verschiedener Arten von Arbeiten, einschließlich elektrotechnischer, demonstrieren.
Besondere Aufmerksamkeit wird dem Einsatz von VR-Technologien gewidmet. Das Eintauchen in eine virtuelle Umgebung ermöglicht es den Lernenden, Handlungsabläufe, wie z. B. den Austausch eines Isolators, sicher zu üben und psychoemotionale Reaktionen auf Fehler zu erleben. Die Bildung neuer neuronaler Verbindungen durch die praktische Ausführung von Aufgaben in VR erhöht die Qualität der Materialaneignung und die Motivation für sicheres Arbeiten erheblich.
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