Traditionell richtet sich der Fokus von HSE-Spezialisten auf Produktionsstätten, wo Risiken offensichtlich sind und zu sofortigen schwerwiegenden Folgen führen können. Die Büroumgebung birgt jedoch nicht weniger Gefahren, die oft erst verzögert auftreten. In ihrem Vortrag teilt Svetlana Vladimirova, Vertreterin des Unternehmens „Krastsvetmet“, praktische Erfahrungen bei der Risikobewertung für Büromitarbeiter und erklärt, warum dieses Thema immer aktueller wird.
Die Referentin merkt an, dass der Anstoß für eine tiefgehende Bewertung Gesetzesänderungen (Verordnung Nr. 2464) waren, die es unter bestimmten Bedingungen ermöglichen, Büromitarbeiter von Unterweisungen zu befreien. Dies erforderte eine detaillierte Analyse der tatsächlichen Gefahren, denen Mitarbeiter ausgesetzt sind, deren Tätigkeit ausschließlich mit Bürotechnik verbunden ist.
Im Vortrag wird der Algorithmus, nach dem das Unternehmen die Bewertung durchführte, detailliert betrachtet. Der Prozess wurde in mehrere Schlüsselphasen unterteilt, von denen jede ihre eigenen Besonderheiten aufweist.
Der erste Schritt ist eine detaillierte Beschreibung aller von den Mitarbeitern ausgeführten Tätigkeiten. Die Referentin weist darauf hin, dass die Arbeit am Computer heterogen ist und in Kategorien unterteilt wird (Informationserfassung, Dateneingabe, kreative Arbeit/Dialog), von denen jede ihre spezifischen Risiken birgt, wie z. B. die Entwicklung des Karpaltunnelsyndroms oder der zervikalen Osteochondrose.
Darüber hinaus wurden einzigartige Abläufe verschiedener Abteilungen berücksichtigt: die Verwendung von Cuttermessern, die Arbeit mit Archiven (schwere Ordner, Trittleitern, Staub), die Möbelmontage durch Hausmeisterdienste sowie Risiken beim Besuch von Produktionsstätten.
Bevor Risiken bewertet werden, müssen die Arbeitsplätze auf einen einheitlichen Standard gebracht werden. Die Referentin zeigt an einem Beispiel, wie die Beseitigung von Unordnung, die Befestigung von Kabeln und die Reparatur defekter Geräte bereits in der Anfangsphase die Wahrscheinlichkeit von ergonomischen und anderen Vorfällen erheblich verringern.
In dieser Phase wurden sowohl Risiken für sofortige Verletzungen (Stürze, Stolpern) als auch Risiken für Berufskrankheiten mit verzögerter Wirkung ermittelt. Für die Berechnungen nutzt das Unternehmen eine eigene Software auf Basis von 1C, die es ermöglicht, Schwere, Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit von Ereignissen zu berücksichtigen sowie automatisch Verantwortliche für die Umsetzung von Korrekturmaßnahmen zuzuweisen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die Svetlana teilt: Die meisten technischen Sicherheitsmaßnahmen im Büro wurden vom Arbeitgeber bereits umgesetzt. Das Hauptproblem liegt im Verhalten der Mitarbeiter selbst – falsche Sitzhaltung, Weigerung, Fußstützen zu benutzen, Ignorieren von vorgeschriebenen Pausen und Gymnastik.
Zur Lösung dieses Problems setzt das Unternehmen auf administrative Maßnahmen (Arbeitsplatzstandards, Ergonomie-Rundgänge) und die Arbeit an Überzeugungen durch Schulungen. Anstelle langweiliger Unterweisungen wurde ein interaktiver Kurs eingeführt, in dem die Mitarbeiter spielerisch (durch Entscheidungssituationen) die Folgen falschen Handelns kennenlernen.
Entdecken Sie die vollständige Bibliothek bewährter Praktiken der Arbeitssicherheit
Zur Bibliothek