Ein formaler Ansatz bei HSE-Schulungen ist eine der Hauptursachen für Arbeitsunfälle. Das Ausfüllen von Protokollen "fürs Häkchen" und das mechanische Auswendiglernen von Prüfungsfragen schaffen eine Illusion von Sicherheit und lassen die Mitarbeiter ohne echte Fähigkeiten zur Risikobewertung zurück. Mit der Entwicklung der Sicherheitskultur geht die Branche naturgemäß von der formalen Erfüllung von Anforderungen zur Bewusstseinsbildung über. Svetlana Vladimirova, Leiterin der HSE-Schulungen bei Krastsvetmet, analysiert detailliert den Transformationsprozess des unternehmensinternen Schulungssystems, bei dem der Fokus vom Prozess auf das Verständnis des Kerns der Materie verlagert wurde.
Um die geringe Effizienz von Standardvorlesungen zu überwinden, führte das Unternehmen das Format des "Flipped Classroom" (umgedrehter Unterricht) ein. Der Kern des Ansatzes besteht in der schrittweisen Aneignung des Materials mit einer veränderten Rolle der Präsenzveranstaltungen.
Diese Struktur erklärt sich dadurch, dass passive Methoden die Einstellung zur Sicherheit nicht ändern können. Die aktive Arbeit mit vorab gelerntem Material überführt das Wissen in die Praxis.
Die Referentin betont, dass die Kenntnis von Regeln nicht deren Einhaltung garantiert, wenn der Mitarbeiter keine persönliche Einstellung zum Risiko entwickelt hat. Um eine emotionale Resonanz zu erzeugen, werden in den Schulungen spezielle Videomaterialien eingesetzt.
Eines der Schlüsselinstrumente ist das Konzept des "schmalen Grats", das den verzögerten, kumulativen Effekt der Exposition gegenüber schädlichen Produktionsfaktoren demonstriert. Durch Metaphern und die Analyse realer Negativbeispiele aus Überwachungskameras wird den Mitarbeitern gezeigt, wie systematische Verstöße in Kleinigkeiten zu irreversiblen gesundheitlichen Folgen führen. Der emotionaler Impuls zwingt dazu, gewohnte, aber gefährliche Handlungen am Arbeitsplatz zu überdenken.
Die Vorbereitung auf die Zertifizierung im Bereich Anlagensicherheit beschränkt sich traditionell auf das mechanische Absolvieren von Tests in speziellen Programmen. Eine Analyse ergab, dass bei diesem Ansatz nur 60 % der Mitarbeiter die Prüfung beim ersten Mal bestanden, wobei kein tiefes Verständnis der Anforderungen entwickelt wurde.
Zur Lösung des Problems wurde die komplexe akademische Sprache der normativen Dokumente (insbesondere im Zertifizierungsbereich A1) in das Format zugänglicher Videovorlesungen übersetzt. Fragen aus dem einheitlichen Testportal wurden organisch in die Schulungsmaterialien integriert. Infolgedessen verlagerte sich der Fokus auf das Verständnis der Physik der Prozesse und der Logik der Anforderungen, was zu einem Anstieg der Erfolgsquote bei der Erstprüfung auf 89 – 90 % führte.
Der Übergang zum Online-Format erforderte eine Überarbeitung der Einbindungsmechanismen. Der Vortrag zeigt, wie der Einsatz spezialisierter Plattformen und 360-Grad-Videos eine virtuelle Risikobewertung in Produktionsbereichen ermöglicht, ohne dass die Gruppe physisch in der Werkstatt anwesend sein muss.
Gleichzeitig wurden kritische physische Fähigkeiten (Erste Hilfe, Einsatz von Feuerlöschern) in ein spezialisiertes Zentrum zur Entwicklung praktischer Fähigkeiten ausgelagert, wo die Schulung ausschließlich in Präsenz unter Verwendung von Dummys und realer Ausrüstung stattfindet.
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