Im Betrieb ist es für Beschäftigte wichtig zu verstehen, wie Sicherheitsanforderungen mit ihren täglichen Handlungen zusammenhängen. Vor Schichtbeginn, bei der Vorbereitung des Arbeitsplatzes und bei der Ausführung einer Aufgabe muss die passende Regel rechtzeitig präsent sein und eine sichere Lösung aufzeigen. Textinformationen bleiben statistisch gesehen nach drei Tagen nur zu 10–20 % im Gedächtnis, visuelle Informationen hingegen zu 80–90 %.
Zu diesem Zweck habe ich das Poster „5 zentrale Sicherheitsregeln“ entwickelt. Als Grundlage dienten vertraute Situationen aus dem Betriebsalltag: das Werkstor, das Bereitlegen von Arbeitskleidung und persönlicher Schutzausrüstung, das Einholen einer Arbeitserlaubnis sowie das Arbeiten in der Nähe von Anlagen.
Jeder Regel sind ein eigenes Bild und ein kurzer Appell zugeordnet:
Bleib nüchtern. Sicheres Arbeiten beginnt mit der Verfassung des Menschen selbst.
Trag deine PSA. Zur Vorbereitung auf eine Aufgabe gehört der Einsatz der erforderlichen persönlichen Schutzausrüstung.
Hol eine Arbeitserlaubnis ein. Bei Tätigkeiten, die einen Erlaubnisschein erfordern, muss das festgelegte Freigabeverfahren eingehalten werden.
Überbrücke keine Schutzeinrichtungen. Sicherheitseinrichtungen und Verriegelungen von Anlagen müssen ihre Funktion erfüllen.
Informiere den Vorgesetzten. Zwischenfälle, Störfälle, Brände und Verletzungen müssen unverzüglich gemeldet werden.
Besonderes Augenmerk habe ich auf die Platzierung der fünften Regel gelegt. Sie ist in einem separaten Block unter der Bedingung „Wenn ein Ereignis eingetreten ist“ hervorgehoben. Dieser Aufbau verdeutlicht: Die Meldung eines Vorfalls ist die gebotene Handlung, sobald eine entsprechende Situation eintritt. Die vier Grundregeln zielen hingegen auf die Vermeidung gefährlicher Ereignisse ab.
Bei der Gestaltung des Posters war es mir wichtig, den Text mit einer wiedererkennbaren Szene zu verknüpfen. Der Mitarbeitende sieht ein vertrautes Umfeld, bezieht es auf seinen eigenen Arbeitsplatz und erhält einen kurzen Hinweis. Große Beschriftungen und ein einheitliches Design ermöglichen den Einsatz des Materials an Informationstafeln sowie bei Sicherheitsunterweisungen.
Den praktischen Wert eines solchen Posters sehe ich auch in der Möglichkeit zur Diskussion. Führungskräfte oder Meister können die Beschäftigten dazu anregen, die dargestellten Situationen gemeinsam zu besprechen: Welche Schutzausrüstung ist für eine bestimmte Aufgabe erforderlich, wann wird ein Erlaubnisschein benötigt, welche Folgen kann das Überbrücken einer Verriegelung haben und wem ist ein gefährliches Ereignis zu melden?
Es ist sinnvoll, das Verständnis der Inhalte zu überprüfen, indem Mitarbeitende ihr eigenes Vorgehen erläutern. Beispielsweise kann man sie bitten, die Vorbereitung auf eine Aufgabe zu beschreiben oder eine Situation an ihrem Arbeitsplatz zu analysieren. So lässt sich erkennen, wie gut die Anforderung verstanden wurde und wo zusätzlicher Erklärungsbedarf besteht.
Für mich ist Visualisierung eines der Instrumente zur Weiterentwicklung der Sicherheitskultur im Betrieb. Ihre Aufgabe besteht darin, Anforderungen leicht verständlich zu machen, den Dialog über Risiken zu fördern und den Menschen dabei zu helfen, sich im entscheidenden Moment an die richtige Regel zu erinnern. Auf Grundlage dieses Posters wurde zudem ein kurzes Video erstellt, das von Fremdfirmen eingesetzt werden kann.
