Wir alle haben in unserer Kindheit die Frage beantwortet: „Als was arbeitet deine Mama?“. Meine Tochter Ksjuscha sagte immer: „Meine Mama arbeitet in der Fabrik, damit alle sicher sind.“ Das klang beeindruckend, aber für sie waren es nur Worte.
Alles änderte sich im Sommer nach der elften Klasse. Mit dem Schulabschluss hinter sich kam Ksjuscha als Praktikantin in meine Abteilung – die HSE-Abteilung. Sie dachte, wir würden nur Papiere unterschreiben und pro forma Helme tragen.
Ich erinnere mich an unseren ersten gemeinsamen Rundgang. Wir gingen hinunter in die Produktionshalle, wo sich die Anlagen wie märchenhafte Riesen auftürmten. Ich zeigte ihr eine kaputte Halterung an einem Schutzgeländer.
„Und?“, fragte sie. „Das ist doch nur eine kleine Halterung.“
„Aber stell dir vor“, sagte ich, „jemand ist in Eile, rutscht aus – und dieses ‚Nichts‘ wird zur Ursache für eine schwere Verletzung.“
In ihren Augen machte es Klick. Plötzlich sah sie nicht mehr nur eine laute Produktionshalle, sondern Hunderte von potenziellen Risiken, vor denen wir die Menschen schützen müssen. Vom Beobachter wurde sie zu meiner Assistentin. Wir überprüften gemeinsam die Lüftung, sie vertiefte sich mit Begeisterung in die technischen Datenblätter und erzählte abends:
„Mama, weißt du eigentlich, dass in dieser und jener Halle...“
Für mich war das unglaublich. Meine Teenager-Tochter, die sich gestern noch Sorgen um ihre Noten machte, erklärte nun mit leuchtenden Augen, warum man Schutzabdeckungen nicht entfernen darf. Sie erkannte, dass es bei meiner Arbeit nicht um Verbote geht. Es geht darum, dass jeden Abend Hunderte von Menschen sicher zu ihren Familien nach Hause zurückkehren. Das ist eine echte Mission!
Jetzt studiert Ksjuscha an der Universität und kann es kaum erwarten, als diplomierte Fachkraft in die Fabrik zurückzukehren. Sie sagt, dass sie jetzt genau weiß, was sie machen möchte.
Und ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass unser „Familienberuf“ nicht nur eine Tradition ist, sondern eine gemeinsame Sache. Eine Sache, die die Welt sicherer macht. Und es gibt keine größere Freude, als zu sehen, wie das eigene Kind den Weg wählt, anderen Menschen zu dienen!