Die Einführung eines Lockout/Tagout-Systems (LOTO) ist nicht nur die Einhaltung internationaler Standards, sondern ein grundlegender Schritt zur Umsetzung der Vision Zero. Historische Methoden der Anlagenblockierung, wie die Verwendung gewöhnlicher Ketten und Schlösser, ließen Raum für menschliche Fehler. Der moderne LOTO-Ansatz schließt eine versehentliche Energiezufuhr zum Arbeitsplatz aus, indem die Kontrolle direkt an die Ausführenden der Arbeiten übergeben wird. In diesem Webinar teilen die Experten Ruslan Lazarev (AkzoNobel) und Maxim Miroshnichenko (Enel Russia) ihre praktischen Erfahrungen beim Übergang von formalen Verfahren zu einem zuverlässigen System zur Blockierung gefährlicher Energien.
Ruslan Lazarev betont, dass eine erfolgreiche LOTO-Einführung mit einer gründlichen Risikobewertung (Risk Assessment) beginnt. In der ersten Phase ist es entscheidend, die Anlagen und Blockierpunkte zu identifizieren. Bei AkzoNobel umfasste dieser Prozess ein internes Audit und die Einbeziehung externer Experten, um die Richtigkeit der gewählten Lösungen zu bestätigen, insbesondere bei Sonderanlagen. Die Entwicklung interner Verfahren, die sowohl unternehmensinterne als auch internationale Anforderungen berücksichtigen, bildete die Grundlage für die anschließende Beschaffung von Verriegelungen, Schlössern und LOTO-Boxen.
Maxim Miroshnichenko, Vertreter von PJSC Enel Russia, demonstriert, wie das LOTO-System in bestehende Geschäftsprozesse integriert wird. In den Kraftwerken des Unternehmens ist der Prozess der Ausstellung von Arbeitsfreigaben über das SAP-System automatisiert. Technische Assistenten erstellen Aufträge, die dann in Arbeitsfreigaben mit detaillierten Sicherheitsmaßnahmen umgewandelt werden. Jede Blockierungsaktion wird durch die Unterschrift der verantwortlichen Person bestätigt, was Transparenz und strenge Kontrolle in jeder Phase gewährleistet.
Eine der größten Herausforderungen bei der Einführung von LOTO ist laut Ruslan Lazarev die Änderung der Mentalität der Mitarbeiter. Zu Beginn verstanden Bediener und Wartungspersonal oft nicht die Notwendigkeit neuer, scheinbar überflüssiger Verfahren. Die Lösung waren regelmäßige Schulungen und die Vereinfachung von Routineaufgaben: Erstellung von Listen der abzuschaltenden Anlagen für Standardarbeiten und Dokumentenvorlagen. Dies reduzierte den Zeitaufwand für organisatorische Maßnahmen erheblich und verringerte den Widerstand des Personals.
Der Referent analysiert die Besonderheiten der Arbeit in komplexen Anlagen, in denen Mechaniker keinen Zugang zu elektrischen Räumen haben. Bei Enel Russia wurde die Praxis der Videofreigaben eingeführt: Der diensthabende Elektriker zeichnet den Prozess der Außerbetriebnahme der Anlage auf Video auf, das dann dem Reparaturpersonal gezeigt wird. Dies garantiert, dass die Anlage tatsächlich stromlos und verriegelt ist.
Besonderes Augenmerk wird auf die Verwendung von LOTO-Gruppenboxen gelegt. Die Schlüssel für die blockierten Energiequellen werden in eine Box gelegt, an der jeder an den Arbeiten Beteiligte (vom technischen Assistenten bis zum direkten Ausführenden) sein individuelles Schloss anbringt. Solange nicht alle Schlösser entfernt sind, ist eine Energiezufuhr unmöglich. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie die farbliche Abstufung der Schlösser hilft, die Rollen der Prozessbeteiligten visuell zu identifizieren.
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