Traditionell beschränken sich Fragen der Arbeitssicherheit auf die Kontrolle von Ausrüstung und die Einhaltung von Vorschriften. Statistiken zeigen jedoch, dass ein erheblicher Teil der Vorfälle durch Mitarbeiter verursacht wird, die unter verborgenem Stress stehen. In diesem Webinar analysiert Alexander Schtulman, CEO von „Corporate Health“, wie sich das mentale und verhaltensbezogene Wohlbefinden des Personals direkt auf die finanziellen Kennzahlen des Unternehmens und die Arbeitsunfallrate auswirkt.
Laut WHO sind jährlich etwa 27 % der Arbeitnehmer mit Lebensschwierigkeiten konfrontiert, die ihre normale Funktionsfähigkeit kritisch einschränken. Der Referent merkt an, dass ein Mitarbeiter in einer persönlichen Krise mehr als 60 Stunden produktive Zeit pro Monat verliert. Das Hauptproblem ist der Präsentismus – ein Zustand, in dem eine Person physisch am Arbeitsplatz anwesend ist, sich aber nicht auf Aufgaben konzentrieren kann. Genau in solchen Momenten machen erfahrene Fachkräfte untypische Fehler und ignorieren grundlegende HSE-Regeln.
Der Vortrag untersucht detailliert die Korrelation zwischen dem inneren Zustand eines Mitarbeiters und dem Unfallrisiko. Bei Mitarbeitern mit mittlerem und hohem Stresslevel steigt die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung um das Eineinhalbfache, bei schwerwiegenden Lebensproblemen sogar um mehr als das Dreieinhalbfache. Schlafmangel und verborgener Alkoholmissbrauch (auch außerhalb der Arbeitszeit) führen zu unvorhersehbarem Verhalten und Fehlentscheidungen in kritischen Situationen.
Alexander Schtulman zeigt anhand internationaler und russischer Praktiken, dass eine chaotische Ansammlung von Zusatzleistungen das Problem nicht systematisch löst. Ein wirksames Instrument ist ein strukturiertes Mitarbeiterunterstützungsprogramm (EAP). Seine Hauptmerkmale sind strenge Vertraulichkeit, eine begrenzte Anzahl von Sitzungen zur schnellen Lösung eines spezifischen Problems und die Bewertung der Wirksamkeit anhand der Anzahl gelöster klinischer Fälle. Die Einführung dieses Ansatzes ermöglicht es, bei jeder Anfrage bis zu 54 Stunden produktiver Zeit einzusparen und so einen Return on Investment (ROI) sicherzustellen.
Besondere Aufmerksamkeit wird der Integration von Veteranen in den Arbeitsprozess gewidmet. Das vom Referenten genannte Hauptprinzip ist die Behandlung als gleichberechtigte Teammitglieder. Übermäßige Heroisierung am Arbeitsplatz erschwert nur ihre Rückkehr in ein normales Leben. Die Lösung komplexer psychologischer Probleme sollte an Fachspezialisten im Rahmen des EAP delegiert werden und nicht auf den Schultern von Linienmanagern lasten.
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