— Mein junger Freund, du solltest nicht in den Arbeitsschutz gehen, — sagte mir ein angesehener Mitarbeiter unserer Organisation, während er im Türrahmen meines neuen Büros stand. — Die Mitarbeiter werden dich nicht besonders mögen, und von der Führung wirst du ständig eins auf den Deckel bekommen. Sag ab, solange es noch nicht zu spät ist. Ich sage dir das als Freund, als erfahrener Mensch. Ich arbeite schon lange hier und weiß, wovon ich spreche.
Ich weiß nicht warum, aber es kam mir so vor, als würden seine blauen Augen schmunzeln, weshalb ich selbst unwillkürlich lächelte. Ich bat ihn herein, holte einen massiven Aschenbecher aus geschliffenem Glas und Zigaretten aus dem Schrank. Wir zündeten uns eine an.
— Nein, es ist alles entschieden. Wer, wenn nicht ich? Diese Arbeit ist genau das Richtige für mich, — sagte ich ihm, ohne den Sinn der bevorstehenden Arbeit zu verstehen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, welchen Weg ich vor mir hatte und wohin mich meine Reaktion auf seine schmunzelnden Augen führen würde.
Und dann ging es los: endlose Berichte, Maßnahmenpläne. Tagsüber spulte ich Kilometer im Korridor zwischen meinem Büro und dem Büro des Chefingenieurs ab. Abends, wenn ich müde ins Bett ging und die Augen schloss, sah ich durch die geschlossenen Lider einen Wirbelsturm aus Buchstaben und Zahlen. Sie drehten sich, tanzten und verschwanden erst, wenn ich einschlief.
Wenn ich morgens aufwachte, wollte ich aufgeben, alles hinschmeißen. Doch sofort tauchten diese blauen, schmunzelnden Augen in meiner Erinnerung auf.
Drei Monate vergingen unter Qualen, und eines Tages war es, als hätte sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt – ich begann, den Kern der Arbeit zu verstehen. Es wurde etwas leichter. Nach weiteren zwei Jahren liebte ich meine Arbeit bereits. Und was soll ich sagen – ich hasste sie auch.
Seitdem sind 14 Jahre vergangen. Längst habe ich jenes Büro und meine ersten Schützlinge verlassen. Ich habe die Schneewüste der arktischen Inseln gesehen, die Tundra von Jamal und die fischreichen Flüsse von Kamtschatka, den nebelverhangenen Baikalsee. Viele wunderbare (und weniger wunderbare) Menschen sind mir auf meinem Weg begegnet. Ich bin sicher: Wir haben mit den Kollegen mehr als nur ein Leben gerettet.
Ja, man ist nicht besonders beliebt. Ja, manchmal gibt es Ärger von der Geschäftsführung. Aber ich liebe – und hasse manchmal – meine Arbeit immer noch.
Danke, ihr schmunzelnden Augen.
Freunde, zählt eure Siege, nicht eure Niederlagen.
Kommentare 1
Am Anfang meiner Karriere im Arbeitsschutz reagierten meine Freunde genauso, als sie erfuhren, dass ich Arbeitsschutzingenieur bin. Das kommt daher, dass sie nicht verstanden, was Arbeitsschutz ist und welche Werte darin stecken.