Die traditionelle medizinische Untersuchung wird oft als Formalität wahrgenommen. Moderne Unternehmen sehen darin jedoch zunehmend ein Instrument zur Schaffung umfassender Mitarbeiterbetreuungsprogramme. In ihrem Vortrag analysiert Olga Budanova, HSE-Direktorin der Unternehmensgruppe Promomed, einen praktischen Fall der Transformation grundlegender medizinischer Verfahren in ein groß angelegtes betriebliches Gesundheitsprogramm.
Die Referentin zeigt am Beispiel ihres Unternehmens, wie das geringe Engagement der Mitarbeiter in Bezug auf ihre eigene Gesundheit (nur 9 %) zum Katalysator für eine Überarbeitung der Ansätze wurde. Anstatt gesetzliche Anforderungen nur formal zu erfüllen, wurde der Weg gewählt, ein System zu schaffen, in dem jeder Mitarbeiter den Wert von Prävention und rechtzeitiger Diagnose versteht.
Der erste Schritt bei der Umsetzung des Programms war die Modernisierung der Infrastruktur. Eine gewöhnliche Krankenstation wurde in ein lizenziertes Gesundheitszentrum mit einem fest angestellten Allgemeinmediziner umgewandelt. Diese Entscheidung ermöglichte es nicht nur, Erste Hilfe zu leisten, sondern auch systematisch Gesundheitsdaten der Belegschaft zu sammeln.
Das wichtigste Instrument wurde der „Gesundheitspass“ – ein individuelles Dokument, das auf der Grundlage von Daten aus Vor- und regelmäßigen medizinischen Untersuchungen, Vorsorgeuntersuchungen und obligatorischen Fragebögen beim ersten Besuch erstellt wird. Der Allgemeinmediziner analysiert diese Daten und teilt die Mitarbeiter in Risikokategorien (niedrig, mittel, hoch) ein, wobei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in eine separate Gruppe eingeteilt werden.
Zur Verwaltung des Programms wurde die Position eines Spezialisten für betriebliche Gesundheit eingeführt. Zu seinen Aufgaben gehören die Organisation monatlicher Veranstaltungen, die Durchführung von Umfragen und die Einbindung von Fachärzten für Konsultationen zu den identifizierten Risikofaktoren.
Die Wirksamkeit des Programms hängt direkt von der Qualität der Analytik ab. Die Referentin geht detailliert darauf ein, wie anonymisierte Daten aus medizinischen Untersuchungen und Vorsorgeuntersuchungen zur Planung von Aktivitäten genutzt werden. Eine vergleichende Analyse der Ergebnisse ermöglichte es, die Hauptprobleme zu identifizieren: Stoffwechselstörungen, Risiken des Herz-Kreislauf-Systems und Fragen der reproduktiven Gesundheit.
Auf der Grundlage dieser Daten wurden gezielte Programmbereiche mit attraktiven Namen gebildet: „Atme frei“, „Gesundheitsdiät“, „Anti-Stress-Pille“ und andere. Im Rahmen dieser Bereiche finden monatlich 2-3 Veranstaltungen statt – sowohl Online-Vorträge mit Fachärzten als auch Offline-Aktivitäten, einschließlich Sportinitiativen (Schwimmbad, Fitnessstudio, Skifahren).
Für Unternehmen mit landesweiten Niederlassungen ist das Problem der Erreichung aller Mitarbeiter akut. Der Vortrag beleuchtet detailliert die nächste Entwicklungsstufe des Programms – die Einführung der mobilen App „Betriebliche Gesundheit“.
Die App ermöglicht regelmäßige Umfragen zur Bewertung des Wohlbefindensindex und bietet Zugang zu Schulungsmaterialien sowie einem Veranstaltungskalender. Gamification-Elemente (z. B. Teamwettbewerbe nach Schrittzahl) steigern das Interesse am Programm. Personalisierte Empfehlungen werden auf der Grundlage des individuellen Risikoprofils erstellt und umfassen nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch Aspekte wie Schlafqualität und finanzielles Wohlbefinden.
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