Von isolierter Schulung zu integrierter Sicherheit
Der traditionelle Ansatz der betrieblichen Ausbildung trennt oft die fachliche Qualifizierung vom Arbeitsschutz. Die Mitarbeiter lernen separat, wie man Anlagen repariert, und separat, wie man Sicherheitsregeln einhält. Mikhail Omelchuk, verantwortlich für die technische Ausbildung in der Düngemittelsparte von EuroChem, analysiert, warum dieser Ansatz veraltet ist und wie man jedes technische Schulungsprogramm in ein Instrument zur Erhöhung der Sicherheit verwandeln kann.
Der Vortrag beleuchtet detailliert den Übergang zu einem kompetenzbasierten Lernmodell, bei dem HSE-Themen (Health, Safety, Environment) organisch in das Studium von Mechanik, Energietechnik, Messtechnik und Produktionstechnologie eingebunden werden. Der Referent zeigt am Beispiel der Schaffung neuer Schulungszentren und Trainingsgelände, wie diese Bereiche in der Praxis vereint werden können, sodass die sichere Ausführung von Arbeiten für die Mitarbeiter zum einzig möglichen Algorithmus wird.
10 Modelle zur Integration von Sicherheitsthemen
Der Referent betont, dass es kein ideales Universalmodell gibt. Je nach Spezifik des Programms und der Zielgruppe kommen unterschiedliche Ansätze zum Einsatz. Im Bericht werden 10 Integrationsmodelle hervorgehoben, von den einfachsten bis hin zu komplexen:
- Fragmentiertes Modell: Der traditionelle Ansatz, bei dem Programme für Arbeitsschutz und technische Disziplinen isoliert existieren. Dies ist der am einfachsten zu entwickelnde, aber am wenigsten effektive Weg.
- Verbundenes und geschichtetes Modell: Verfeinerung der Struktur innerhalb eines einzelnen Kurses, bei dem spezifische Module hervorgehoben werden (z. B. Risikobewertung innerhalb eines HSE-Kurses), aber es besteht weiterhin keine tiefe Verbindung zu anderen Disziplinen.
- Sequenzielles Modell: Die Programme folgen aufeinander und haben Berührungspunkte. Zum Beispiel absolviert ein Mitarbeiter nach Erhalt eines grundlegenden Anschläger-Zertifikats in einem externen Zentrum ein internes Praxisprogramm, in dem er Fähigkeiten unter Berücksichtigung der Unternehmensanforderungen und der Risikobewertung trainiert.
- Kombiniertes Programm: Eine Disziplin geht fließend in eine andere über. Der Referent nennt als Beispiel die Einführung des LOTO-Systems (Lockout-Tagout). Nachdem der Mitarbeiter die Regeln für die Energieblockierung erlernt hat, wendet er diese Fähigkeiten in der Praxis an, wenn er die Reparatur von Pumpen oder Arbeiten an elektrischen Anlagen studiert. Die Fähigkeit wird als integraler Bestandteil des Arbeitsprozesses gefestigt.
- Netzwerkprogramm: Mehrere Module sind durch eine gemeinsame Idee verbunden. Bei EuroChem wird dies durch den Einführungskurs „Sicheres EuroChem“ umgesetzt, der Schulungen zur Unfallverhütung, Risikobewertung und Ersten Hilfe umfasst, die von einem einheitlichen Konzept der Sicherheitsführung durchdrungen sind.
- Fadenmodell: Sequenzieller Durchlauf verwandter Programme, bei dem jedes folgende auf dem Wissen des vorherigen aufbaut (z. B. Arbeiten in der Höhe → Arbeiten mit Gasgefahren → Reinigung von Geräten in Behältern).
- Integriertes Modell: Enge Verflechtung von Programmen (Gerätereparatur, LOTO, Sicherheit rotierender Teile), die eine umfassende Prüfung ermöglicht.
- Eingebettetes System und Networking: Werden bei der Ausbildung für eine Qualifikationsstufe angewendet, wenn berufliche Fähigkeiten und Sicherheitsanforderungen in einem einzigen Produkt verpackt werden und der Mitarbeiter während der Selbstvorbereitung mit einem Netzwerk von Experten, einschließlich HSE-Spezialisten, interagiert.
Praktische Umsetzung: Trainingsgelände und Kompetenzentwicklung
Theoretische Modelle werden durch eine solide praktische Basis untermauert. Im Unternehmen werden technische Schulungszentren mit Trainingsgeländen zur Kompetenzentwicklung eingerichtet. Ein Pilotprojekt in der Region Stawropol ermöglicht es den Mitarbeitern (sowohl Betriebs- als auch Instandhaltungspersonal) bereits, die richtigen Arbeitsalgorithmen an realen Geräten (z. B. Schleif- und Bohrmaschinen) physisch zu üben.
Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Schulungen von internen Ausbildern durchgeführt werden, die auch das Wissen von Mitarbeitern und Auftragnehmern überprüfen. Dies gewährleistet einen einheitlichen Anforderungsstandard und ein tiefes Verständnis für die Spezifik des Unternehmens. Das Ziel solcher Investitionen ist die Reduzierung von Verletzungen und die Vermeidung von Fehlern, die zu Geräteausfällen und Notsituationen führen.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie man aufhört, Arbeitsschutz nur „pro forma“ zu unterrichten, und Sicherheit in berufliche Fähigkeiten integriert?
- Welche Modelle zur Kombination von technischer Ausbildung und HSE-Programmen existieren?
- Wie man das LOTO-System nicht als separaten Kurs, sondern als Grundfertigkeit bei jeder Reparatur nutzt?
- Wozu Trainingsgelände benötigt werden und wie dort sichere Arbeitsalgorithmen geübt werden?
- Wie man ein Einarbeitungsprogramm für neue Mitarbeiter durch das Prisma eines risikoorientierten Ansatzes aufbaut?