Schaffung eines Systems der öffentlich zugänglichen Defibrillation an öffentlichen Orten und am Arbeitsplatz für eine maximal effektive Erste Hilfe bei plötzlichem Herzstillstand

Fallstudie
4 Juni 2025 🇷🇺 Originalsprache: русский

Seit dem 1. September 2024 gab es historische Änderungen in der russischen Gesetzgebung: Der Erlass des Gesundheitsministeriums Nr. 220n trat in Kraft, der offiziell die Verwendung von automatisierten externen Defibrillatoren (AED) durch Augenzeugen bei der Ersten Hilfe erlaubt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten zur Lebensrettung auf Produktionsgeländen und in Büros, jedoch reicht es nicht aus, einfach nur die Ausrüstung zu kaufen. Die Experten des Unternehmens „ARIBRIS“, Marina Osanova und Ekaterina Moreyna, analysieren detailliert, wie man ein vollwertiges System der öffentlich zugänglichen Defibrillation aufbaut, das in einer kritischen Situation wirklich funktioniert.

Warum gerade ein System wichtig ist und nicht nur das Vorhandensein eines AED

Jährlich sterben in Russland etwa 350.000 Menschen an plötzlichem Herzstillstand, wobei 80 % der Fälle außerhalb medizinischer Einrichtungen auftreten — zu Hause, auf der Straße oder am Arbeitsplatz. Im Vortrag wird betont, dass bei Kammerflimmern jede Sekunde zählt: Das kritische Zeitfenster für einen erfolgreichen Neustart des Herzens beträgt nur 3 – 5 Minuten. Wenn in diesem Zeitraum ein Defibrillator eingesetzt wird, steigen die Überlebenschancen auf bis zu 75 %.

Genau deshalb erfordert das Konzept der „Rettungskette“ einen systematischen Ansatz. Die Platzierung der Geräte muss mit einem klaren Verständnis einhergehen, wer, wie und wann sie vor dem Eintreffen des Krankenwagens einsetzen wird.

Algorithmus für die Arbeit mit einem Defibrillator: von der Theorie zur Praxis

Die Referenten zeigen am Beispiel eines modernen AED, dass die Verwendung des Geräts keine medizinische Ausbildung erfordert. Das Gerät analysiert selbstständig den Herzrhythmus und entscheidet über die Notwendigkeit eines Schocks. Die Hauptaufgabe des Helfers besteht darin, das Gerät einzuschalten und den Sprachanweisungen genau zu folgen.

Moderne Modelle sind mit Sensoren zur Qualitätskontrolle der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) ausgestattet. Sie korrigieren in Echtzeit die Handlungen der Person und geben die richtige Tiefe und Frequenz der Kompressionen vor. Dies baut psychologische Barrieren ab und minimiert das Fehlerrisiko in einer Stresssituation.

Vier Phasen der Einführung der Defibrillation im Unternehmen

Die Schaffung einer funktionierenden Infrastruktur erfordert aufeinanderfolgende Schritte, die die Referenten in einem einheitlichen Algorithmus zusammenfassen:

  • Analyse und Information. Bewertung von Risikozonen im Unternehmen (Werkstätten, Eingangsbereiche, Kantinen) und Arbeit mit dem Personal. Es ist wichtig, nicht einfach eine Direktive von oben herabzugeben, sondern den Menschen die Bedeutung des Problems durch Meisterklassen und soziale Videos zu erklären.
  • Auswahl und Platzierung der Ausrüstung. Bestimmung optimaler Installationspunkte, Beschaffung von AED unter Berücksichtigung spezifischer Anforderungen (z. B. Vorhandensein von Kinderelektroden für öffentliche Räume) und Gewährleistung ihres Vandalismusschutzes.
  • Schulung der Mitarbeiter. Eine grundlegende Einweisung alle drei Jahre reicht nicht aus. Die praktische Fähigkeit zur Durchführung der HLW mit Einsatz eines AED geht innerhalb eines halben Jahres verloren, daher sind regelmäßige Auffrischungskurse erforderlich, insbesondere für spezielle Schnelleinsatzgruppen.
  • Überwachung des Systems. Die Experten führen ein anschauliches Beispiel aus Paris an, wo eine außerplanmäßige Überprüfung ergab, dass 25 % der AED aufgrund entladener Batterien nicht funktionierten. Die regelmäßige Kontrolle des technischen Zustands der Geräte und der Haltbarkeit der Elektroden ist eine kritische Bedingung für die Lebensfähigkeit des gesamten Systems.

Erfahrungen bei der Einführung: von weltweiten Praktiken zu russischen Realitäten

In der weltweiten Praxis funktionieren Systeme der öffentlich zugänglichen Defibrillation seit Jahrzehnten erfolgreich. In den Niederlanden beispielsweise ist ein Netzwerk von 24.000 AED mit einer mobilen App für 245.000 geschulte Freiwillige integriert, was die Überlebensrate bei Herzstillstand von 9 % auf 25 % erhöht hat.

In Russland steht dieser Weg erst am Anfang, aber es gibt bereits erfolgreiche Fallstudien. Im Vortrag wird das Pilotprojekt eines großen Metallurgieunternehmens detailliert betrachtet: Es wurden mehr als 300 Geräte installiert, über 8.000 Mitarbeiter geschult und interne Ausbilder vorbereitet. Das wichtigste Ergebnis dieser groß angelegten Arbeit sind reale gerettete Leben von Mitarbeitern, die zu ihren Familien und ihrer Arbeit zurückgekehrt sind.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie man AED am Arbeitsplatz unter Berücksichtigung des neuen Erlasses des Gesundheitsministeriums Nr. 220n legal einsetzt?
  • Wie man Defibrillatoren richtig in das betriebliche Gesundheitsschutzsystem integriert?
  • Welche Fehler bei der Wartung von AED das Leben des Opfers kosten können?
  • Wie man eine effektive Schulung des Personals ohne Unterbrechung der Produktion organisiert?
  • Wo genau im Unternehmen die Installation von Defibrillatoren die maximale Wirkung erzielt?
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