Die Entwicklung der HSE-Kultur in einer Organisation ist nicht nur die Einführung neuer Regeln, sondern eine tiefgreifende Transformation des Denkens und Verhaltens des Teams. Im Rahmen des Webinars betrachten die Referenten Evgeny Parygin und Tatiana Melnitskaya detailliert die Entwicklungsphasen der HSE-Kultur und zeigen, wie sich die Motivation der Mitarbeiter und die Taktik der Führungskräfte mit zunehmender Reife der Organisation verändern.
Der Referent analysiert drei Schlüsselphasen der Evolution der HSE-Kultur. In der ersten Phase dominiert die innere Motivation, die auf Zwang und Angst vor Bestrafung basiert. Führungskräfte nutzen die Taktik von „Zuckerbrot und Peitsche“ und demonstrieren Statusprivilegien. Die zweite Phase ist durch die Stimulierung durch Scham vor den „Eigenen“ gekennzeichnet – die Mitarbeiter beginnen darüber nachzudenken, was ihre Kollegen über sie denken. Für Führungskräfte ist es in dieser Phase wichtig, für ihre Untergebenen zu den „Eigenen“ zu werden, um sie durch Überzeugung und Ermutigung effektiv zu beeinflussen. Schließlich ist die dritte, höchste Phase die Motivation, die auf Gewissen, Selbstkontrolle und Selbstmotivation basiert. Hier baut die Taktik der Führungskräfte auf Zusammenarbeit und der Schaffung einer Atmosphäre des Vertrauens auf.
In dem Vortrag wird der psychophysiologische Aspekt der Sicherheit detailliert betrachtet. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie Stress den Mitarbeiter in die „rote Zone“ des Denkens versetzt, wo kritisches Denken unterdrückt wird und die Wahrscheinlichkeit von Fehlern steigt. Laut Studien kann der Übergang aus einem Stresszustand zurück in die „grüne Zone“ des kritischen Denkens bis zu 2,5 Stunden dauern. Im Stresszustand verschlechtert sich das Gedächtnis einer Person, das intellektuelle Potenzial sinkt und motorische Reaktionen verlangsamen sich, was oft die Ursache für Arbeitsunfälle ist.
Zur Gewährleistung der Sicherheit ist es von entscheidender Bedeutung, ein sicheres automatisches Denken zu formen. In einer Notsituation, wenn eine Person stark unter dem Einfluss von Stresshormonen steht, sind es genau die automatischen Fähigkeiten, die durch mehrfache Wiederholung der richtigen Handlungen entwickelt wurden, die Leben retten. Kritisches Denken erfordert Zeit und eine ruhige Umgebung, daher ist es gefährlich, sich in Notsituationen nur darauf zu verlassen.
Die Veränderungskultur erfordert den kompetenten Einsatz von Einflussinstrumenten. Der Referent betont, dass Angst und Bestrafung in den Anfangsphasen zwar schnelle Ergebnisse liefern können, sie jedoch langfristig die Psyche zerstören und das Engagement des Personals verringern. Ständiger Stress führt zu einem hohen Cortisolspiegel, was das Immunsystem unterdrückt und die Arbeitsleistung verringert.
Für den Übergang zu höheren Ebenen der HSE-Kultur ist es notwendig, ein Gefühl der Scham (Bewusstsein für die Nichtübereinstimmung mit den Erwartungen des Teams) und des Gewissens (innere Selbstkontrolle) zu entwickeln. Ein günstiges Umfeld, in dem Belohnungen für richtiges Verhalten überwiegen, trägt zu einer Steigerung des Mitarbeiterengagements auf 80-95% bei. Bestrafungen bleiben nur notwendig, um bewusste Verstöße und gefährliches Verhalten zu unterbinden.
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