Im System der Arbeitssicherheit gibt es ein Paradoxon: Die tägliche Arbeit unter denselben Bedingungen führt unweigerlich zur Betriebsblindheit. Fachkräfte gewöhnen sich an die Routine und übersehen potenziell gefährliche Verstöße. Andrey Shutov, stellvertretender Chefingenieur für HSE bei PAO Surgutneftegas, analysiert die Lösung dieses Problems durch die Einführung von Kreuzprüfungen – einer Methode, bei der Audits von Fachkräften aus benachbarten Abteilungen durchgeführt werden.
Die geringe Wirksamkeit traditioneller Kontrollen veranlasste das Unternehmen zur Einführung des neuen Formats. Die Gewöhnung an Standardverfahren führt zu einer formalen Einstellung gegenüber internen Prüfungen, und die Angst vor Bestrafung führt zur Verheimlichung systematischer Verstöße. Kreuzprüfungen verlagern den Fokus von strenger Überwachung hin zu einer Kultur der Eigenverantwortung und schaffen einen funktionierenden Kanal für den Austausch von Best Practices zwischen Fachkräften.
Die Grundlage der Methode bilden Vor-Ort-Audits durch Gruppen von zwei bis drei Personen, die je nach geografischer Lage der Objekte bis zu vier Tage dauern. In der Präsentation wird der Ansatz zur Standardisierung der Kontrolle detailliert betrachtet. Eine wichtige Bedingung: Checklisten sind nicht universell. Sie werden von Fachkräften der Verwaltung entwickelt und an jede spezifische Abteilung unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Standorts (z. B. Vorhandensein von Öllagerbereichen oder Asphaltierungsabschnitten) angepasst.
Die Bewertung umfasst Schlüsselbereiche: HSE-Dokumentation, Arbeitsumgebung, Anlagenzustand, Einsatz von PSA sowie Brand- und Elektrosicherheit. Im Anschluss wird ein Bericht erstellt und eine Besprechung durchgeführt, in der Bereiche festgehalten werden, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.
Jedes Kontrollsystem stößt auf Widerstand im Umfeld. Der Referent zeigt am Beispiel seines Unternehmens, wie Probleme mit mangelnder Objektivität und dem menschlichen Faktor gelöst werden. Die Praxis hat gezeigt, dass bei Kreuzprüfungen gegenseitige Absprachen zwischen Auditoren („ich schreibe dir weniger Verstöße auf, und du mir“) oder eine Verzerrung der Bewertungsstrenge möglich sind. Um diese Risiken zu minimieren, wurde eine obligatorische und regelmäßige Rotation der Prüfer eingeführt.
Besonderes Augenmerk wird auf das Engagement des Personals gelegt. Die finanzielle Motivation der Auditoren ist an die Verringerung der Anzahl von Beanstandungen und die rasche Behebung der festgestellten Verstöße am Ende des Monats gekoppelt. Um ehrliches Feedback von den Mitarbeitern an der Basis zu erhalten und verborgene Mängel aufzudecken, werden Gespräche streng im persönlichen Rahmen geführt, ohne Anwesenheit der direkten Führungskräfte des geprüften Bereichs.
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