Von Profis bis zu Amateuren: Warum wir uns alle eine Straße teilen
Die Unterteilung von Fahrern in „Profis“ und „Amateure“ verliert heute an Relevanz. Wie Olga Tichomirnowa, Senior Safety Manager, anmerkt, agieren alle Verkehrsteilnehmer in derselben Umgebung. Jährlich sterben weltweit 1,3 Millionen Menschen auf den Straßen, und bis zu 50 Millionen werden verletzt. Mangelnde Erfahrung ist ein wichtiger Risikofaktor, aber auch erfahrene Fahrer entwickeln mit der Zeit gefährliche Gewohnheiten. Das wichtigste Instrument im Kampf gegen Unfälle ist die Achtsamkeit.
Warum verstoßen Fahrer gegen die Regeln?
In der Präsentation werden die Ursachen für Verkehrsverstöße detailliert untersucht. Oft ist es keine böse Absicht, sondern ein Komplex von Faktoren:
- Mangel an Informationen und Verständnis: Fahrer sind sich der tatsächlichen Risiken ihrer Handlungen möglicherweise nicht bewusst.
- Schlechte Planung und Eile: Der Wunsch, alles rechtzeitig zu schaffen, der für viele Berufe (z. B. Merchandiser oder Taxifahrer) typisch ist, führt zu gefährlichen Manövern.
- Unaufmerksamkeit und Ablenkung: Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, die Nutzung von Gadgets oder innere Sorgen verringern die Konzentration.
- Psychologische Faktoren: Reizbarkeit, Unbeherrschtheit, der Wunsch, sich auf der Straße hervorzutun, oder mangelnde Vorbereitung auf die Route.
Das Verständnis dieser Ursachen ermöglicht es Unternehmen, ein effektives Präventionssystem aufzubauen, anstatt nur Verstöße zu bestrafen.
Analyse von Verstößen: Vom Bußgeld zum freundlichen Gespräch
Die Referentin zeigt am Beispiel ihres Unternehmens, wie wichtig es ist, jeden Verstoß zu analysieren, selbst eine geringfügige Geschwindigkeitsüberschreitung (z. B. 83 km/h bei erlaubten 60). Diesem Ansatz liegt die Sicherheitspyramide zugrunde: Unten stehen potenzielle Vorfälle, oben Todesfälle. Die Analyse eines Verstoßes ist kein Gericht, sondern ein freundliches, vertrauensvolles Gespräch unter Beteiligung des Fahrers selbst, seines direkten Vorgesetzten, eines Vertreters der Personalabteilung und des HSE-Managers. Das Ziel ist es, zu verstehen, was dem Mitarbeiter im Moment des Verstoßes durch den Kopf ging, und schwerwiegendere Folgen in der Zukunft zu verhindern.
Instrumente zur Steigerung der Achtsamkeit: Schulung und Kommunikation
Um eine Kultur des sicheren Fahrens zu etablieren, verfolgt das Unternehmen einen umfassenden Ansatz:
- Fahrzeugnutzungsrichtlinie: Klare Regeln, einschließlich obligatorischer externer Schulungen zum defensiven Fahren für Mitarbeiter, die ihr privates Auto für berufliche Zwecke nutzen.
- Regelmäßige Kommunikation: Saisonale Sicherheitsbulletins (Fahren im Winter/Sommer), Diskussionen innerhalb der Teams, Wettbewerbe unter Einbeziehung der Familien.
- Programme und Audits: Programm „Lebend zurückkehren“, Audit „Erste Verteidigungslinie“ für Führungskräfte, Analyse potenzieller Vorfälle (Near-Misses).
- Fahrerrisikoindex: Ein Bewertungssystem, das Fragebögen, die Zuweisung von Schulungsmodulen je nach identifizierten Risiken und eine abschließende Diskussion mit einem Trainer für defensives Fahren umfasst.
Es ist wichtig, dass viele dieser Instrumente keine erheblichen finanziellen Kosten verursachen, aber Engagement und den Glauben an die eigene Sache seitens der HSE-Spezialisten und Führungskräfte erfordern.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie analysiert man Verkehrsverstöße von Mitarbeitern effektiv, um schwere Unfälle zu verhindern?
- Welche Kommunikations- und Schulungsinstrumente helfen, die Achtsamkeit der Fahrer zu erhöhen?
- Wie funktioniert das Bewertungssystem für den Fahrerrisikoindex und wie hilft es, die Unfallrate zu senken?
- Wie bekämpft man gefährliche Gewohnheiten von Fahrern, die vom privaten Transport in den Fuhrpark des Unternehmens gewechselt sind?
- Wie beeinflusst die Führungskultur die Verkehrssicherheit und was ist zu tun, wenn ein Vorgesetzter einen Fahrer bittet, aus Zeitgründen gegen die Regeln zu verstoßen?