Der Übergang von der formalen Einhaltung der HSE-Regeln zum bewussten Management beruflicher Risiken ist eine logische Phase in der Entwicklung der Sicherheitskultur in großen Industrieunternehmen. Im Rahmen des Webinars analysiert Ilya Muravyov, Risikomanagement-Spezialist bei „Metalloinvest“ (OEMK), praktische Erfahrungen bei der Einführung eines risikoorientierten Ansatzes direkt in den Produktionsstätten.
Eines der Haupthindernisse auf dem Weg zu null Unfällen ist die berufliche Deformation und die Gewöhnung an Gefahren. Der Referent zeigt dies am Beispiel der Wartung einer Spannstation einer Förderstrecke. Arbeiter und Linienmanager ignorierten jahrelang eine offene Öffnung in der Nähe beweglicher Mechanismen und hielten die Situation für normal. Die Aufgabe des Risikospezialisten besteht in solchen Fällen nicht nur darin, eine Anweisung zu erteilen, sondern das Personal durch einen Dialog zur Erkenntnis der Bedrohung zu führen. Als Ergebnis der Diskussion wurde die Öffnung durch den mechanischen Dienst geschlossen, was das Risiko ausschloss, dass Gliedmaßen in den rotierenden Mechanismus geraten.
Ein ähnlicher Ansatz wird auch bei der Ergonomie von Arbeitsplätzen angewendet. In der Präsentation wird der Fall einer Wartungsplattform für einen Bunker mit metallisierten Pellets detailliert betrachtet. Für den Arbeiter war es unbequem, auf einem schmalen Gitter Umschaltungen vorzunehmen, aber die Initiative zur Verbesserung der Bedingungen entstand erst nach einem gezielten Gespräch. Die Erweiterung der Plattform ohne Änderung der Konstruktion der Ausrüstung selbst ermöglichte es, das Risiko eines Sturzes aus der Höhe zu minimieren und die Arbeit komfortabler zu gestalten.
Die Einführung eines neuen Systems stößt oft auf Skepsis. Die Arbeiter verweisen auf den Verschleiß der Ausrüstung und jahrzehntelang etablierte Praktiken. Der Referent nennt ein bezeichnendes Beispiel: Die Mitarbeiter liefen 30 Jahre lang über alte, ungenutzte Rohre und erlebten Unannehmlichkeiten, meldeten dies jedoch niemandem. Ein gemeinsamer Rundgang in der Werkstatt und die schnelle Demontage dieser Rohre zeigten dem Team deutlich, dass das System funktioniert und das Management bereit ist, zuzuhören und Probleme zu lösen.
Eine Schlüsselrolle in diesem Prozess spielen interne Trainer und engagierte Risikomanagement-Spezialisten. Sie agieren nicht als Kontrolleure, sondern als Helfer. Direkt in den Werkstätten schulen sie das Personal darin, Gefahren an ihren Arbeitsplätzen zu erkennen, ohne auf die Ankunft des Meisters oder des HSE-Ingenieurs zu warten.
Damit Initiativen nicht verloren gehen, hat das Unternehmen ein digitales Tool zur Erfassung von Gefahren implementiert. Jeder Mitarbeiter kann ein Problem über eine mobile App oder das Unternehmensportal direkt vom Arbeitsplatz aus melden. Das System ermöglicht es:
Das Hauptergebnis des risikoorientierten Ansatzes ist die Veränderung der Denkweise der Menschen selbst. Die Fähigkeit, Gefahren zu erkennen, wird über das Werkstor hinaus übertragen. Ilya Muravyov illustriert dies mit einem Alltagsbeispiel von einem Kinderfest, bei dem eine Seifenblasenmaschine eine rutschige Oberfläche erzeugte. Eine einfache Lösung – die Verwendung eines trockenen Tuchs als saugfähige Barriere – verhinderte mögliche Verletzungen bei Kindern. Dies beweist, dass Risikomanagement zu einem integralen Bestandteil des täglichen Lebens wird.
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