Der am weitesten verbreitete schädliche Faktor in Produktionsprozessen ist Lärm. Für HSE-Fachkräfte ist dies eine bekannte Tatsache. Jede Produktionsstätte und die meisten Prozesse weisen immer eine – wenn auch geringfügige – Überschreitung des Lärmpegels auf. Der zulässige Grenzwert liegt bei 80 dB. Alles, was über diesen Wert hinausgeht, kann bei ständiger Einwirkung auf den Mitarbeiter im Laufe der Zeit zu einer Berufskrankheit führen – der sensorineuralen Schwerhörigkeit.
Leider verfügen wir oft nicht über die notwendigen Informationen, um unser Gehör bewusst vor Schäden zu schützen, und verschlimmern dies manchmal noch im Alltag. Viele von uns nutzen heutzutage Kopfhörer und hören fast ständig laute Musik. Laut Medizinern trat die erwähnte Berufskrankheit im letzten Jahrhundert fast nur bei älteren Mitarbeitern auf, die viele Jahre in lärmintensiven Betrieben gearbeitet hatten. Heute ist diese Krankheit wesentlich „jünger“ geworden und tritt immer häufiger bei jungen Menschen auf.
Wie entsteht diese Krankheit?
Töne sind akustische Schwingungen, die durch die Luft übertragen werden. Diese Schwingungen oder Schallwellen werden von unserem Außenohr aufgefangen. Sie versetzen das Trommelfell in Schwingung. Letzteres setzt eine Kette von Gehörknöchelchen in Bewegung, die mit unserem Innenohr verbunden sind. Die Gehörschnecke im Innenohr ist ein Hohlraum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Mechanische Schwingungen der Flüssigkeit werden durch winzige, empfindliche Haarzellen in elektrische Impulse umgewandelt. Diese Impulse werden über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn empfängt sie und formt daraus Klangbilder. Und was ist ein akustisches Trauma? Wenn der Schallpegel die zulässigen Grenzen überschreitet, steigt der Flüssigkeitsdruck auf die winzigen Haarzellen drastisch an, was zu deren Beschädigung führt. Beschädigte Haarzellen regenerieren sich niemals. Wenn also keine Maßnahmen zum Schutz des Gehörs ergriffen werden, schreitet dieser negative Prozess fort und das Hörvermögen nimmt allmählich ab. Tritt eine vollständige Taubheit ein, helfen weder Medikamente noch Operationen. Auch Hörgeräte sind hier machtlos. Sensorineurale Schwerhörigkeit ist von Dauer.
Was ist nun die Drei-Dezibel-Regel? In Dezibel wird der Schalldruck berechnet, der entsteht, wenn eine Schallwelle ein Medium durchläuft. Dabei wird die Schallintensität berücksichtigt – also die Energie, die pro Zeiteinheit von der Schallwelle durch das Medium transportiert wird. Die subjektive Eigenschaft des Schalls – Lautstärke – hängt von der Schallintensität ab.
Wenn sich die Schallintensität (Lautstärke) verdoppelt, entspricht dies einer Erhöhung um 3 dB auf einer logarithmischen Skala. Ein Beispiel: Wenn wir eine Maschine mit einem zulässigen Lärmpegel von 80 dB haben und daneben eine identische Maschine mit demselben Lärmpegel aufstellen, beträgt der Lärmpegel an diesem Arbeitsplatz nicht 160 dB (was bereits ein tödlicher Lärmpegel wäre), sondern 83 dB auf der logarithmischen Skala. Einfacher ausgedrückt: Jede Erhöhung um 3 dB führt zu einer Verdoppelung der Schallintensität oder der akustischen Leistung. Das ist die Drei-Dezibel-Regel. Können Sie sich das vorstellen? Eine scheinbar so geringe Erhöhung der Dezibelzahl führt zu einer gewaltigen Änderung der Schallintensität.
Hier sind die Grundregeln für den Umgang mit Dezibel:
Mit diesem Wissen können wir die bewusste Entscheidung treffen, unser Gehör genauso sorgfältig zu schützen wie beispielsweise unsere Augen. Das bedeutet, Gehörschutz zu tragen, wo der Lärmpegel durch technische Maßnahmen nicht gesenkt werden kann. Und natürlich sollten wir den Eintritt der Schwerhörigkeit im Alltag nicht beschleunigen. Jeden Tag die richtige Wahl zugunsten der Gesundheit und Lebensqualität treffen.
In HSE-Schulungen erzähle ich meinen Kollegen von der Drei-Dezibel-Regel, und wissen Sie was? Sobald sie diese Information verinnerlicht haben, beginnen sie, den schädlichen Faktor Lärm anders wahrzunehmen. Das ist der einfache Weg zu bewusster Sicherheit. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.