Die Relevanz von Maßnahmen zur Reduzierung der Auswirkungen schädlicher und gefährlicher Faktoren auf die Gesundheit der Mitarbeiter in Unternehmen ergibt sich daraus, dass die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit und Todesfälle durch betriebliche Faktoren nicht Arbeitsunfälle sind, sondern Berufskrankheiten, auf die bis zu 80 % der Fälle entfallen (laut WHO-Materialien).
Informationen über die Übereinstimmung der Faktoren des Arbeitsprozesses an den Arbeitsplätzen mit den festgelegten Normen können aus den Unterlagen der speziellen Bewertung der Arbeitsbedingungen (SOUT) und des Laborkontrollprogramms (PLK) entnommen werden.
Im laufenden Jahr wurde in unserem Unternehmen eine Bewertung des berufsbedingten Gesundheitsrisikos der Mitarbeiter durchgeführt. Die Bewertung basierte auf langjährigen Ergebnissen der Überwachung der Lärmexposition aus den SOUT- und PLK-Unterlagen sowie auf Informationen über den Gesundheitszustand der Mitarbeiter.
Im Zuge der Arbeiten wurden Arbeitsplätze identifiziert, an denen Maßnahmen zur Risikominderung entwickelt werden müssen, eine Priorisierung nach Dringlichkeit dieser Maßnahmen vorgenommen sowie Vorschläge für spezifische Arbeitsplätze und Berufe erarbeitet. Die gewonnenen theoretischen Bewertungen sind durch Faktenmaterial untermauert, weshalb wir diesen Ansatz anderen Unternehmen empfehlen können.
Beim Vergleich langjähriger Prüfergebnisse der Lärmexposition an denselben Arbeitsplätzen fiel eine geringe Wiederholbarkeit der Ergebnisse auf. In mehr als 60 % der Fälle erhielten dieselben Arbeitsplätze unterschiedliche Bewertungen, was eine spezielle Untersuchung erforderte.
Es wurde festgestellt, dass die Differenz in den Messergebnissen auf mehrere Ursachen zurückzuführen ist: Messungen in verschiedenen Phasen des technologischen Prozesses, die Wahl der Messstrategie sowie Einschränkungen der Messgeräte und des Zeitrahmens der Untersuchungen.
Das wichtigste methodische Dokument im Bereich der Lärmmessung am Arbeitsplatz ist heute die GOST ISO 9612-2016. Gemäß dieser Norm wird im Rahmen der Betriebskontrolle und der SOUT eine Überwachung der akustischen Belastung des Arbeitnehmers durchgeführt, die auf der Wahl einer Messstrategie basiert. Eine der Besonderheiten, die die Wahl der Strategie bestimmen, ist der für die Messung aufgewendete Zeitraum. So beträgt bei einer Strategie auf Basis der Arbeitsfunktion die minimale Gesamtdauer der Messungen 5 Stunden, während sie bei einer Strategie auf Basis des Arbeitstages 3 Arbeitsschichten umfasst. Dies macht die Durchführung von Messungen mit einem „klassischen“ integrierenden und mittelnden Schallpegelmesser zu einer schwierigen Aufgabe.
Der Lärmpegel an Arbeitsplätzen ist in der Regel während einer Arbeitsschicht instabil. Daher birgt die Lärmmessung nach einer auf Arbeitsvorgängen basierenden Strategie das Risiko unzuverlässiger Werte an den Arbeitsplätzen. Dies führt folglich zu einer falschen Bewertung der Arbeitsbedingungen hinsichtlich des Faktors „Betriebslärm“ und zum Fehlen eines realen Bildes der Lärmbelastung am Arbeitsplatz. Letztendlich beeinflusst dies die Entwicklung gezielter Präventivmaßnahmen zum Gesundheitsrisikomanagement und führt zu einer ineffizienten Mittelverwendung des Unternehmens.
Die Erfahrung bei der Messung von Betriebslärm mit individuellen Kontrollgeräten hat gezeigt, dass gerade Strategien auf Basis der Arbeitsfunktion oder des Arbeitstages ein zuverlässiges und vollständiges Bild sowohl des Lärmpegels am untersuchten Arbeitsplatz als auch der Lärmbelastung des einzelnen Mitarbeiters liefern und eine höhere Genauigkeit bei der Bewertung der Arbeitsbedingungen ermöglichen.
In der Arbeit wurde nachgewiesen, dass an Arbeitsplätzen, an denen der Lärmpegel der Gefährdungsklasse 3.2 oder höher entspricht, der Einsatz individueller Kontrollgeräte zweckmäßig ist.
Es ist wichtig zu beachten, dass bei der Erstellung eines Programms zur Verringerung des Risikos durch Lärmexposition die Ergebnisse der Messungen der Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibration an den Arbeitsplätzen berücksichtigt werden müssen. Dies ist notwendig, um an diesen Arbeitsplätzen die kombinierte Wirkung vibroakustischer Faktoren (Lärm, Infraschall, Vibration) zu bewerten, die einen additiven (verstärkenden) Effekt haben.