Die Entwicklung einer Sicherheitskultur konzentriert sich traditionell auf festangestellte Mitarbeiter, mit denen das Unternehmen langfristige Beziehungen aufbaut. Bei großen Industrie- und Investitionsprojekten können jedoch gleichzeitig Tausende von Mitarbeitern von Auftragnehmern anwesend sein. Der Referent weist darauf hin, dass diese Fachkräfte oft ein unterschiedliches Bildungsniveau, eine andere Mentalität und einen anderen sozialen Hintergrund haben. Das Hauptproblem liegt in der Kürze ihres Aufenthalts auf der Baustelle – von einigen Monaten bis zu einem Jahr. Gleichzeitig wirken sich Verletzungen bei Auftragnehmern direkt auf die Gesamtkennzahlen des Unternehmens (LTI, LTIFR) aus. Der Einsatz vor Ort hat gezeigt, dass Standardinstrumente wie verhaltensbasierte Sicherheitsaudits oder dynamische Risikobewertungen für das temporäre Personal oft unverständlich bleiben. Dies erforderte die Schaffung eines grundlegend neuen Ansatzes zur Bildung eines einheitlichen Informationsfeldes.
Zur Lösung des Problems wurden eigene Schulungsprogramme entwickelt, die für technisches und ingenieurtechnisches Personal sowie für Arbeiterberufe von Auftragnehmern getrennt sind. In der Präsentation wird der Implementierungsprozess dieser Programme detailliert betrachtet. Die wichtigste Entscheidung war die Abkehr vom Fernformat und von Präsentationen zugunsten von Präsenzschulungen mit einem internen Motivationstrainer. Der Referent betont, dass der Erfolg der Schulung weitgehend von den persönlichen Qualitäten des Trainers abhängt – seiner Fähigkeit, das Publikum zu „begeistern“.
Die Schulung zur Sicherheitskultur wurde offiziell in Zusatzvereinbarungen zu den Verträgen verankert. Die Praxis hat gezeigt, dass dies für viele Arbeiter die erste Erfahrung mit einem offenen Dialog über den menschlichen Faktor und die Gründe für das Verbergen von Mikroverletzungen ist. Für ausländische Auftragnehmer wurden die Programme ins Englische übersetzt und in ihre eigenen mehrtägigen Einführungsunterweisungen integriert, wodurch die Sprachbarriere bereits vor dem Betreten der Baustelle abgebaut werden konnte.
Nach der anfänglichen Schulung wurde das Programm angepasst: Komplexe Instrumente wie verhaltensbasierte Sicherheitsaudits wurden ausgeschlossen, da sie ein höheres Grundniveau der Sicherheitskultur erfordern. Das verbleibende Arsenal umfasst Fünf-Minuten-Sicherheitsgespräche, dynamische Risikobewertungen, das Recht, unsichere Arbeiten abzulehnen, und eine „Dankeschön“-Kultur.
Zur Bewertung der Wirksamkeit der Implementierung werden kurze, unangekündigte Treffen mit den Teams genutzt. Der Trainer führt praktische Aufgaben direkt am Arbeitsplatz durch (z. B. die Bitte, die Risiken von laufenden Maschinen zu bewerten) und belohnt aktive Teilnehmer mit kleinen Souvenirs. Eine wichtige Erkenntnis war das Feedback der Auftragnehmer: Die Arbeitsgruppen des Auftraggebers selbst zeigten nicht immer ein Vorbild für sicheres Verhalten. Als Reaktion darauf führte der Auftraggeber eine erneute Schulung seiner eigenen Mitarbeiter nach denselben Programmen durch.
Die Aufrechterhaltung des erreichten Niveaus der Sicherheitskultur wird durch das Institut des Supervisings sichergestellt. Die Supervisoren, die 90 % der Zeit vor Ort sind, sind in allen Instrumenten geschult und arbeiten kontinuierlich mit dem Personal zusammen, um Verstöße in Echtzeit zu verhindern. Zusätzlich werden moderne Technologien wie Videoüberwachung mit Elementen der künstlichen Intelligenz eingeführt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Praxis, Strafen durch proaktive Maßnahmen zu ersetzen. Ein Auftragnehmer, der eine Strafe wegen Verstoßes gegen HSE-Anforderungen erhält, hat das Recht, die Mittel für den Kauf zusätzlicher Ausrüstung oder Werkzeuge über die Norm hinaus zu verwenden, was Investitionen in echte Sicherheit anregt und nicht nur das Budget des Auftraggebers aufbessert.
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