Die Idee, ein lizenziertes unternehmensinternes HSE-Schulungszentrum zu gründen, wird bei den Leitern der Fachabteilungen immer beliebter. Der Wunsch, Mitarbeiter nach internen, auf die Unternehmensspezifik zugeschnittenen Programmen zu schulen und die Budgets für Weiterbildungen zu optimieren, ist ein natürlicher Entwicklungsschritt des HSE-Managementsystems. Hinter ehrgeizigen Plänen verbergen sich jedoch oft nicht offensichtliche Schwierigkeiten.
Evgeny Kuzmichev, stellvertretender Direktor der HSE-Abteilung der Holding Rosgeologia, teilt seine einzigartigen Erfahrungen bei der Überprüfung der Hypothese: Kann die HSE-Abteilung nicht nur Personal schulen, sondern auch Gewinn erwirtschaften und die eigenen Kosten decken? In seinem Vortrag wird der gesamte Lebenszyklus des Projekts detailliert betrachtet – von der Planung und dem Erhalt der Lizenz bis hin zur Konfrontation mit der harten Realität des Marktes und internem Widerstand.
Das Projekt startete mit dem ehrgeizigen Ziel, innerhalb von 6 Monaten von Grund auf ein lizenziertes Schulungszentrum auf Basis eines der wissenschaftlichen Unternehmen der Holding aufzubauen. Der Referent analysiert die wichtigsten Vorbereitungsphasen und betont die Bedeutung einer detaillierten Roadmap und der Verantwortungsverteilung.
Besonderes Augenmerk wurde auf das Format der Bildungsprogramme gelegt. Eine Analyse der Zielgruppe ergab, dass moderne Arbeitnehmer Microlearning bevorzugen: kurze Videos (7-10 Minuten), interaktive Vorlesungen und Textmaterialien mit Visualisierung. Das optimale Inhaltsverhältnis betrug nach Erfahrung des Teams: 30 % Video, 30 % Live-Online-Vorlesungen, 40 % Materialien zum Selbststudium.
Für die Umsetzung des Fernunterrichts wurde das System Olimpoks gewählt. Trotz bestehender Stereotypen erwies es sich als zuverlässige Out-of-the-Box-Lösung, die moderne Inhaltsformate (SCORM) unterstützt, einschließlich des Zugriffs über mobile Geräte. Individuelle Vertragsbedingungen ermöglichten es, die Kosten für die Anschaffung des Systems auf die interessierten Tochtergesellschaften der Holding aufzuteilen.
Auf der Suche nach effektiven Schulungsmethoden testete das Team moderne Technologien. Der Einsatz von VR-Brillen (am Beispiel der Oculus Quest) eröffnet Perspektiven für die Erstellung digitaler Zwillinge von Produktionsstätten und das Üben praktischer Fähigkeiten in einer sicheren Umgebung. Der Referent weist jedoch auf erhebliche Hürden hin: die hohen Kosten für die Entwicklung spezieller Inhalte und das Problem der „Seekrankheit“ (Motion Sickness) bei einigen Nutzern.
Augmented-Reality-Technologien (AR) haben ebenfalls ein enormes Potenzial, bleiben aber vorerst zu teuer und hochspezialisiert für den Masseneinsatz in der Unternehmensschulung.
Ein viel zugänglicheres und praktischeres Werkzeug erwies sich als die Künstliche Intelligenz. Die Generierung von Foto- und Videoinhalten, die Vertonung von Texten mithilfe neuronaler Netze (Roboter-Assistenten) und der Einsatz von KI für Brainstormings ermöglichen es, Zeit und Kosten für die Erstellung von Schulungsmaterialien erheblich zu reduzieren.
Der Prozess zur Erlangung einer Bildungslizenz sollte laut Evgeny HSE-Spezialisten, die an komplexe regulatorische Dokumentationen gewöhnt sind, nicht abschrecken. Die wichtigsten Phasen umfassen:
Die Hypothese der Selbstfinanzierung des Schulungszentrums wurde bestätigt: In 2 Jahren wurden rund 200 Personen in sechs Programmen geschult, was Einnahmen von über 2 Millionen Rubel einbrachte (durch Kosteneinsparungen der Tochtergesellschaften der Holding). Auch der soziale Effekt war beträchtlich – die Schulung nach einheitlichen Standards trug zur Senkung der Unfallzahlen bei.
Trotz des finanziellen Erfolgs stieß das Projekt jedoch auf ernsthafte Probleme, die zu seiner vorübergehenden Einfrierung führten. Der Referent spricht offen über die „Fallstricke“:
Die wichtigste Schlussfolgerung des Referenten lautet: Soziale Effekte und die Verbesserung der Sicherheitskultur sollten Vorrang vor wirtschaftlichen Indikatoren haben. Die Gründung eines unternehmensinternen Schulungszentrums ist nur dann sinnvoll, wenn das Management bereit ist, in eine dedizierte Struktur und qualifiziertes Personal zu investieren.
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