Das Vorfallmanagement ist ein Grundbedürfnis jedes sich entwickelnden HSE-Systems. Der Übergang von Papierprotokollen zur digitalen Analytik geht jedoch oft mit Widerstand des Personals, Datenverzerrungen und Informationsverlusten bei der Übertragung einher. In der Präsentation wird detailliert auf die praktischen Erfahrungen beim Aufbau eines transparenten Systems zur Erfassung von Feedback zu Vorfällen eingegangen, das von einem Team unter der Leitung von Vera Konshina in Logistikeinrichtungen umgesetzt wurde.
Für eine korrekte Datenanalyse muss klar definiert werden, welche Ereignisse genau erfasst werden sollen. Der Referent erläutert einen Ansatz, bei dem Vorfälle in vier Hauptkategorien unterteilt werden: Unfälle, Mikrotraumata, gefährliche Situationen (früher als Near Miss klassifiziert) und private Verletzungen oder Erkrankungen am Arbeitsplatz.
Besonderes Augenmerk wird auf die Erfassung von privaten Verletzungen und der Verschlechterung des Wohlbefindens der Mitarbeiter gelegt. Obwohl diese Ereignisse nicht direkt mit Produktionsfaktoren zusammenhängen, schützt ihre Erfassung den Arbeitgeber vor versteckten Arbeitsunfällen und ermöglicht eine genauere Beurteilung des allgemeinen Zustands des Personals. Jede Vorfallkategorie hat ihre eigenen Metriken: von grundlegenden (Datum, Uhrzeit, Objekt) bis hin zu spezifischen (Art des gefährlichen Verhaltens, Nutzung des Erste-Hilfe-Kastens).
Das Hauptproblem bei der Erfassung von Mikrotraumata und gefährlichen Situationen ist die mangelnde Bereitschaft der Mitarbeiter, diese zu melden. Um diese Barriere zu überwinden, wurde ein maximal vereinfachter Weg zur Registrierung von Ereignissen vorgeschlagen. In allen Betriebsbereichen sind QR-Codes platziert, die zu einem kurzen elektronischen Formular führen.
Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie ein ausgefülltes Formular in eine Aufgabe (Ticket) im internen Erfassungssystem umgewandelt wird. Der Bearbeitungsprozess ist automatisiert: Das System weist je nach Standort selbstständig den zuständigen HSE-Spezialisten zu und zieht angrenzende Abteilungen (Brandschutz, Betriebsdienst) hinzu.
Für eine schnelle Reaktion wird die Integration mit Messengern genutzt. Benachrichtigungen über kritische Vorfälle gehen sofort an die Bereitschaftsgruppe, sodass Untersuchungen ohne Verzögerung eingeleitet werden können. Dabei sieht der Initiator der Anfrage (sofern das Formular nicht anonym ausgefüllt wurde) alle Bearbeitungsphasen seines Anliegens, was Vertrauen in das System schafft und das weitere Engagement des Personals fördert.
Die gesammelten Datenmengen ermöglichen es, verborgene Muster aufzudecken. Beispielsweise zeigte eine Analyse der Vorfallzeiten, dass der Höhepunkt der Vorfallerfassung in den Tagesstunden und nicht in den Nachtschichten liegt. Dies liegt daran, dass tagsüber mehr Rundgänge durchgeführt und mehr gefährliche Bedingungen aufgedeckt werden, während die Kontrolle nachts nachlässt. Diese Erkenntnis führte zu einer Überarbeitung des Auditplans für die Standorte.
Das System ermöglicht es auch, die Effizienz der HSE-Abteilung selbst zu verfolgen (Ticket-Schließungszeiten) und systemische Probleme zu identifizieren, wie z. B. das langsame Beheben von Verstößen durch Subunternehmer. Zukünftig sollen die gesammelten Statistiken direkt in den Prozess der Gefährdungsbeurteilung integriert werden.
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