Die Gesundheitsversorgung des Personals an abgelegenen Produktionsstandorten beschränkt sich traditionell auf Notfallmaßnahmen und grundlegende medizinische Untersuchungen. Unter den Bedingungen des Hohen Nordens, wo die Logistik auf wenige Monate im Jahr beschränkt ist und im Schichtbetrieb gearbeitet wird, ist dieser Ansatz jedoch nicht mehr effektiv. Der Webinar-Sprecher Nikolai Ievlev analysiert am Beispiel des Unternehmens „Rusvietpetro“ den Übergang von reaktiver Medizin zu proaktivem Wohlbefindensmanagement der Mitarbeiter. Diesem Übergang liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Gesundheit eines Mitarbeiters zu 50 % von seinem Lebensstil abhängt. Daher muss sich der Fokus der HSE-Abteilung auf die Entwicklung gesunder Gewohnheiten und die Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur verlagern.
Eines der Hauptprobleme abgelegener Standorte ist die Qualität und Zuverlässigkeit medizinischer Untersuchungen. Der Vortrag beleuchtet detailliert einen ganzheitlichen Ansatz zur Digitalisierung der Medizin, der es ermöglichte, den menschlichen Faktor auszuschließen und den Verlust von Arbeitszeit zu minimieren:
Die Schaffung einer Infrastruktur garantiert nicht deren Nutzung, wenn die Mitarbeiter kein bewusstes Verhältnis zu ihrer Gesundheit haben. Der Sprecher zeigt am Beispiel des Projekts „Gesundheitsschule“, wie Verhaltensmuster von Schichtarbeitern geändert werden können. Basierend auf einer Morbiditätsanalyse wurden Risikogruppen identifiziert, mit denen Ärzte und Fachspezialisten eine systematische Arbeit begannen. Die Mitarbeiter lernten, ihren Blutdruck selbst zu kontrollieren, den Cholesterinspiegel zu messen und die Prinzipien der Kalorienberechnung zu verstehen. Ein unerwartetes, aber bezeichnendes Ergebnis war die aktive Teilnahme der Fokusgruppe (Männer über 45 Jahre) an Pilates- und Yoga-Kursen, was die Wirksamkeit einer gut strukturierten Aufklärungsarbeit beweist.
Gesundheitsmanagement erfordert umfassende Unterstützung durch den Arbeitgeber. Die Einführung erweiterter privater Krankenversicherungsprogramme (einschließlich Kinder und Verwandte), der Bau multifunktionaler Sportkomplexe und die Organisation von Kurbehandlungen auf Kosten des Sozialfonds ermöglichten die Schaffung einer vollwertigen Umgebung zur Erholung. Das praktische Ergebnis der Umsetzung dieser Programme war nicht nur das Erreichen einer LTIFR-Rate von null, sondern auch ein dokumentierter Rückgang der Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts um 30 % bis Ende 2024.
Entdecken Sie die vollständige Bibliothek bewährter Praktiken der Arbeitssicherheit
Zur Bibliothek