Die Entwicklung einer Sicherheitskultur in modernen Unternehmen stößt oft auf das Problem eines formalen Ansatzes. Führungskräfte erkennen zwar den Einfluss der Unternehmenskultur auf die Geschäftsergebnisse an, beschäftigen sich in der Praxis jedoch weiterhin ausschließlich mit Dokumenten und reaktiven Kennzahlen. In seinem Vortrag analysiert Vadim Demchenko, freiberuflicher Berater und Dozent am Unternehmensinstitut von Gazprom, detailliert, warum die Strategie der «Papierabsicherung» nicht funktioniert und wie man zu einer echten Einbindung der Mitarbeiter in HSE-Fragen übergeht.
Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass Sicherheitskultur nicht nur ein Regelwerk ist, sondern ein Verhaltensmodell, das von Führungskräften geprägt wird und bestimmt, wie Mitarbeiter bestehende Barrieren und Schutzmaßnahmen nutzen. Wenn eine Führungskraft nicht versteht, wie man organisatorische Veränderungen steuert, bleiben alle eingeführten Instrumente nur eine Formalität.
Als eines der einfachsten und effektivsten Instrumente zur Bewertung des Mitarbeiterengagements nennt der Referent das «Sicherheitskurzgespräch» (oder den Sicherheitskontakt). Wichtig ist nicht, ob es durchgeführt wird, sondern wie es durchgeführt wird.
Wenn auf die Frage «Wer führt das Sicherheitskurzgespräch durch?» die Mehrheit der Anwesenden die Hand hebt, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass sie in den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen eingebunden sind.
Der Vortrag beleuchtet detailliert einen Ansatz zur Sicherheitsbewertung, der auf den Erfahrungen der Atomindustrie basiert. Der Referent betont, dass das Ziel «Null Unfälle» an sich den Mitarbeitern kein Verständnis dafür vermittelt, wie es erreicht werden kann. Stattdessen sollte der Fokus auf die Identifizierung organisatorischer Mängel – «Löcher in den Barrieren» – verlagert werden.
Ein Schlüsselelement ist hier die Erfassung und Analyse von Beinaheunfällen (Near Misses) und Ereignissen auf niedriger Ebene. Dies ist genau jene «Grauzone» der Unfallpyramide, die in Unternehmen mit einer Strafkultur oft ignoriert wird.
Der Referent analysiert spezifische Metriken, die es ermöglichen, das tatsächliche Engagement des Personals zu bewerten und nicht nur die Abwesenheit von Verletzungen festzustellen:
Diese Kennzahlen spiegeln den Übergang von einer Strafkultur zu einer Kultur des proaktiven organisatorischen Lernens wider.
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