Wie bewertet man das Mitarbeiterengagement in Sicherheitsprogrammen?

Fallstudie
13 Juli 2023 🇷🇺 Originalsprache: русский

Von der Papiersicherheit zum echten Engagement

Die Entwicklung einer Sicherheitskultur in modernen Unternehmen stößt oft auf das Problem eines formalen Ansatzes. Führungskräfte erkennen zwar den Einfluss der Unternehmenskultur auf die Geschäftsergebnisse an, beschäftigen sich in der Praxis jedoch weiterhin ausschließlich mit Dokumenten und reaktiven Kennzahlen. In seinem Vortrag analysiert Vadim Demchenko, freiberuflicher Berater und Dozent am Unternehmensinstitut von Gazprom, detailliert, warum die Strategie der «Papierabsicherung» nicht funktioniert und wie man zu einer echten Einbindung der Mitarbeiter in HSE-Fragen übergeht.

Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass Sicherheitskultur nicht nur ein Regelwerk ist, sondern ein Verhaltensmodell, das von Führungskräften geprägt wird und bestimmt, wie Mitarbeiter bestehende Barrieren und Schutzmaßnahmen nutzen. Wenn eine Führungskraft nicht versteht, wie man organisatorische Veränderungen steuert, bleiben alle eingeführten Instrumente nur eine Formalität.

Das Sicherheitskurzgespräch als Indikator für Engagement

Als eines der einfachsten und effektivsten Instrumente zur Bewertung des Mitarbeiterengagements nennt der Referent das «Sicherheitskurzgespräch» (oder den Sicherheitskontakt). Wichtig ist nicht, ob es durchgeführt wird, sondern wie es durchgeführt wird.

  • Formaler Ansatz: Ein Vertreter der HSE-Abteilung verliest einen Unfallbericht, und die Mitarbeiter hören schweigend zu. Dies bindet das Personal nicht ein und bildet keine Sicherheitsgewohnheit.
  • Proaktiver Ansatz: Die Sicherheitskurzgespräche werden von den Mitarbeitern selbst durchgeführt. Sie teilen persönliche Erfahrungen bei der Erkennung gefährlicher Bedingungen oder Handlungen und erklären, wie genau sie einen potenziellen Vorfall verhindert haben.

Wenn auf die Frage «Wer führt das Sicherheitskurzgespräch durch?» die Mehrheit der Anwesenden die Hand hebt, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass sie in den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen eingebunden sind.

Von reaktiven zu proaktiven Kennzahlen: Management der «Grauzone»

Der Vortrag beleuchtet detailliert einen Ansatz zur Sicherheitsbewertung, der auf den Erfahrungen der Atomindustrie basiert. Der Referent betont, dass das Ziel «Null Unfälle» an sich den Mitarbeitern kein Verständnis dafür vermittelt, wie es erreicht werden kann. Stattdessen sollte der Fokus auf die Identifizierung organisatorischer Mängel – «Löcher in den Barrieren» – verlagert werden.

Ein Schlüsselelement ist hier die Erfassung und Analyse von Beinaheunfällen (Near Misses) und Ereignissen auf niedriger Ebene. Dies ist genau jene «Grauzone» der Unfallpyramide, die in Unternehmen mit einer Strafkultur oft ignoriert wird.

  • Was zu tun ist: Mitarbeiter ermutigen, alle Vorboten von Vorfällen zu melden, auch wenn sie nicht zu negativen Folgen geführt haben.
  • Warum das wichtig ist: Die Analyse solcher Ereignisse ermöglicht es, Lehren zu ziehen und Korrekturmaßnahmen umzusetzen, bevor ein schwerer Unfall oder eine Verletzung auftritt.
  • Wie es funktioniert: Es wird eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen, in der die Mitarbeiter keine Angst vor Bestrafung für Fehler haben und das Management aktiv auf ihre Meldungen reagiert, um das Sicherheitssystem zu verbessern.

Engagement-Kennzahlen: Wie man das Unsichtbare misst

Der Referent analysiert spezifische Metriken, die es ermöglichen, das tatsächliche Engagement des Personals zu bewerten und nicht nur die Abwesenheit von Verletzungen festzustellen:

  • Anzahl der freiwilligen Meldungen über Vorboten bedeutender Ereignisse pro Mitarbeiter und Jahr.
  • Anteil der Meldungen, an deren Analyse die Mitarbeiter selbst beteiligt waren.
  • Anteil der Meldungen, bei denen die Mitarbeiter an der Entwicklung von Korrekturmaßnahmen mitgewirkt haben.

Diese Kennzahlen spiegeln den Übergang von einer Strafkultur zu einer Kultur des proaktiven organisatorischen Lernens wider.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie verwandelt man das «Sicherheitskurzgespräch» von einer langweiligen Routine in ein effektives Instrument zur Einbindung?
  • Warum kann das Ziel «Null Unfälle» kontraproduktiv sein und welche Ziele sollten den Mitarbeitern gesetzt werden?
  • Wie klassifiziert und nutzt man Daten zu Beinaheunfällen (Near Misses) richtig?
  • Welche Metriken spiegeln das Niveau des Mitarbeiterengagements in der Sicherheitskultur wirklich wider?
  • Wie überwindet man die Angst der Mitarbeiter, Fehler und folgenlose Vorfälle zu melden?
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