Das Streben nach „Ziel Null“ – null Unfälle – erfordert die ständige Suche nach neuen Ansätzen. In seinem Vortrag verweist Ivan Drepin, Leiter der Abteilung für Arbeitssicherheit der Rohstoffdivision von NLMK, auf ein unerwartetes Beispiel: die Luftfahrt. Trotz der scheinbaren Gefahr bleiben Flugzeuge das sicherste Verkehrsmittel. Das Geheimnis liegt in der sorgfältigen Analyse jedes Vorfalls mithilfe von „Blackboxen“ und, was noch wichtiger ist, in der Vermeidung der Wiederholung von Fehlern.
In der Produktion ist die Situation anders. Untersuchungen werden durchgeführt, Grundursachen ermittelt, Korrekturmaßnahmen festgelegt, aber Vorfälle wiederholen sich. Der Sprecher erklärt dies mit der Ebbinghaus'schen „Vergessenskurve“: Ohne regelmäßige Wiederholung wird die Information aus dem Gedächtnis gelöscht. Der Fokus verschiebt sich, und wir machen wieder dieselben Fehler.
Um das Problem der Rückfälle zu lösen, entwickelte Ivan Drepin ein eigenes Instrument – den „Sicherheitszyklus“. Es handelt sich um eine visuelle Tafel in Form eines Zifferblatts, die dabei hilft, regelmäßig zur Analyse vergangener Vorfälle zurückzukehren.
Das Instrument bietet einen vierwöchigen Zyklus der Rückkehr zum selben Fall, jedoch in verschiedenen Formaten: Information, Kontrolle von Korrekturmaßnahmen, Rekonstruktion. Dies verhindert, dass das Problem aus dem Fokus gerät.
Besonderes Augenmerk legt der Sprecher auf die Phase der Rekonstruktion. Menschen neigen dazu, sich auf persönliche Erfahrungen zu verlassen, und wenn ein Mitarbeiter jahrelang ohne Konsequenzen gegen Regeln verstoßen hat, ist es schwer, ihn mit Worten zu überzeugen. Die Rekonstruktion schafft eine künstliche, aber anschauliche negative Erfahrung.
Im Vortrag wird detailliert das Beispiel eines aus 10 Metern Höhe fallenden Dummys betrachtet. Die Visualisierung der Folgen hat eine starke Wirkung auf die Mitarbeiter und zwingt sie, Risiken neu zu bewerten. Wichtig ist, dass die Rekonstruktion sicher durchgeführt wird und nicht nur den Vorfall selbst zeigt, sondern auch den richtigen Handlungsablauf, der ihn hätte vermeiden können.
Der Schlüsselfaktor für den Erfolg des „Sicherheitszyklus“ ist seine Zugehörigkeit zur Produktion. Das Instrument liegt beim Werkstattleiter, der seinem Team wöchentlich Aufgaben stellt. Der HSE-Spezialist fungiert nur als Methodiker. Ein Pilotprojekt in einem der Werke zeigte, dass die Produktionsmitarbeiter das Instrument bei richtiger Umsetzung annehmen, da es einfach und verständlich ist und keinen übermäßigen Arbeitsaufwand erfordert (etwa 15 Minuten pro Woche).
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