An der Basis der Bird-Pyramide stehen unsichere Handlungen und Bedingungen, doch in vielen Unternehmen bleibt die Erfassung solcher Voraussetzungen intransparent. Anmerkungen werden mündlich weitergegeben, gehen in der Flut von Aufgaben verloren und das reale Risikobild wird verzerrt. In ihrem Vortrag analysiert Irina Klimanova einen praktischen Fall der Transformation dieses Prozesses in einem Glasfaserwerk, in dem ein Sicherheits-Tagging-System als Teil der TPM-Methodik eingeführt wurde.
Der Übergang von einem reaktiven zu einem proaktiven Management erfordert ein Instrument, das die Registrierung von Mängeln einfach und deren Behebung kontrollierbar macht. Die Referentin zeigt, wie das Unternehmen den Weg von den ersten Versuchen der Problemvisualisierung bis zur Schaffung einer strukturierten elektronischen Datenbank gegangen ist, die es ermöglichte, die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter in den Prozess der Risikoerkennung einzubeziehen.
Die Einführung des Systems begann mit dem klassischen Ansatz – dem Anbringen physischer Tags direkt an der problematischen Ausrüstung. Die spezifischen Produktionsbedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit und Staubbelastung) zeigten jedoch schnell die Ineffizienz dieser Methode: Papierträger wurden unbrauchbar und Informationen gingen verloren.
Der nächste Schritt waren Informationstafeln in den Abteilungen, die jedoch lange tägliche Rundgänge zur Datenerfassung erforderten. Letztendlich war die optimale Lösung die Entwicklung einer einheitlichen elektronischen Datenbank auf Basis von Excel-Makros. Dies ermöglichte:
Der zentrale Wert des Systems liegt in der Einfachheit der Registrierung und der integrierten Risikobewertung. Jeder Mitarbeiter oder Gast des Unternehmens kann ein Problem erfassen (vom Riss im Boden bis zum defekten akustischen Signal eines Gabelstaplers). Bei der Registrierung füllt der Autor eine Risikobewertungsmatrix aus, die der Abweichung automatisch einen Farbcode (grün, gelb oder orange) zuweist. Dies gibt den Führungskräften ein klares Verständnis der Prioritäten: Orangefarbene Tags werden sofort bearbeitet.
Die Referentin geht detailliert auf den Routing-Prozess ein: Wenn ein Mangel nicht vor Ort behoben werden kann, wird ein Verantwortlicher benannt, Fristen und Finanzierungsquellen werden festgelegt. Das Ziel des Unternehmens ist es, 90 % der Tags innerhalb von 30 Tagen zu schließen, was erfolgreich umgesetzt wird und das Vertrauen der Belegschaft in das System aufrechterhält.
Die technische Einführung der Datenbank ist nur der halbe Erfolg. Die größte Herausforderung war die Motivation der Mitarbeiter. Im Vortrag werden die Instrumente zur Einbindung detailliert besprochen: von persönlichen Gesprächen und der Visualisierung des Tag-Status in den Abteilungen bis hin zur Integration von Kennzahlen in das Prämiensystem der Schichten.
Das Ergebnis dieser Arbeit war die Einbindung von 80 % des Personals in den Prozess der Registrierung von Abweichungen. Bemerkenswert ist, dass sich der Fokus der Mitarbeiter mit der Entwicklung des Systems verschoben hat: Während in den ersten Jahren hauptsächlich physische Mängel (freiliegende Kabel, fehlende Absperrungen) erfasst wurden, überwiegen heute Tags im Zusammenhang mit Verstößen gegen 5S-Standards und Disziplin, was auf ein qualitatives Wachstum der Sicherheitskultur hindeutet.
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