Unter den Bedingungen der Kostenoptimierung und der Umstrukturierung von Geschäftsprozessen stehen Industrieunternehmen vor einer großen Herausforderung: Wie lässt sich ein hohes Niveau an Arbeitssicherheit aufrechterhalten, wenn Budgets für Personalmotivation eingefroren sind oder gar nicht existieren? Traditionelle Anreizprogramme bleiben oft eine isolierte Initiative der Abteilung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (Arbeitsschutz), die bei den Produktionsmanagern auf wenig Resonanz stößt. Im Rahmen ihres Vortrags teilt Ekaterina Rogova ihre praktischen Erfahrungen bei der Transformation eines Systems zur immateriellen Motivation, das es ermöglicht hat, die Produktionsverantwortlichen zu den Hauptauftraggebern und Treibern für sicheres Arbeiten zu machen.
Zuvor gab es im Unternehmen ein klassisches Beteiligungsmodell: Mitarbeiter erfassten Risiken über eine unternehmenseigene mobile App, erhielten Punkte und tauschten diese gegen gebrandete Merchandise-Artikel ein. Dies führte zu einem beeindruckenden anfänglichen Ergebnis – die Anzahl der von Arbeitern registrierten Risiken stieg um 250 %. In der Phase der Überführung der Instrumente in den operativen Betrieb zeigte sich jedoch ein systemisches Problem. Die Initiative hing ausschließlich vom Engagement der Sicherheitsexperten ab. Sobald die Arbeitsschutz-Hierarchie ihre Aktivitäten reduzierte, kam der Prozess vor Ort zum Erliegen. Es wurde deutlich, dass Motivation, die von den wichtigsten Produktionskennzahlen entkoppelt ist, nur im „manuellen Modus“ funktioniert.
Die Lösung bestand in einer grundlegenden Überarbeitung des Bewertungssystems. Das neue System der Produktionskultur basiert auf drei gleichwertigen Säulen: Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz. Jedem Block wurde das gleiche Gewicht (jeweils 33 %) zugewiesen, was es den Abteilungen ermöglicht, vorübergehende Schwächen in einem Bereich durch verstärkte Aufmerksamkeit in einem anderen auszugleichen.
Das Fundament des aktualisierten Ratings bilden sogenannte „Ausschlusskriterien“. Wenn eine Abteilung den Produktionsplan nicht erfüllt oder ein tödlicher Arbeitsunfall auftritt, fällt sie automatisch aus dem Rating heraus und landet in der „roten Zone“. Diese Entscheidung verknüpfte die strategischen Ziele des Unternehmens organisch mit dem täglichen Arbeitsalltag in den Werkstätten und bestätigte in der Praxis die These: Eine effiziente Produktion kann nicht unsicher sein.
Im Bereich Sicherheit verlagerte sich der Fokus von der Anzahl der identifizierten Risiken auf die Qualität und Geschwindigkeit der Bearbeitung. Es wurden strenge, aber erreichbare Prozesskennzahlen eingeführt:
Parallel dazu werden in den Blöcken Zuverlässigkeit und Effizienz die Qualität der standardisierten Audits (Zielwert 80 %), die Erfüllung der KPI zur Kostensenkung sowie die Reaktionsgeschwindigkeit auf Anliegen der Mitarbeiter von den Problemlösungstafeln bewertet.
Die Referentin betont, dass für den Start eines solchen Systems keine komplexen IT-Lösungen erforderlich sind. Die ersten Berechnungen erfolgen in einfachen Tabellenkalkulationen, und die Ergebnisse werden in Form verständlicher Dashboards visualisiert. Zur Popularisierung der Ergebnisse werden kostenlose interne Kanäle genutzt – beispielsweise das Einrichten von Bildschirmschonern auf Firmencomputern, die die besten Abteilungen würdigen.
Die Instrumente der immateriellen Belohnung wurden in Richtung einer tiefgreifenden Personalisierung überarbeitet. Wanderpokale für die besten Werkstätten kosten nur wenig Geld, aber ihre öffentliche Übergabe auf Ebene der Geschäftsführer erzeugt einen starken Wettbewerbseffekt. Anstelle von standardisierten Vorlagen-Urkunden wurden Dankesschreiben eingeführt, in denen das konkrete sichere Verhalten eines Mitarbeiters detailliert beschrieben wird (z. B. das Stoppen einer defekten Maschine, wodurch Verletzungen von Kollegen verhindert wurden). Eine solche adressierte, aufrichtige Anerkennung durch die Führung löst eine starke emotionale Resonanz aus und wird von der Belegschaft deutlich höher geschätzt als formelle Auszeichnungen.
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