Im modernen HSE-Management kommt der Moment, in dem technische Lösungen und Standards bereits implementiert sind, aber weiterhin Unfälle passieren. Wie Anna Voronkova, HSE-Managerin bei Heineken, anmerkt, zeigt die Statistik: 96 % der Vorfälle sind auf unsicheres Verhalten und nicht auf die Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Genau deshalb verlagert sich der Fokus naturgemäß auf verhaltensbasierte Sicherheit und Psychologie.
Der Übergang zur Verhaltenssteuerung sollte jedoch nicht verfrüht erfolgen. Die Referentin betont, dass es sinnvoll ist, mit der Verhaltensanalyse erst in der Übergangsphase von einer abhängigen zu einer unabhängigen Sicherheitskultur (gemäß der Bradley-Kurve) zu beginnen. Zunächst muss ein grundlegendes Umfeld geschaffen werden: klare Regeln entwickeln, Mitarbeiter mit komfortabler PSA ausstatten und ein Schulungssystem etablieren. Sicheres Verhalten entsteht nur, wenn drei Faktoren zusammenkommen: „Ich muss“ (ich kenne die Regeln), „Ich kann“ (ich habe die Ressourcen und Fähigkeiten) und „Ich will“ (Sicherheit ist zu einem Wert geworden).
Die Grundlage der Verhaltenssteuerung bildet das ABC-Modell, bei dem Verhalten (Behavior) als Ergebnis des Zusammenspiels von Auslösern (Antecedents) und Konsequenzen (Consequences) betrachtet wird. Unserem Verhalten geht immer etwas voraus, und ihm folgt immer etwas nach.
Auslöser sind persönliche Erfahrungen, Überzeugungen, Wissen, visuelle Signale und Anweisungen. Sie prägen unsere Erwartungen. Der entscheidende Faktor dafür, ob sich das Verhalten in Zukunft ändert, sind jedoch die tatsächlichen Konsequenzen. Wenn sich die erwarteten Konsequenzen bestätigen, festigt sich das Verhalten. Wenn nicht, beginnt die Person, ihre Handlungen zu ändern.
In der Präsentation werden die Arten von Reaktionen auf Verhalten detailliert untersucht. Das beste Ergebnis liefert die positive Verstärkung sicherer Handlungen und korrigierendes Feedback bei Verstößen. Strafen und Sanktionen (negative Verstärkung) haben nur einen kurzfristigen Effekt und drängen den Mitarbeiter in die Negativität, während Ignorieren eine unsichere Gewohnheit festigt.
Ein entscheidender Aspekt der verhaltensbasierten Sicherheit ist die Rechtzeitigkeit der Reaktion. Feedback sollte unmittelbar nach der Handlung gegeben werden. Eine verzögerte Reaktion (z. B. nach einer Stunde oder am nächsten Tag) mag administrativ funktionieren, ändert aber nicht die Einstellung des Mitarbeiters zur Sicherheit.
Die Referentin zeigt an einem Beispiel, dass ein Sicherheitsdialog nicht nur eine Bemerkung, sondern ein Element des Coachings ist. Das Ziel von korrigierendem Feedback ist es, den Mitarbeiter durch die richtigen Fragen dazu zu bringen, Risiken selbst zu erkennen und seine Einstellung zur Aufgabe zu ändern.
Zur Bewertung der Wirksamkeit von Motivationsmaßnahmen schlägt Anna vor, das PIC/NIC-Modell zu verwenden. Verhalten ändert sich, wenn die Konsequenzen eine Kombination aus PIC (Positive, Immediate, Certain – positiv, sofortig, sicher) oder NIC (Negative, Immediate, Certain – negativ, sofortig, sicher) bilden.
Zum Beispiel funktioniert das Argument der finanziellen Kosten bei einem Raucher nicht, da die Konsequenzen zwar negativ, aber zeitlich verzögert und nicht immer sicher sind. Gleichzeitig ist der Genuss des Prozesses eine positive, sofortige und sichere Konsequenz (PIC), die die Gewohnheit zuverlässig festigt. Wenn man jede Initiative durch dieses Modell prüft, kann man im Voraus verstehen, ob sie in der Praxis funktionieren wird.
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Kommentare 4
Igor Khodykin,
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