Die Einbindung einer großen Anzahl von Auftragnehmern belastet unweigerlich die HSE-Abteilung. Der traditionelle Ansatz, bei dem HSE-Spezialisten die Überprüfung der gesamten technischen Dokumentation und die Durchführung von Einführungsunterweisungen übernehmen, führt oft zu einer paradoxen Situation. In den Büros entsteht ein perfektes Dokumentenpaket und genehmigte Arbeitsausführungspläne, während auf der realen Baustelle Chaos herrscht: Ignorieren von PSA, defekte Ausrüstung und die Unmöglichkeit, die Arbeit nach dem genehmigten Plan auszuführen. Der Referent Alexey Nechaev analysiert die Kontrollarchitektur, die dieses Problem durch die Einführung eines Systems von Kuratoren und Koordinatoren löst und den Fokus vom formalen Dokumentenmanagement auf das Risikomanagement verlagert.
Ein Schlüsselelement des vorgeschlagenen Systems ist die Übertragung der Verantwortung für die Sicherheit der Auftragnehmer auf diejenigen, die den Produktionsprozess und das Budget direkt verwalten. In der Präsentation werden die Funktionen der beiden Hauptrollen detailliert betrachtet.
Die Rolle des Kurators (technische Kontrolle). Der Kurator ist der technische Auftraggeber: der Chefingenieur des Projekts, der Werkstattleiter oder der Budgetverantwortliche. Seine Aufgabe ist es, die „Eintrittskarte“ für den Auftragnehmer bereitzustellen. Warum ist das wichtig? Ein HSE-Spezialist verfügt nicht immer über hochspezialisiertes Wissen (z. B. über die Tragfähigkeit des Bodens unter einem bestimmten Kran). Der Kurator hingegen bewertet die Technologie vor Beginn der Arbeiten und prüft, ob die erforderlichen Schutzmittel, Gerüste und spezifischen Ausrüstungen (z. B. hochfeste Schlingen) im Budget vorgesehen sind und ob sie mit den geplanten Aufgaben kompatibel sind.
Die Rolle des Koordinators (Schnittstellenmanagement). Der Koordinator übt die taktische Kontrolle direkt vor Ort aus. Er fungiert als „Fluglotse“ und verteilt die Auftragnehmer bei gleichzeitigen Arbeiten auf verschiedene Bereiche. Wie das in der Praxis funktioniert: Eine Arbeitserlaubnis wird erst genehmigt, wenn der Koordinator alle Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Teams beseitigt hat, um deren Zusammenstoß und die gegenseitige Schaffung gefährlicher Situationen zu verhindern.
Damit das System funktioniert, zeigt der Referent am Beispiel die Notwendigkeit, einen „strengen Filter“ am Eingang zu schaffen. Der Zulassungsprozess ist ein kritischer Punkt, an dem der Auftraggeber die Sicherheit radikal beeinflussen kann. Die Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Technik, des Vorhandenseins von PSA und des Zustands der Baugerüste vor Beginn der Arbeiten schließt eine ganze Schicht potenzieller Vorfälle aus. Zur Vereinfachung dieser Aufgabe verwenden Koordinatoren spezielle Checklisten.
Die Einhaltung von Regeln kann jedoch nur bei Vorhandensein einer legitimen Grundlage gefordert werden. Eine solche „rechtliche Brücke“ ist die in den Werkvertrag integrierte HSE-Vereinbarung. Sie legt einheitliche Anforderungen und Formulare für Arbeitserlaubnisse fest und verankert das Recht der Kuratoren und Koordinatoren, Arbeiten zu stoppen oder Sanktionen zu verhängen.
Die Einführung der Kontrollarchitektur verändert die Rolle des HSE-Spezialisten grundlegend. Er verlässt das routinemäßige operative Geschäft (die Entlastung erreicht 60 %) und übernimmt die Funktionen eines unabhängigen Prüfers und Methodikers. Die HSE-Abteilung schult Kuratoren und Koordinatoren, führt Stichprobenkontrollen durch und passt das System an, wenn Fehler festgestellt werden.
Um die Motivation der technischen Leitung aufrechtzuerhalten, wird ein KPI-System eingeführt. Der Bonus von Kurator und Koordinator ist direkt an die Sicherheitskennzahlen ihrer Auftragnehmer gekoppelt: das Ausbleiben von Unfällen, die Ergebnisse der Eingangskontrolle anhand von Checklisten und die Qualität der Durchführung von Verhaltensaudits. Ein sicherer Auftragnehmer wird zur Bedingung für den Erhalt einer Prämie.
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