Kommunikationspraxis bei Vorfällen von allen Produktionsstandorten

Fallstudie
17 Februar 2021 🇷🇺 Originalsprache: русский

Evolution der Sicherheitskultur: von der Infrastruktur zur Achtsamkeit

Die Senkung der Unfallraten in der Produktion ist nicht nur eine Frage der Installation von Schutzgittern und der Modernisierung von Ausrüstung. In ihrem Vortrag erläutert Natalia Kovaleva, Leiterin der HSE-Abteilung in einem Unternehmen mit 10 Werken und 7.000 Mitarbeitern in ganz Russland, wie sich der Ansatz zur Sicherheit entwickelt. In der ersten Phase wurde eine signifikante Reduzierung der Vorfälle (um 70 %) durch die Verbesserung der Arbeitsplatzinfrastruktur erreicht. Weitere Fortschritte erforderten jedoch ein Umdenken: den Übergang von administrativer Kontrolle zu proaktiver Führung durch Manager und anschließend zu einer tiefen Einbindung jedes einzelnen Mitarbeiters.

Die Referentin betont, dass die nachhaltige Senkung der Unfallzahlen in den letzten Jahren durch die Entwicklung des Selbstbewusstseins der Mitarbeiter möglich wurde. Wenn Menschen verstehen, warum Regeln wichtig sind, anstatt sie nur unter Aufsicht zu befolgen, entsteht eine echte Sicherheitskultur. Das Ziel des Unternehmens ist null Unfälle, und dies kann nur durch systematische Arbeit an Verhalten und Kommunikation erreicht werden.

Mehrstufiges Kommunikationssystem: Wie Informationen Vorfälle verhindern

Informiertheit ist die Grundlage für richtiges Handeln. Der Vortrag beleuchtet detailliert ein mehrstufiges Kommunikationssystem, das als Präventivmaßnahme wirkt:

  • Globaler Erfahrungsaustausch (Knowledge Sharing und Call to Action): Analyse von Vorfällen und Best Practices von allen Unternehmensstandorten und verwandten Branchen. Es ist wichtig, sich nicht nur mit den Informationen vertraut zu machen, sondern auch die Umsetzung von Korrekturmaßnahmen in jedem Werk zu verfolgen.
  • Jährliche Sensibilisierungsprojekte: Kalenderplanung von thematischen HSE-Wochen, Artikeln und Teambesprechungen, die an saisonale Risiken (z. B. Sturzprävention) und aktuelle Lektionen gebunden sind.
  • Regelmäßige lokale Veranstaltungen: Monatliche Safety Days zum Austausch von Praktiken zwischen Funktionen (Logistik, Produktion) und wöchentliche „HSE-Stunden“ in den Teams, um den Fokus auf Sicherheit aufrechtzuerhalten.
  • Visuelle Kommunikation im neuen Format: Einsatz von auffälligen Bodenmarkierungen in Lagerbereichen, die die Aufmerksamkeit von Gabelstaplerfahrern und Fußgängern effektiver auf sich ziehen als herkömmliche Poster an den Wänden.

Verhaltensbasierte Sicherheit (BBS): Beobachtung „auf Augenhöhe“

Ein Schlüsselinstrument zur Einbindung des Personals war das Programm für verhaltensbasierte Sicherheit (Behavior-Based Safety). Die Referentin zeigt an einem Beispiel, wie die Initiative von den Führungskräften auf die Mitarbeiter selbst überging. Die Bediener beobachten sich gegenseitig bei der Arbeit, notieren sichere Handlungen und diskutieren Barrieren, die ein sicheres Arbeiten behindern.

Der Prozess ist digitalisiert: Beobachtungen werden über Tablets erfasst, was die Datenanalyse beschleunigt. Der Hauptwert des Ansatzes ist die Identifizierung realer Probleme aus der Sicht der Mitarbeiter selbst. Dank des Feedbacks wurden beispielsweise „smarte Kopfhörer“ in lauten Bereichen und ergonomische Wagen eingeführt, die die Belastung beim Bücken reduzieren. Die beobachtenden Bediener fungieren als Sicherheitsbotschafter und werden durch ein Anerkennungssystem motiviert.

Einheitlicher Sicherheitsbereich: Auftragnehmer als Teil des Teams

Ein wichtiger Aspekt, den die Referentin in der Fragerunde behandelt, ist der Umgang mit Auftragnehmern. Das Unternehmen macht in Sicherheitsfragen keinen Unterschied zwischen eigenem Personal und Auftragnehmern. Auftragnehmer beteiligen sich aktiv an der Meldung von Beinaheunfällen (Near Misses), an Kurzgesprächen (Toolbox Talks) und am Programm für Verhaltensbeobachtungen. Jeder Vorfall mit einem Auftragnehmer wird genauso gründlich untersucht wie bei einem eigenen Mitarbeiter, was eine einheitliche sichere Umgebung am Standort schafft.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie überwindet man ein „Plateau“ bei der Senkung von Unfallzahlen, wenn technische Maßnahmen bereits ausgeschöpft sind?
  • Wie baut man ein Kommunikationssystem auf, damit Lehren aus Vorfällen die Prozesse vor Ort wirklich verändern?
  • Wie startet man ein Programm für Verhaltensbeobachtungen (BBS) durch die Arbeiter selbst und nicht durch Kontrolleure?
  • Welche Visualisierungsformate funktionieren am besten in Bereichen mit starkem Fahrzeugverkehr?
  • Wie integriert man Auftragnehmer in die internen HSE-Managementprozesse?
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