Die Entwicklung einer Kultur des sicheren Verhaltens ist ein logischer Schritt in der Evolution großer Industrieunternehmen. Der Übergang von der formalen Einhaltung von Anforderungen zu bewusster Sicherheit erfordert einen systematischen Ansatz und das Engagement der Führungsebene. In seinem Vortrag geht Valery Nikolsky detailliert auf praktische Instrumente ein, die am Beispiel eines großen Energieerzeugungsunternehmens helfen, die Verletzungsrate zu senken und die Einstellung der Mitarbeiter zur eigenen Sicherheit zu verändern.
Umgang mit bewussten Verstößen: Regeln und Audits
Der Referent analysiert das Problem der bewussten Missachtung von Regeln, das eine der Hauptursachen für Arbeitsunfälle ist. Um die Situation zu ändern, wird ein umfassender Ansatz angewendet:
- Goldene Sicherheitsregeln. Einführung von 10 kritischen Regeln für Mitarbeiter und 30 für Auftragnehmer. Ein Verstoß gegen diese Normen zieht strenge Sanktionen nach sich, bis hin zur Entlassung oder hohen Geldstrafen. Dies schafft klare Grenzen für akzeptables Verhalten und eine Null-Toleranz gegenüber lebensgefährlichen Handlungen.
- Verhaltensbasierte Sicherheitsaudits (VSA). Regelmäßige Präventivgespräche von Linienmanagern mit Mitarbeitern direkt am Arbeitsplatz. Die Methode basiert nicht auf Bestrafung, sondern auf Dialog: Der Manager lobt richtiges Handeln, bespricht potenzielle Risiken und erhält vom Mitarbeiter das bewusste Versprechen, sicher zu arbeiten. Dies bindet das Produktionsmanagement direkt in HSE-Themen ein.
Management von Fehlhandlungen und Konzentrationsverlust
Ein erheblicher Teil der Verletzungen (Stolpern, Stürze) ist nicht auf eine schlechte Infrastruktur zurückzuführen, sondern auf gefährliche Zustände des Mitarbeiters: Eile, Müdigkeit, Frustration oder Selbstüberschätzung. Der Vortrag zeigt, wie man systematisch mit dieser Risikokategorie umgeht:
- Trainings zur bewussten Sicherheit. Schulung des Personals im Erkennen eigener gefährlicher Zustände. Die Mitarbeiter lernen zu verstehen, wann sie ihre Konzentration verlieren, um rechtzeitig innezuhalten und einen kritischen Fehler zu vermeiden.
- Visualisierung auf Basis realer Erfahrungen. Nutzung von Szenarien realer Unfälle im Unternehmen zur Erstellung von Schulungsvideos. Dies erhöht das Engagement des Personals und veranschaulicht deutlich die Folgen von Unachtsamkeit in einer vertrauten Produktionsumgebung.
Systematisierung des Umgangs mit Infrastrukturrisiken
Zur Beseitigung von Gefahren im Zusammenhang mit Ausrüstung und Arbeitsplätzen werden in den Unternehmen spezielle Arbeitsgruppen gebildet. Festgestellte Mängel werden anhand einer Risikomatrix bewertet, in ein zentrales Register eingetragen und in Reparatur- oder Investitionsprogramme integriert. Bis zur vollständigen technischen Beseitigung des Risikos werden sofortige Kompensationsmaßnahmen (Absperrungen, zusätzliche Kontrollen) ergriffen, die die Sicherheit des Personals in der Übergangszeit gewährleisten.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie identifiziert man informelle Führungskräfte, die sich der Entwicklung einer Sicherheitskultur widersetzen, und wie minimiert man ihren Einfluss auf das Team?
- Wie gestaltet man den Prozess der verhaltensbasierten Audits richtig, damit sie nicht zu einer reinen Formalität werden?
- Welche Kriterien sollten zur Bewertung der Qualität von Präventivgesprächen durch Führungskräfte am Arbeitsplatz herangezogen werden?
- Wie bringt man Mitarbeitern bei, gefährliche psychologische und physische Zustände zu erkennen, um Verletzungen "aus heiterem Himmel" zu vermeiden?
- Wie organisiert man eine effektive Kontrolle der Einhaltung von Sicherheitsanforderungen durch Auftragnehmer und wendet Sanktionen gegen sie an?