Ein modernes HSE-Managementsystem erfordert den Übergang von formaler Kontrolle zu einem risikoorientierten Ansatz. Instrumente, die gezielt an den Grundursachen von Vorfällen ansetzen, werden zur Grundlage der Arbeitssicherheit. In seinem Vortrag erläutert Arman Abaideldinov, HSE-Direktor der JSC "PAVLIK", die Methodik der Anwendung von Sicherheitsbarrieren – ein Ansatz, der keine zusätzlichen Budgets erfordert, aber die Unfallrate um 28 % senken kann.
Algorithmus für die Arbeit mit Sicherheitsbarrieren
Der Kern der Methodik besteht darin, Systemausfälle zu identifizieren und Maßnahmen zu deren Behebung zu entwickeln. Der Referent zeigt anhand eines Beispiels, wie dieser Prozess schrittweise aufgebaut wird:
- Schulung des technischen Führungspersonals. Meister und Mechaniker lernen, Inspektionen anhand einer universellen Checkliste durchzuführen und dabei vier Kriterien zu bewerten: Kompetenz des Personals, Einhaltung von Verfahren, Zustand der Ausrüstung und Arbeitsbedingungen. Dies gibt den Prüfern einen klaren Fokus am Arbeitsplatz.
- Datenanalyse über einen Zeitraum. Die Inspektionsergebnisse werden in einem einheitlichen elektronischen System konsolidiert (was den Formalismus von Papierprotokollen eliminiert) und nach Verstoßkategorien gruppiert.
- Prioritätensetzung. Aus der gesamten Datenmenge werden die drei am häufigsten auftretenden Risiken herausgefiltert, auf die sich die Hauptanstrengungen der Abteilung im nächsten Quartal konzentrieren.
Fünf Arten von Barrieren und Bewertung ihrer Wirksamkeit
Zur Beseitigung der identifizierten prioritären Risiken werden Sicherheitsbarrieren entwickelt. Im Vortrag wird die Klassifizierung dieser Maßnahmen detailliert betrachtet:
- Organisatorische und Managementbarrieren — Regelung der Interaktion von Produktionsabteilungen und Zuweisung von Verantwortungsbereichen an bestimmte Führungskräfte und Ausführende.
- Technische Barrieren — physische Beseitigung der Gefahr (Wiederherstellung von Absperrungen, Installation von Schutzabdeckungen). Der Referent betont, dass dies die effektivste Art von Barriere ist, da sie die Möglichkeit eines Kontakts des Mitarbeiters mit der Gefahrenquelle von vornherein ausschließt.
- Intellektuelle und visuelle Barrieren — Schulung des Personals, Analyse realer Videos von Vorfällen sowie der Einsatz moderner Visualisierungsmittel, wie z. B. Gobo-Lichtprojektoren zur Abgrenzung von Gefahrenzonen.
Jede Maßnahme wird nach dem SMART-Prinzip formuliert. Wenn am Ende des nächsten Berichtszeitraums die Statistik der entsprechenden Verstöße nicht sinkt, wird die Barriere als ineffektiv eingestuft und die Ursachen für ihr Versagen werden detailliert analysiert.
Das System "Referent": Einbindung durch Verantwortung
Das zweite im Bericht vorgestellte Instrument zielt darauf ab, die Einstellung der Arbeiter selbst zur Arbeitssicherheit zu verändern. Das System "Referent" überträgt einen Teil der Unterweisungs- und Kontrollfunktionen auf das einfache Personal.
- Arbeiter als Ausbilder. Nach einem im Voraus erstellten Zeitplan führt einer der Arbeiter anhand vorbereiteter Thesen ein fünfminütiges Sicherheitsgespräch für seine Schicht durch. Dies fördert die eigenständige Auseinandersetzung mit dem Material und weckt ein gesundes berufliches Interesse im Team.
- Gemeinsames Audit. Nach der Unterweisung führt der "Referent" gemeinsam mit dem Meister eine Inspektion der Arbeitsplätze durch. Der erfahrene Blick des Arbeiters ermöglicht es, verborgene technologische Risiken zu erkennen, die für die direkte Führungskraft möglicherweise nicht offensichtlich sind, wofür ein Belohnungssystem vorgesehen ist.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie man Führungskräften beibringt, reale Risiken zu erkennen, anstatt nach formalen Verstößen zu suchen?
- Wie man technische, organisatorische und visuelle Barrieren richtig kombiniert, um die maximale Wirkung zu erzielen?
- Was zu tun ist, wenn eine entwickelte Sicherheitsbarriere in der Praxis nicht funktioniert und die Verstoßstatistik nicht sinkt?
- Wie man einfache Mitarbeiter motiviert, sich aktiv an der Suche und Beseitigung von Produktionsgefahren zu beteiligen?
- Warum die Digitalisierung von Inspektionsergebnissen für ein effektives Risikomanagement entscheidend ist?