Sicherheitskultur. Der Übergang vom reaktiven zum interdependenten Niveau.

Fallstudie
19 November 2020 🇷🇺 Originalsprache: русский

Evolution der Sicherheitskultur: von der Theorie zur Praxis

Die Entwicklung der Sicherheitskultur ist nicht nur ein Modetrend, sondern eine natürliche Evolutionsstufe jedes Produktionsunternehmens. Wenn die grundlegenden gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind und die Unfallrate nicht weiter sinkt, wird der Übergang zu einer neuen Managementebene notwendig. Im Rahmen des Webinars teilt Anna Voronkova, HSE-Managerin bei Heineken, praktische Erfahrungen bei der Transformation der Sicherheitskultur und dem Übergang von einem reaktiven zu einem interdependenten Ansatz.

Die Referentin erläutert, wie man das scheinbar Unfassbare messen kann, und bietet konkrete Werkzeuge zur Bewertung des aktuellen Zustands der Organisation. Der Vortrag befasst sich detailliert mit dem Modell der Bradley-Kurve und der Methodik der High-Performance Organization (HPO), die es ermöglicht, den Veränderungsprozess zu strukturieren.

Sechs Elemente zur Bewertung der Sicherheitskultur

Um zu verstehen, auf welchem Niveau sich das Unternehmen befindet und was getan werden muss, um die nächste Stufe zu erreichen, schlägt die Referentin vor, die Prozesse in sechs Schlüsselbereichen zu analysieren:

  • Prozessstruktur: klare Verteilung von Rollen und Verantwortlichkeiten. Es ist wichtig zu verstehen, wer für bestimmte Bereiche verantwortlich ist (z. B. Arbeiten in der Höhe oder das LOTO-Verfahren), und neue Funktionen erst dann einzuführen, wenn die Basis dafür geschaffen ist.
  • Belohnungs- und Bestrafungssystem: ein Gleichgewicht zwischen Motivation und Disziplin. Auf der höchsten Entwicklungsstufe der Kultur wird die Einhaltung von Sicherheitsregeln zu einem inneren Bedürfnis des Mitarbeiters und nicht zum Ergebnis externer Anreize.
  • Leistungsmanagement: Definition von KPIs und Standards. Die Referentin zeigt an einem Beispiel, wie sich die Anforderungen an die Reaktionsgeschwindigkeit auf Abweichungen je nach Kulturniveau ändern (von 10 Tagen auf dem reaktiven Niveau bis zu 24 Stunden auf dem interdependenten).
  • Datenerfassungssystem: Digitalisierung von Prozessen. Der Einsatz von IT-Tools ermöglicht es, Kennzahlen objektiv zu bewerten, Fristen zur Behebung von Verstößen zu verfolgen und Schulungen zu verwalten.
  • Menschen und ihre Kompetenzen: Übergang von obligatorischen zu funktionalen Schulungen. Die Einführung neuer Verfahren erfordert die Ausbildung von Experten und den Einsatz moderner Lernformate (z. B. VR-Technologien oder Microlearning).
  • Prozesse und Aufgaben: Zugänglichkeit von Informationen. Die Verwendung visueller Standards (One-Point Lesson) und eine offene Kommunikation mit den Mitarbeitern helfen sicherzustellen, dass die Anforderungen verständlich und umsetzbar sind.

Schrittweiser Übergang: Wie man sich auf dem Weg zum Ideal nicht überlastet

Der Kerngedanke des Vortrags ist die Notwendigkeit einer schrittweisen Umsetzung von Veränderungen. Es ist unmöglich, vom reaktiven Niveau direkt auf das interdependente zu springen. Wenn ein Unternehmen gerade erst beginnt, ein System aufzubauen, werden verhaltensbasierte Sicherheitsaudits nicht funktionieren. Zunächst muss die grundlegende Einhaltung von Standards sichergestellt, die Bereitstellung von PSA organisiert und regelmäßige Inspektionen durchgeführt werden.

Anna betont, wie wichtig es ist, realistische Ziele zu setzen. In der Anfangsphase kann eine strenge Verwaltung erforderlich sein (z. B. die Festlegung von Normen zur Erkennung gefährlicher Bedingungen für jeden Mitarbeiter). Mit der Entwicklung der Kultur fallen diese künstlichen Anreize weg, da sicheres Verhalten zur Norm wird.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie bestimmen Sie das aktuelle Niveau der Sicherheitskultur in Ihrem Unternehmen?
  • Welche Metriken sollten zur Bewertung der Effizienz von HSE-Prozessen verwendet werden?
  • Wie verteilt man die Verantwortung für Sicherheit richtig unter den Abteilungsleitern?
  • Warum funktionieren verhaltensbasierte Audits in den frühen Phasen der Systementwicklung nicht?
  • Wie bindet man das Linienpersonal in den Prozess der Risikoerkennung und -beseitigung ein?
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