Der traditionelle Ansatz im HSE-Bereich beschränkt sich oft auf die formale Einhaltung von Regeln und das Verfassen endloser Anweisungen. Echte Sicherheit beginnt jedoch dort, wo Mitarbeiter Risiken bewusst bewerten und in ungewöhnlichen Situationen die richtigen Entscheidungen treffen. In seinem Vortrag teilt Ayrat Zakirov, Direktor des Unternehmens „Tagras RS“, praktische Erfahrungen bei der Transformation der Sicherheitskultur und dem Übergang von Bürokratie zu effektiven Methoden der Verhaltenssteuerung.
Der Referent analysiert das Problem der Überlastung mit Anweisungen, die oft fehlerhaft verfasst sind und sich widersprechen. Die ständige Aktualisierung der Dokumentation um der Aktualisierung willen erhöht nicht nur die Sicherheit nicht, sondern lenkt Führungskräfte auch von der eigentlichen Arbeit ab. Die Lösung bestand darin, alle Anweisungen in einem einzigen Dokument zusammenzufassen, das nur bei Bedarf geändert werden kann. Dies ermöglichte es, Zeit für wichtigere Aufgaben der Spezialisten freizumachen, ohne das Sicherheitsniveau zu senken.
Anstatt die Mitarbeiter zu zwingen, Hunderte von Regeln auswendig zu lernen, konzentrierte sich das Unternehmen darauf, sie darin zu schulen, echte Gefahren zu erkennen. Die Analyse zeigte, dass im Produktionsprozess eine begrenzte Anzahl von Risiken besteht und gleichzeitig nur wenige davon auf den Mitarbeiter einwirken. Die Schulung im Erkennen dieser Faktoren und in der Anwendung einfacher Reaktionsmaßnahmen (z. B. Verlassen des Gefahrenbereichs) erwies sich als weitaus effektiver als formale Wissensprüfungen.
Unter den Bedingungen eines komplexen technologischen Prozesses wie dem Bohren von Brunnen, bei dem viele Faktoren gleichzeitig auf den Mitarbeiter einwirken, funktionieren traditionelle Methoden nicht mehr. Der Referent zeigt am Beispiel des GAP-Projekts, wie das Unternehmen gefährliche Arbeitspraktiken in 14 thematische Gruppen (Arbeiten in der Höhe, Be- und Entladearbeiten usw.) eingeteilt hat. Das Schlüsselprinzip ist die gezielte Arbeit mit einer Gruppe, bis sich im gesamten Team eine feste Gewohnheit gebildet hat, bevor zur nächsten übergegangen wird.
Um die Fähigkeiten zu sicherem Verhalten zu festigen, hat das Unternehmen eine mobile Präventionsplattform entwickelt – das „Schockzentrum“. Mithilfe anschaulicher Trainingsstände werden den Mitarbeitern die Folgen von Verstößen gegen HSE-Regeln demonstriert: von herabfallenden Lasten über Stromschläge bis hin zu Verkehrsunfällen. Der Einsatz von Schaufensterpuppen und die Simulation realer Situationen (z. B. ein Sturz aus 65 cm Höhe) haben eine starke emotionale Wirkung und fördern ein bewusstes Verhältnis zur Sicherheit.
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