Aufbau eines technischen HSE-Schulungssystems „von Grund auf“ bei der PJSC SIBUR Holding

Aufbau eines technischen HSE-Schulungssystems „von Grund auf“ bei der PJSC SIBUR Holding

2 Februar 2022 🇷🇺 Original: русский 1 Min. Lesezeit

In dieser Publikation möchte ich eine praktische Fallstudie über den Prozess des Aufbaus eines technischen HSE-Schulungssystems teilen, an dessen Umsetzung ich das Vergnügen hatte, direkt in den Phasen der Konzeption, Entwicklung, Implementierung und Überführung in die Betriebsphase mitzuwirken. Im Folgenden werde ich auf die allgemeinen Aspekte des Aufbaus einer solchen Schulung eingehen.

Die PJSC SIBUR Holding strebt in Sicherheitsfragen das Ziel von kontrollierten Null Unfällen und Havarien an. Trotz der erheblichen Erfolge des Unternehmens in dieser Richtung ist das Management bestrebt zu verstehen, wie die Sicherheit in den Werken der Holding weiter erhöht werden kann. Unter anderem hat sich im Unternehmen die Erkenntnis durchgesetzt, dass zur Erreichung der Unternehmensziele im Bereich HSE eine qualitativ hochwertige praktische Schulung zur sicheren Ausführung von Arbeiten erforderlich ist.

Logischerweise wurde das Augenmerk auf die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtschulungen gerichtet. Es wurde festgestellt, dass diese zwar den theoretischen Bedarf decken, jedoch nicht den Bedarf an praktischen Fertigkeiten. Aus verschiedenen Gründen wurde beschlossen, die gesetzlichen Pflichtschulungen nicht für den Kompetenzbedarf im Unternehmen weiterzuentwickeln, sondern eine separate technische Schulung zu konzipieren. Da die Zeit jedes Mitarbeiters sehr wertvoll ist, sollte die geplante Schulung in kürzester Zeit maximale Effizienz erreichen. Es ist anzumerken, dass das Unternehmen über Standorte mit materiell-technischer Ausstattung für gelegentliche Schulungen verfügte, diese jedoch den aktuellen Anforderungen nicht mehr entsprachen.

Nach der Analyse der Voraussetzungen wurde beschlossen, „von Grund auf“ ein eigenes technisches HSE-Schulungssystem aufzubauen, das auf die Erreichung der Unternehmensziele ausgerichtet ist. Zu diesem Zweck wurde beschlossen, spezialisierte Schulungsräume im im Bau befindlichen Zentrum für die Entwicklung ingenieurtechnischer Expertise SIBURINTEH (Tobolsk) einzurichten.

Mit dem Ziel, eines der besten technischen HSE-Schulungssysteme aufzubauen, wurde eine Analyse bestehender korporativer und privater technischer Schulungen in der Russischen Föderation sowie weltweiter Benchmarks durchgeführt, darunter Schulungszentren wie das Institut Teknologi Petroleum PETRONAS (INSTEP), BASF, NATT Safety Services und Maersk Training A/S.

Als Ergebnis der Analyse wurden in jedem der Schulungszentren positive Aspekte identifiziert. Gleichzeitig wurde jedoch erkannt, dass die Programme der Schulungszentren nicht eins zu eins übernommen werden konnten, allein schon aufgrund der unterschiedlichen Spezifik der Organisationen und/oder individueller Besonderheiten und Schulungsziele. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass in vielen Schulungszentren ein großer Fokus auf materiell-technische Fragen gelegt wird, während die pädagogisch-methodische Seite zweitrangig behandelt wird. Infolgedessen hängt die Qualität der Schulung oft von einem bestimmten Experten oder Dozenten ab, und bei dessen Austausch sinkt das Schulungsniveau erheblich, was kein stabiles Wissensniveau am Ende jeder Unterrichtseinheit garantieren kann.

Beim Aufbau des eigenen technischen Schulungssystems wurde zunächst die Unfallstatistik des Unternehmens analysiert und die am meisten aktuellen zu entwickelnden Schulungsprogramme identifiziert:

? Sicheres Anschlagen und Bewegen von Lasten;

? Sichere Methoden und Techniken bei gasgefährlichen Arbeiten und Arbeiten in engen und umschlossenen Räumen;

? Sichere Methoden und Techniken bei Heißarbeiten;

? Sicherheit bei Arbeiten in der Höhe;

? Sichere Methoden und Techniken bei Arbeiten mit rotierenden Maschinenteilen;

? Erste Hilfe für Verunfallte.

Dabei wurden sofort die Ziele dieser Schulungsprogramme und deren Schwerpunkte konkretisiert, um nicht zu versuchen, alles auf einmal zu diesen Themen zu vermitteln, sondern die aktuellsten Blöcke zu schulen.

Beim Aufbau des technischen Schulungssystems lagen die Hauptschwerpunkte auf:

? Ausstattung mit Equipment und Konfiguration der Schulungsräume (Wo schulen?)

? Lehr- und Unterrichtsmaterialien der Programme (Was schulen?)

? Trainer (Wer schult?)

? Möglichkeit zur Verbesserung / Flexibilität der Programme unter sich ändernden Umständen (Was kommt als Nächstes?)

Lassen Sie uns jeden dieser Schwerpunkte genauer betrachten.

Die Auswahl der Ausrüstung und der materiell-technischen Ausstattung der Schulungsräume erfolgte im Allgemeinen unter Berücksichtigung folgender Prinzipien:

  • Identisch mit der Ausstattung im Betrieb;
  • Unterstützt das Erreichen der Ziele des Schulungsprogramms;
  • In Einzelfällen Duplizierung der Ausrüstung, damit Gruppen von Lernenden gleichzeitig identische Fertigkeiten üben können;
  • Schaffung des erforderlichen Raums für praktische Übungen;
  • Mobile Tische für Variabilität im Unterricht und Übungen mit Gruppendynamik.

Die Entwicklung der Lehr- und Unterrichtsmaterialien für die Schulungsprogramme basierte auf folgenden Prinzipien:

? Fokus auf das Einüben praktischer Handlungen;

? Aufgaben im Programm werden schrittweise komplexer;

? Jedes Lernmodul ist nach dem Schema aufgebaut: Problematisierung – Diskurs – Übung – Feedback;

? Einsatz von Checklisten zur Objektivierung der praktischen Prüfung und zur Möglichkeit ihrer Verwendung am Arbeitsplatz;

? Algorithmisierung der Ausführung von Arbeiten mit erhöhter Gefahr;

? Effektive, interessante Programme mit Wow-Effekten;

? Das Programm kann umfassen: E-Learning-Kurs + Webinar + Präsenzkurs + Post-Training.

Es ist anzumerken, dass sich die materiellen und intellektuellen Investitionen in die Lehrmaterialien bei der späteren Durchführung der Schulungen mehr als auszahlen. Ebenso kann eine unzureichende Beachtung der Lehrmethodik zu einer geringeren Beteiligung der Lernenden am Schulungsprozess, einer schlechteren Verankerung des erworbenen Wissens und einer großen Schwankungsbreite des Wissensstandes der Lernenden in Abhängigkeit vom Trainer führen.

Was die Trainer betrifft, so können hierfür externe Organisationen beauftragt, festangestellte Mitarbeiter als „Trainer“ oder „Dozenten“ eingestellt oder pädagogische Kompetenzen bei internen technischen Experten entwickelt werden, die ihr Wissen periodisch an Kollegen weitergeben. Jeder dieser drei Ansätze hat seine Vor- und Nachteile. Bei der PJSC SIBUR Holding wurde die Entscheidung getroffen, auf interne korporative Trainer zu setzen. Die Beauftragung externer Dienstleister für Schulungen ist nur in Ausnahmefällen und zu speziellen Themen möglich.

Korporative Trainer sind Mitarbeiter der SIBUR Holding, die eine spezielle Ausbildung absolviert haben und bei Bedarf für die Durchführung von Schulungsveranstaltungen in SIBURINTEH herangezogen werden (durchschnittlich 20 Schulungstage pro Jahr).

Der gewählte Ansatz bietet folgende Vorteile:

? Integration der Unternehmensexpertise;

? Flexibilität in der Arbeitsweise;

? Entwicklung einer internen Fachgemeinschaft und Popularisierung der Expertenkarriere.

Dabei gibt es in der Phase der Trainerauswahl eine Reihe von Anforderungen an die Kandidaten:

? Expertise im Fachgebiet;

? Berufserfahrung im Fachgebiet (mehr als 2 Jahre);

? Kommunikationsfähigkeit und Motivation, andere Menschen weiterzuentwickeln;

? Bewertung im Leistungsmanagementsystem von 5 oder höher / professionelles Niveau („Standard“ und höher).

Stand 1. Februar 2022 wurden 51 korporative Trainer für die technischen HSE-Schulungsprogramme vorbereitet. Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Hauptdozenten aus der HSE-Funktion stammen, sind nur 9 dieser Spezialisten unter den Trainern.

Die übrigen sind Vertreter von Berufen wie: Apparateführer, Meister, Anlagenmaschinist, Abschnittsleiter, Operator, Instandhaltungsmechaniker, Elektromonteur.

Der Prozess der Vorbereitung korporativer Trainer dauert durchschnittlich 6 Monate und umfasst folgende Phasen:

1️⃣ Auswahl und Bestätigung der Kandidaten;

2️⃣ Trainings zur Entwicklung von Trainerkompetenzen;

3️⃣ Methodiktransfer: Absolvieren des Programms als Teilnehmer, Erläuterung des Materials und der trainerspezifischen Besonderheiten der Durchführung;

4️⃣ Qualifikationsprüfung: Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Kurs, Bewertung;

5️⃣ Eigenständige Durchführung der Schulung mit Unterstützung eines erfahrenen Experten.

Eine wichtige Eigenschaft der entwickelten Programme ist ihre Flexibilität. Programme sind ein „lebendiges“ Produkt. So wurden sie beispielsweise bereits nach der Entwicklung um Wirtschaftsmodule, digitale Werkzeuge, Materialien zur Vorbereitung auf die einheitliche Unternehmensprüfung sowie neue Fallstudien ergänzt, die auf der Analyse von Unfällen, Mikroverletzungen und den am weitesten verbreiteten Verstößen am Arbeitsplatz basieren.

Nach der Erstellung aller für die Durchführung der Schulung erforderlichen Komponenten ist es wichtig, in der Startphase der Schulung eine „Kalibrierung“ des Erstellten durchzuführen, und zwar hinsichtlich:

? Übereinstimmung des Programminhalts mit der Zielgruppe der Lernenden;

? Angemessenheit der materiell-technischen Ressourcen;

? Logik des Programmablaufs;

? Qualität der Kommunikation des Trainers mit dem Publikum;

? Feedback der Lernenden zu Inhalten, Eindrücken und organisatorischen Aspekten.

Die Analyse dieser Informationen sowie Korrekturen und Ergänzungen in einem frühen Stadium tragen zur schnelleren Erreichung der Unternehmensziele im Bereich HSE bei.

Zusammenfassend lassen sich folgende Ergebnisse festhalten:

1️⃣ Bei der PJSC SIBUR Holding wurde ein technisches HSE-Schulungssystem geschaffen;

2️⃣ Die Ausstattung der Sicherheits-Schulungsräume im Zentrum für die Entwicklung ingenieurtechnischer Expertise SIBURINTEH wurde detailliert durchdacht;

3️⃣ Die Schulung wird zur Erreichung der Unternehmensziele im Bereich HSE umgesetzt;

4️⃣ Der Schulungsmethodik wird große Aufmerksamkeit geschenkt;

5️⃣ Die erstellte Schulung ist nicht nur nützlich, sondern auch interessant;

6️⃣ Die Schulungsprogramme sind „lebendig“ und es wird kontinuierlich an der Steigerung ihrer Effizienz gearbeitet;

7️⃣ Alle künftigen technischen HSE-Schulungsprogramme werden bei ihrer Entwicklung einen identischen Weg durchlaufen.

Ausführlich über den Prozess des Aufbaus des technischen HSE-Schulungssystems habe ich in einem HSE DAYS-Webinar im Oktober 2021 berichtet; die Präsentation ist unter dem Link verfügbar.

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