Autor: Sergey Konovalov, Head of Industrial Safety and Occupational Health Department — LUKOIL
Wenn wir den Begriff „HSE“ hören, stellen wir uns oft Stapel von Anweisungen, Plakate mit Regeln und obligatorische Unterweisungen vor. Aber echte Sicherheit beginnt nicht mit Papier, sondern mit einer besonderen Einstellung in den Köpfen der Mitarbeiter und der Führungskräfte. Genau das ist die Sicherheitskultur.
Was genau ist das?
Einfach ausgedrückt ist die Sicherheitskultur ein gemeinsames System von Werten, Überzeugungen und Verhaltensmustern in einem Unternehmen, bei dem der Schutz von Leben und Gesundheit der Mitarbeiter an erster Stelle steht. Es geht nicht nur darum, die Regeln zu kennen, sondern sie bewusst zu befolgen, auch wenn niemand zuschaut.
Woraus besteht sie? Schlüsselelemente:
- Verantwortung der Führungsebene. Sicherheit darf nicht nur die Aufgabe des HSE-Managers sein. Es bedeutet, dass sich die Führungskraft persönlich für die Arbeitsbedingungen interessiert, Ressourcen für deren Verbesserung bereitstellt und die Regeln selbst einhält.
- Einbindung der Mitarbeiter. Die Beschäftigten „erfüllen“ nicht einfach nur Anforderungen, sondern beteiligen sich aktiv an der Risikoerkennung, schlagen Verbesserungen vor und fühlen sich für sich und ihre Kollegen verantwortlich.
- Lernbereitschaft und Offenheit. Fehler und Vorfälle werden nicht verschwiegen, sondern sorgfältig analysiert, um daraus zu lernen und Wiederholungen zu vermeiden. Die Meldung jeglicher unsicherer Situationen wird gefördert.
Wie misst man das Niveau der Sicherheitskultur?
Die gängigsten Methoden sind die „Sicherheitskulturleiter“ von Patrick Hudson und die „Bradley-Kurve“.
Herausforderungen bei der Einführung einer Sicherheitskultur:
- Fehlen von Einführungsmaßnahmen;
- Widerstand der Mitarbeiter in der Anfangsphase;
- Mangelnde Motivation;
- Unzureichendes Engagement der Führungsebene;
- Fehlende oder unzureichende Finanzierung;
- Fehlendes Verständnis für die gemeinsame Verantwortung für die Sicherheitskultur.
Wie bindet man Linienmanager und Mitarbeiter ein?
- Durchführung von Seminaren unter Beteiligung aller Interessengruppen;
- Aufnahme von Kennzahlen zur Einführung und Aufrechterhaltung der Sicherheitskultur in die KPIs der Führungskräfte;
- Kaskadierung der Mitarbeiterziele mit den Unternehmenszielen;
- Einsatz wirksamer Motivationsmethoden, von kleinen Aufmerksamkeiten bis hin zu finanziellen Anreizen;
- Kommunikationskampagne zur Information über die Ergebnisse der Einführung der Sicherheitskultur und deren kontinuierliche Umsetzung.
Welche Instrumente nutzen wir zur Einführung der Sicherheitskultur?
- Ein Komitee unter Beteiligung des Top-Managements für HSE-Fragen;
- Safety Leadership Visits (Sicherheitsrundgänge von Führungskräften);
- Sicherheitstage;
- Besprechungen und Seminare zu HSE-Themen;
- Wettbewerbe und Audits;
- Visuelle Informationsmittel.
Warum lohnt sich das?
Eine starke Sicherheitskultur ist nicht nur eine „gesetzliche Pflicht“, sie bedeutet:
- Rückgang von Verletzungen und Berufskrankheiten.
- Steigerung der Produktivität (weniger Ausfallzeiten durch Unfälle und Vorfälle).
- Verbesserung des Arbeitsklimas im Team und der Unternehmensreputation.
Fazit:
Die Sicherheitskultur verwandelt formale Anforderungen in ein lebendiges, funktionierendes System. Es ist eine Investition in die Menschen, die das wichtigste Kapital jedes Unternehmens sind.