Keine industrielle Produktion kann im Chaos existieren – das ist ein Axiom. Warum sind dann Präsentationen, Berichte und KPIs manchmal wichtiger als reale Veränderungen an den Arbeitsplätzen?
Wie Kenner sagen, ist dies eines der Anzeichen für eine korporative Imitationskultur. Sie entsteht nicht aus dem Nichts, sondern als Schutzmechanismus, um im Unternehmensumfeld zu überleben.
Nachfolgend sind zum Vergleich einige Merkmale des „Eigentümer-Ansatzes“ (©DuPont) und der Imitationskultur aufgeführt.
In welcher dieser Kulturen würden Sie gerne leben und arbeiten?
Welche davon reduziert Verluste besser? 💰
Machtdistanz
- Eigentümer-Ansatz: Operative Exzellenz = Planung + Qualität + Sicherheit; Routine sind persönliche Besuche am „Gemba“, Gespräche mit dem Personal usw.
- Imitationskultur: Alles wird an Finanzkennzahlen gemessen („Geld-Paradigma“).
Unternehmensvorgaben (Regeln)
- Eigentümer-Ansatz: Diese sind für effizientes und sicheres Arbeiten notwendig.
- Imitationskultur: Diese dienen als Absicherung – „falls jemand fragt“, „falls etwas passiert“...
Sicherheit
- Eigentümer-Ansatz: Sicherheit ist eine absolute Priorität, Teil der Technologie und eine Handlungsanleitung.
- Imitationskultur: Sicherheit existiert meist nur „auf dem Papier“: Anordnungen sind erlassen, Mitarbeiter unterwiesen, Protokolle werden geführt.
Management-Kontinuität
- Eigentümer-Ansatz: Entwicklung und Rotation von Führungskräften, Beförderung interner Kandidaten und/oder langfristige Einstellung externer Experten, regelmäßige Zusammenarbeit mit externen Beratern.
- Imitationskultur: Wechsel der Schlüsselführungskräfte alle 3 – 5 Jahre, Unternehmensprioritäten und Managementpraktiken ändern sich häufig; was gestern wichtig war, tritt heute in den Hintergrund oder wird vergessen; externe Berater werden nicht benötigt – Zeit- und Geldverschwendung.
Kommunikation
- Eigentümer-Ansatz: Kommunikation erfolgt „Top-Down“ und „Bottom-Up“.
- Imitationskultur: Information „Top-Down“ dominiert deutlich. „Unten“: Verschweigen von Problemen, Verheimlichen von Fehlern.
Grad des gegenseitigen Vertrauens
- Eigentümer-Ansatz: Vertrauen ist moderat oder hoch.
- Imitationskultur: Das Vertrauensniveau ist meist niedrig.
Selbstzufriedenheit
- Eigentümer-Ansatz: Vernünftige, durchdachte Veränderungen werden diskutiert und in der Regel unterstützt.
- Imitationskultur: Es wird eine hohe Selbstzufriedenheit demonstriert: „Wir haben alles“, Veränderungen werden imitiert oder sabotiert.
Reaktion auf Probleme
- Eigentümer-Ansatz: Problemmeldungen sind eine Chance für Korrekturmaßnahmen, Risikominderung und Lerneffekte.
- Imitationskultur: Wichtiger ist es, zu finden, wer schuld ist.
Einstellung zu Initiativen
- Eigentümer-Ansatz: Neue Möglichkeiten für systemische Verbesserungen.
- Imitationskultur: Eine „Leiche im Keller“, eine Bedrohung für Stabilität und Ruhe.
Wir müssen anerkennen, dass die Imitationskultur eine klare Sackgasse ist. Irgendwo auf der „Überwachungsstufe“ der Bradley-Kurve stagniert die Entwicklung der HSE-Kultur für lange Zeit oder fällt sogar zurück. ⛔
Glücklicherweise gibt es einen Ausweg. Der Fortschritt beginnt mit der Entschlossenheit der Führungskräfte und schrittweisen Anpassungen der Systemeinstellungen. In dieser Situation wird der HSE-Spezialist zum direkten Beteiligten des Wandels. Seine Rolle ist die geduldige und konsequente Unterstützung von Veränderungen auf allen Managementebenen, wo sie benötigt wird.
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