Mitarbeiter kommen mit unterschiedlicher Stimmung sowie in verschiedener psychischer, emotionaler und physischer Verfassung zur Arbeit. Es entstehen Missverständnisse, Produktionspläne werden nicht immer eingehalten, Personal fällt wegen Krankheit oder familiärer Umstände aus. Viele erleben ein emotionales Burnout, manche sind einfach vom aktuellen Arbeitsrhythmus erschöpft, andere fühlen sich von ihren Vorgesetzten nicht gehört, und nichts ändert sich zum Besseren. Können diese Faktoren die Atmosphäre im Team und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen beeinflussen? Ja, zweifellos.
Wir nehmen nicht nur die Rolle eines Ermittlers ein, wenn wir Vorfälle untersuchen. Wir fungieren auch als Psychologen, die an deren Vorbeugung und Prävention arbeiten. Und zwar dann, wenn wir persönlich Zeuge werden, wie zum Beispiel Gespräche in erhobenem Ton aufgrund von Meinungsverschiedenheiten geführt werden, Abneigung gegen das äußere Erscheinungsbild gezeigt wird oder versucht wird, einen Kollegen aufgrund seiner Position, Kompetenz oder, was noch schlimmer ist, seiner Nationalität zu demütigen.
Eine weitere unserer Rollen ist die des Richters – beiden Konfliktparteien zuzuhören, sie zu beruhigen, die Ursachen zu ermitteln, Lösungen zu finden und Ratschläge zu geben. Unsere Lebenserfahrung muss reichhaltig und unsere Weisheit unser Helfer sein. Denn manchmal können die Ursachen für Konflikte absolut lösbare Situationen sein, wie zum Beispiel: die Reinigung der Sanitäranlagen in dem Moment, in dem ein anderer Mitarbeiter sie benutzen muss, oder das Ignorieren von Vorfahrtsregeln, wenn Personal aus Prinzip den Weg nicht freigibt.
Ist die HSE-Abteilung in der Lage, überall und jederzeit präsent zu sein und allen rund um die Uhr zu helfen? Nein, das ist unmöglich. Aber indem wir tägliche präventive Prioritätsarbeit leisten, tiefer in das "Leben" der Kollegen in den Arbeitsprozessen eintauchen, sie kennen, vorausdenken, prognostizieren, reagieren und brisante Fragen sowie Probleme ansprechen, können wir Dutzende oder sogar Hunderte von Vorfällen verhindern. Zum Beispiel kann der psychische Zustand eines Mechanikers durch die erfolglose Suche nach den Ursachen für eine Fehlfunktion derselben Maschine über die gesamte Woche hinweg beeinträchtigt werden.
Bei den HSE-Schulungen in unserem Unternehmen wird dem Thema Konfliktsituationen besondere Aufmerksamkeit gewidmet – man sollte sich nicht darauf einlassen, sie nicht initiieren, sich nicht von Emotionen leiten lassen oder mit physischer Aggression reagieren. In unserer Dokumentation über unsicheres Verhalten sind Schlägereien als schwerwiegende Verstöße mit entsprechenden Reaktionsmaßnahmen aufgeführt, einschließlich der sofortigen Hinzuziehung des Sicherheitsdienstes.
Die Autorität eines HSE-Mitarbeiters sollte so groß sein, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit oder Klatsch zu ihm läuft, sondern ihn bei einer realen Gefahr eines Vorfalls (einschließlich eines wahrscheinlichen Polizeieinsatzes) um Hilfe bittet, falls er noch nichts davon weiß.