Von formalen Anweisungen zur echten Sicherheit
Der traditionelle Ansatz zum Arbeitsschutz stößt oft auf das Problem des Formalismus: Anweisungen und Vorschriften (JSA - Job Safety Analysis) werden geschrieben, ohne die tatsächlichen Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen. Die Mitarbeiter handeln "aus Gewohnheit", und eine riesige Menge an Dokumentation bleibt ungelesen. Wie die Praxis zeigt, ereignen sich die meisten schweren Verletzungen und Mikrotraumata genau bei der Ausführung spezifischer Tätigkeiten und nicht aufgrund des allgemeinen Zustands des Geländes. In seinem Vortrag analysiert Dmitry Zaitsev, HSE-Spezialist bei "SB-STROY", das Instrument "Risikojagd bei der Arbeit" (RjA), das es ermöglicht, den Fokus von allgemeinen territorialen Risiken auf die gezielte Verbesserung der Arbeitsbedingungen an einem bestimmten Arbeitsplatz zu verlagern.
Mechanik der "Risikojagd": 4 Schritte zu einem sicheren Prozess
Der Referent geht detailliert auf den Algorithmus zur Implementierung des Tools ein, der aus vier aufeinanderfolgenden Phasen besteht:
- Planung: Auswahl der Abteilungen (vorausgesetzt, mindestens 70% des technischen Personals sind geschult) und Teambildung. Die Gruppe muss einen Risikospezialisten (als Methodiker), den Prozesseigner (Bauleiter oder Meister), einen Fachspezialisten (z. B. Mechaniker oder Energieelektroniker) und den Arbeiter selbst umfassen. Häufigkeit - ab zweimal im Monat. Priorität haben Arbeiten mit einer Unfallhistorie, komplexe Operationen und kombinierte Arbeiten.
- Auftaktbesprechung: Eintauchen des Prozesseigners in die Ziele der Veranstaltung, Studium der Dokumentation und Vorbereitung auf den Einsatz vor Ort. Es ist wichtig, das Team im Voraus über die Ziele des Besuchs und die Durchführung von Foto-/Videoaufnahmen zu informieren.
- Beobachtungssitzung (Feldeinsatz): Das Team wählt einen sicheren Ort zur Beobachtung, dokumentiert den Prozess auf Foto und Video, notiert die Arbeitsbedingungen (Beleuchtung, Vibration, Temperatur) und die verwendeten Werkzeuge. Bei Bedarf wird die Arbeit für klärende Fragen unterbrochen.
- Gestaltung und Entwicklung von Maßnahmen: Gruppenanalyse der identifizierten Risiken unter Verwendung der Risikomatrix. Kontrollmaßnahmen werden nach Hierarchie (von der Beseitigung bis zur PSA) entwickelt und zur Analyse in das Informationssystem eingegeben.
Praktischer Effekt und Einbindung des Personals
Dmitry zeigt an einem Beispiel, wie dieser Ansatz funktioniert: Ein Dreher verwendete selbstgemachte, aber bequeme und sichere Werkzeuge (Schaber und Abzieher) anstelle von Meißel und Hammer, die durch die Arbeitskarte vorgeschrieben waren und zu Mikrotraumata führten. Das Ergebnis der RjA war die Legalisierung bequemer Werkzeuge und die Änderung der Dokumentation. Dieser Ansatz reduziert nicht nur Verletzungen (laut Statistik des Referenten sank das Risiko schwerer Verletzungen in 10 Monaten um 89%), sondern verändert auch die Einstellung der Mitarbeiter grundlegend. Etwa 60% der Verbesserungsvorschläge kommen vom Personal selbst, das das echte Interesse des Managements sieht und Motivation (einschließlich Firmengeschenke) für Eigeninitiative erhält.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie überwindet man den Widerstand der Mitarbeiter und bindet sie in den Prozess der Risikoerkennung ein?
- Wie bildet man richtig ein Team für die "Risikojagd" und verteilt die Rollen?
- Wie nutzt man den "Arbeitskritikalitätsrechner" zur Auswahl von Prioritätsbereichen?
- Wie macht man die Job Safety Analysis (JSA) zu einem wirklich funktionierenden Werkzeug und nicht zu einem formalen Papier?
- Wie rechtfertigt man das Budget für die Beseitigung identifizierter Risiken gegenüber dem Management?