Mentoring: Ein wichtiges Element des Arbeitssicherheitssystems

Fallstudie
19 November 2025 🇷🇺 Originalsprache: русский

Überwindung der Stagnation: Warum die Produktion Sicherheitsmentoren braucht

Jedes, selbst das modernste und am effektivsten aufgebaute Arbeitssicherheitssystem, läuft mit der Zeit Gefahr, zu stagnieren. Burnout bei Führungskräften, sinkendes Engagement der Mitarbeiter und Routine können zu einem Rückgang der erzielten Ergebnisse führen. In seinem Vortrag analysiert Wladimir Stepanow, Direktor der Abteilung für industrielle Sicherheit und Arbeitsschutz bei der JSC OTEKO, das Konzept der Einführung eines Instituts für Sicherheitsmentoren (Kuratoren) – ein Instrument, das es ermöglicht, Stagnation abzufedern und der Entwicklung der Sicherheitskultur ohne zusätzliche finanzielle Investitionen neue Impulse zu geben.

Das Mentoring wird durch das interne Potenzial der Organisation und den bestehenden Stellenplan realisiert. Dies sorgt für Flexibilität im System, den Verzicht auf unnötige Bürokratie und die kontinuierliche Kompetenzentwicklung der Spezialisten selbst. Dabei betont der Referent einen grundlegenden Unterschied: Der Mentor ist kein Safety Leader (diese Rolle bleibt dem Abteilungsleiter vorbehalten). Ein Mentor ist ein Berater, ein Vermittler von Best Practices und eine Brücke zwischen dem HSE-System und der jeweiligen Werkstatt.

Zweiseitiger Widerstand: Illusionen und Ängste vor Ort

Die Einführung einer neuen Rolle ist ohne vorherige Vorbereitung unmöglich. Der Referent zeigt am Beispiel seines Unternehmens, dass ein sofortiger Start des Projekts aufgrund massiven zweiseitigen Widerstands zu dessen Diskreditierung geführt hätte.

  • Seitens der zukünftigen Mentoren: Die Spezialisten nahmen die neue Rolle als unbezahlte Mehrbelastung wahr. Es gab das Problem unklarer Funktionen und die Angst vor öffentlicher Kommunikation, da vielen die Führungsqualitäten für den Dialog mit den Produktionsmitarbeitern fehlten.
  • Seitens der Abteilungsleiter: Das Linienmanagement sah die Mentoren zunächst als "Privatsekretäre", auf die man die gesamte Papierarbeit im Arbeitsschutz abwälzen konnte. Gleichzeitig bestand die Angst, dass der Mentor zu einem "Spion" werden könnte, der Informationen sammelt, damit das Top-Management die Abteilung bestraft.

Für einen erfolgreichen Start war es notwendig, die Begriffe strikt voneinander abzugrenzen. Der Mentor übernimmt nicht die Routinearbeit der Führungskraft und ist nicht deren "Freund", der bei Verstößen ein Auge zudrückt, um gute Beziehungen zu pflegen. Er ist verpflichtet, objektiv zu bleiben und der Abteilung bei der Umsetzung sicherer Praktiken zu helfen.

Arbeitsinstrumente und Transformation des Denkens

Die Mentoren kommen mit einem konkreten Instrumentarium in die Abteilungen, das hilft, die Einstellung der Mitarbeiter zur Sicherheit vor Ort zu verändern. Der Vortrag beleuchtet detailliert den Übergang von formalen Verfahren zu einem lebendigen Dialog.

  • Linienrundgänge mit dem Top-Management: Die Mentoren bereiten die Führungskräfte im Vorfeld auf die morgendlichen Vor-Ort-Besuche vor. Dies bildet ein starkes Vorbild und ermöglicht es den Mitarbeitern, Probleme bei der Bereitstellung von PSA oder sanitäre Bedingungen direkt zu besprechen.
  • Verhaltensbasierte Sicherheitsaudits: Der Referent analysiert den schwierigen Prozess des Aufbrechens des Stereotyps "Verstoß – Strafe". Die Mentoren schulten die Meister am eigenen Beispiel im Format "Verstoß – Gespräch, Ursachenanalyse, Dank" und fungierten als Puffer beim Übergang zu einer Kultur des offenen Dialogs.
  • Praktische Schulungen vor Ort: Anstelle von theoretischen Vorträgen führen die Mentoren, die zuvor eine spezielle Ausbildung absolviert haben (z. B. in einer Höhenarbeiterschule), anschauliche praktische Analysen direkt in den Werkstätten durch, was bei den Arbeitern auf große Resonanz stößt.

Das Ergebnis dieser Arbeit war nicht nur eine Verbesserung der allgemeinen Indikatoren der Sicherheitskultur, sondern auch eine Senkung der Arbeitsunfälle um 27 %. Damit das System weiterhin funktioniert, empfiehlt Wladimir, die Mentoren regelmäßig zu rotieren (um eine "Verschmelzung" mit der Abteilung zu vermeiden) und ihre physische Präsenz in den Produktionsstätten und nicht in den Büros sicherzustellen.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie man den Widerstand von Linienmanagern bei der Einführung neuer Rollen im Arbeitsschutz überwindet?
  • Wie sich die Funktion eines Mentors grundlegend von den Standardaufgaben eines HSE-Spezialisten unterscheidet?
  • Wie man verhaltensbasierte Audits von einem Bestrafungsinstrument in ein Instrument zur Ermittlung von Grundursachen verwandelt?
  • Welche Methoden helfen, Präsentationsfähigkeiten und das Selbstvertrauen von Sicherheitsspezialisten zu entwickeln?
  • Wie man vermeidet, dass der Mentor zu einem "Sekretär" oder "Anwalt" von Übertretern innerhalb der Werkstatt wird?
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