In Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen und Kostenoptimierung wird Arbeitssicherheit oft als Kostenfaktor wahrgenommen, der vorübergehend gekürzt werden kann. Eine Krise ist jedoch kein Grund, den Arbeitsschutz zu pausieren, sondern ein einzigartiges Zeitfenster für radikale Veränderungen. In seinem Vortrag erläutert Wladimir Stepanow, HSE-Direktor der OTEKO AG, wie man Instabilität nutzen kann, um ein effektives Risikomanagementsystem aufzubauen, das in ruhigen Zeiten unmöglich erschienen wäre.
Starre Fünfjahresstrategien funktionieren in stürmischen Zeiten nicht mehr. Der Referent schlägt vor, das aus dem Sport entlehnte Prinzip der Überkompensation anzuwenden: Das System wächst und stärkt sich nur durch die Bewältigung von Stress. Anstatt zu versuchen, an nicht funktionierenden Vorschriften festzuhalten, verlagert sich der Fokus auf Flexibilität und Agilität.
In der Praxis bedeutet dies den Übergang zu kurzen Sprints und die Konzentration auf die Top-5 der kritischen Risiken, die zu schweren Verletzungen oder Produktionsausfällen führen können. Die Umsetzung von Änderungen erfolgt nach dem Agile-Modell: Minimum Viable Products (MVP) werden in der Produktion getestet, bei Erfolg schnell skaliert und bei Misserfolg umgehend angepasst.
Billige Sicherheit tötet die Motivation des Personals, aber wie kann man die Kultur weiterentwickeln, wenn die HSE-Budgets eingefroren sind? Der Vortrag beleuchtet detailliert den Mechanismus der funktionsübergreifenden Finanzierung – die Nutzung von Budgets angrenzender Abteilungen durch den Nachweis ihres direkten Nutzens.
In Krisenzeiten weichen Papieranweisungen den antrainierten Reflexen des Teams. Um Zeit für die eigentliche Arbeit mit den Menschen zu gewinnen, müssen Routineprozesse und übermäßiger Papierkram digitalisiert werden. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie der Verzicht auf Doppelprozesse es ermöglicht, Ressourcen auf die Entwicklung der verhaltensbasierten Sicherheit umzuleiten.
Die Hauptaufgabe der aktuellen Phase ist der Abstieg auf die Ebene des Linienpersonals und der Arbeiter. Dabei fungieren nicht die Arbeitsschutzexperten als Treiber der Sicherheitskultur, sondern die direkten Vorgesetzten vor Ort, während die HSE-Abteilung die Rolle von Moderatoren und Methodologen übernimmt.
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