Von der Formalität zur Achtsamkeit: Warum ein fallbasierter Ansatz nötig ist
Die Risikobewertung wird oft als formale Prozedur wahrgenommen, die sich auf gesetzliche Anforderungen und interne Standards beschränkt. Traditionelle Methoden ermöglichen es jedoch nicht immer, alle möglichen Szenarien zu berücksichtigen. Tatiana Borisova, Vertreterin von Novartis, analysiert das Problem der „blinden Flecken“ bei der Risikobewertung und bietet eine Lösung an: den fallbasierten Ansatz, der dabei hilft, die Sicherheitskultur in die DNA jedes Mitarbeiters zu integrieren.
In dem Vortrag wird der Mechanismus zur Einbindung des Personals in den Prozess der Gefahrenerkennung detailliert betrachtet. Das Hauptziel ist es, den Menschen beizubringen, Risiken in jedem Bereich selbstständig zu bewerten, sei es in der Produktion, im Lager oder sogar auf der Straße, für die der Arbeitgeber nicht verantwortlich ist.
Wie der fallbasierte Ansatz in der Praxis funktioniert
Die Grundlage der Methode bilden Moderationssitzungen und Brainstormings mit funktionsübergreifenden Teams. Die Referentin zeigt am Beispiel einer Lagerinventur, wie die Einbeziehung von Mitarbeitern aus anderen Abteilungen (z. B. Finanzen) dank eines „unverstellten“ Blicks hilft, nicht offensichtliche Bedrohungen zu erkennen.
- Situationen modellieren: Den Teilnehmern wird ein konkreter Fall präsentiert (z. B. „Sie kommen zur Inventur“), und sie ermitteln gemeinsam, was schiefgehen könnte. Dies schafft das Verständnis, dass sich das Unternehmen um jeden Mitarbeiter kümmert.
- Einbindung von Auftragnehmern und Partnern: Externe Mitarbeiter und Eventmanager werden in die Risikobewertung einbezogen. Dies ist besonders wichtig bei der Organisation von externen Veranstaltungen, bei denen unvorhersehbare Faktoren oft zu Verletzungen führen.
- Umfassende Analyse: Die Bewertung eines Risikos (z. B. eines Lagerbrandes) wird unter dem Gesichtspunkt von HSE, finanziellen Verlusten und ökologischen Folgen betrachtet. Dies ermöglicht die Entwicklung wirksamer Maßnahmen zur Schadensminimierung.
Spielformate und Visualisierung
Um das Engagement zu erhöhen, werden interaktive Methoden eingesetzt. Moderationstafeln, Quests und die Erstellung von Anschauungsmaterial durch die Mitarbeiter selbst verwandeln einen Routineprozess in kreative Teamarbeit.
- Quests in der Produktion und im Büro: Die Mitarbeiter erhalten Gefahrenkarten oder suchen nach speziell platzierten „Installationen“ (z. B. Aufkleber in Form von zerbrochenem Glas). Dies trainiert die Fähigkeit, potenzielle Bedrohungen im Alltag zu erkennen.
- Änderung der Denkweise: Die Programmteilnehmer beginnen, nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Privatleben in Risikokategorien zu denken, indem sie beispielsweise im Urlaub die Notausgänge in Hotels überprüfen.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie organisiert man ein effektives Brainstorming zur Identifizierung versteckter Risiken?
- Warum ist es wichtig, Mitarbeiter aus fachfremden Abteilungen und Auftragnehmer in die Risikobewertung einzubeziehen?
- Wie nutzt man Spielformate (Quests, Moderationstafeln) für die Personalschulung?
- Wie hilft ein umfassender Ansatz, ökologische und finanzielle Katastrophen bei Unfällen zu verhindern?
- Wie bringt man Außendienstmitarbeitern bei, Risiken unter vom Arbeitgeber unkontrollierten Bedingungen zu bewerten?