Betreuung von Auftragnehmern als Ökosystem für Vertrauen und Sicherheitskultur

Fallstudie
18 November 2025 🇷🇺 Originalsprache: русский

Das Problem der Integration von Auftragnehmern in die unternehmerische Sicherheitskultur

Das Sicherheitsmanagement von Auftragnehmern bleibt einer der schwierigsten Bereiche für Industrieunternehmen. Das historisch gewachsene Modell, bei dem die Kontrolle über Auftragnehmer vollständig auf den Schultern der HSE-Spezialisten lastet, erweist sich als ineffektiv. Bei einem großen Arbeitsvolumen machen seltene Kontrollen (höchstens einmal im Monat) das Risikomanagement zu einer nachträglichen Erfassung von Verstößen. In seinem Vortrag analysiert Ilya Zabugin detailliert, warum administrativer Druck das Verhalten der Mitarbeiter nicht ändert, und zeigt, wie der Übergang von strenger Überwachung zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit die Unfallrate drastisch senken kann.

Von der Kontrolle zur Partnerschaft: Wie das Betreuungssystem funktioniert

Nach der Erkenntnis, dass Sicherheit nicht davon abhängen darf, wie viel «Glück» man mit einer bestimmten Schicht eines Auftragnehmers hat, änderte das Unternehmen seinen Ansatz grundlegend. Anstatt die Strafen zu verschärfen, wurde ein Betreuungssystem eingeführt. Jedem Auftragnehmer wird ein aktiver Linienmanager (z. B. ein Werksleiter) zugewiesen, auf dessen Gelände die Arbeiten durchgeführt werden.

  • Persönliche Verantwortung vor Ort: Der Betreuer prüft nicht nur Dokumente, sondern baut einen direkten Dialog auf. Dies ermöglicht es, auftretende Fragen schnell zu lösen und Risiken direkt am Produktionsstandort gemeinsam zu managen.
  • Führungstraining: Betreuer werden gezielt nicht nur in Sicherheitsstandards, sondern auch in Kommunikationsfähigkeiten, Empathie und Risikobewertung geschult. Mit der Übergabe der Arbeit an den Auftragnehmer überträgt der Auftraggeber auch einen Teil der Risiken, weshalb der Betreuer in der Lage sein muss, diese bereits in der Phase der Abstimmung der technischen Spezifikationen richtig zu identifizieren.
  • Regelmäßige Interaktion: Arbeitstreffen finden mindestens einmal pro Schichtzyklus statt. Dabei werden festgestellte Abweichungen analysiert und gemeinsame Maßnahmen zu deren Behebung entwickelt, was eine Atmosphäre des Vertrauens schafft und den Auftragnehmer in die allgemeine Sicherheitskultur einbindet.

Digitale Transparenz und Motivation

Um die Situation in Echtzeit zu steuern, zeigt der Referent am Beispiel die Nutzung einer digitalen administrativen Zelle — eines einheitlichen Dashboards. Darin werden wichtige Produktionskennzahlen gesammelt, einschließlich der Unfallhäufigkeit (LTIFR/TRIFR), der Anzahl der unfallfreien Tage und des Status der Mängelbeseitigung. Die Daten werden zweimal täglich aktualisiert, sodass alle Prozessbeteiligten, einschließlich der Auftragnehmer selbst, ein objektives Bild sehen und schnell auf Abweichungen reagieren können.

Ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Umsetzung war das Motivationssystem. Die Überwindung des anfänglichen Widerstands der Führungskräfte, die eine zusätzliche Belastung erhielten, wurde erreicht, indem die Erfüllung persönlicher Sicherheitsverpflichtungen an die Abschlussprämie gekoppelt wurde. Das System basiert auf Bewusstsein und Einbindung, nicht auf der Angst vor Bestrafung, obwohl für hartnäckige Übertreter ein Rating vorgesehen ist und Fragen auf die Ebene des Geschäftsführers eskaliert werden.

Ergebnisse: Rückgang der Unfallrate und Initiative von unten

In den zwei Jahren, in denen das Betreuungssystem in Betrieb ist, sank die Unfallhäufigkeitsrate im Unternehmen um 53 %, und die Unfälle bei Auftragnehmern halbierten sich. Ein bezeichnendes Ergebnis war die veränderte Einstellung der Auftragnehmer selbst: Das Verheimlichen von Mikroverletzungen verschwand, die Auftragnehmer begannen selbstständig gemeinsame Inspektionen zu initiieren und technische Verbesserungen vorzuschlagen, wie z. B. die Einführung von «Anti-Schlaf»-Systemen und die optische Abgrenzung von Gefahrenbereichen.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie man die Verantwortung von Linienmanagern für die Sicherheit von Auftragnehmern rechtlich und organisatorisch verankert?
  • Wie man ein Motivationssystem für Betreuer aufbaut, um einen formalen Ansatz bei Inspektionen zu vermeiden?
  • Wie man digitale Dashboards für die tägliche Überwachung der Arbeit von Auftragnehmern nutzt?
  • Welche Tools helfen, neue Auftragnehmer in nur einem Monat in die unternehmerische Sicherheitskultur zu integrieren?
  • Wie man von einem Strafsystem zu partnerschaftlichen Beziehungen übergeht, die Auftragnehmer ermutigen, Risiken selbstständig zu melden?
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