Methodik zur Erstellung von Gefahrenbeobachtungskarten als Instrument zum Management von Beinaheunfällen

Fallstudie
6 November 2025 🇷🇺 Originalsprache: русский

Vom Plateau zu neuen Instrumenten: Warum Beinaheunfälle wichtig sind

Die Senkung der Arbeitsunfallquote ist eine Aufgabe, vor der viele große Unternehmen stehen. Nach Erreichen einer bestimmten Grenze durch die Einführung integrierter HSE-Managementsysteme flacht die Unfallkurve oft auf einem Plateau ab. In seinem Vortrag erläutert Sergey Konovalov, Leiter der Abteilung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bei LUKOIL, wie man die Situation aus dem Stillstand bringen kann, indem man sich der Basis der Heinrich-Unfallpyramide zuwendet – der Arbeit mit unsicheren Handlungen, Bedingungen und Beinaheunfällen (Near Miss).

Der Referent betont, dass das traditionelle Erfassungssystem nur die Spitze des Eisbergs registriert – bereits eingetretene Vorfälle. Unter Wasser verbergen sich jedoch Tausende von Vorbedingungen, die unbemerkt bleiben. Das Ziel der neuen Methodik ist es, diese potenziellen Bedrohungen zu erkennen und zu beseitigen, bevor sie zu realen Folgen führen.

Algorithmus für die Arbeit mit Gefahrenbeobachtungskarten (GBK)

Die Einführung eines Systems zur Erfassung von Beinaheunfällen erfordert einen systematischen Ansatz. Der Referent geht detailliert auf den im Unternehmen implementierten vierstufigen Algorithmus für die Arbeit mit GBK ein:

  • Beobachtung und operative Maßnahmen: Ein Mitarbeiter oder Besucher, der eine Gefahr bemerkt, muss unverzüglich den Vorgesetzten informieren und, wenn möglich, die Bedrohung sicher beseitigen. Es ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter das Recht hat, unsichere Arbeiten zu stoppen.
  • Ausfüllen der GBK: Ein einfaches Formular (wo, wann, was passiert ist, ergriffene Maßnahmen) wird auf Papier ausgefüllt und in einen speziellen Kasten geworfen. Die Daten werden dann in das unternehmensinterne Informationssystem übertragen.
  • Analyse und Korrekturmaßnahmen: Führungskräfte bewerten das Risikoniveau, benennen Verantwortliche und Fristen für die Beseitigung. Alle GBK werden regelmäßig in Fachbesprechungen überprüft.
  • Feedback und gewonnene Erkenntnisse: Die Information der Belegschaft über erkannte Bedrohungen und ergriffene Maßnahmen fördert den Sicherheitsdialog. Die Herausgabe von Bulletins zu „gewonnenen Erkenntnissen“ hilft, Erfahrungen zu verbreiten und ähnliche Situationen zu verhindern.

Ermittlung der Grundursachen und Automatisierung des Prozesses

Wenn ein Beinaheunfall auf systemische Probleme hinweist, muss eine Untersuchung durchgeführt werden. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie die Anwendung der „5-Why“-Methode und der Bow-Tie-Analyse hilft, Ursache-Wirkungs-Beziehungen aufzubauen und die wahren Ursachen von Abweichungen zu finden, ohne dabei unnötige Bürokratie zu schaffen.

Zur Verwaltung der Datenmengen wurde im Unternehmen ein eigenes Modul im unternehmensinternen Informationssystem entwickelt. Es ermöglicht die Registrierung von GBK, die Überwachung der Umsetzung von Maßnahmen und die Erstellung von Analysen. Derzeit sind mehr als 1500 Karten im System registriert, von denen die meisten (80 %) unsichere Bedingungen erfassen, was ein klares Verständnis für Verbesserungsbereiche liefert.

Mitarbeitermotivation und Überwindung von Barrieren

Die Einführung eines neuen Instruments stößt unweigerlich auf Widerstand. Die Hauptprobleme sind geringes Engagement und die Angst vor Verantwortung („Angst, als Verräter zu gelten“). Um diese zu überwinden, verfolgt das Unternehmen einen umfassenden Ansatz:

  • Schulung: Die Durchführung von Unterweisungen und gezielten Schulungen am Arbeitsplatz schärft das Bewusstsein der Mitarbeiter und lehrt sie, Risiken zu erkennen.
  • Materielle Anreize: Es wurde eine Prämienregelung für die aktive Erkennung von Gefahren entwickelt, was das Interesse am Prozess deutlich erhöht.
  • Immaterielle Motivation: Die Verleihung von Urkunden, die Übergabe von Souvenirs und das persönliche Vorbild von Führungskräften tragen zur Schaffung einer positiven Sicherheitskultur bei.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie organisiert man die Erfassung und Analyse von Daten zu Beinaheunfällen in einem großen Unternehmen?
  • Welche Methoden helfen, die Grundursachen gefährlicher Situationen ohne unnötige Bürokratie zu ermitteln?
  • Wie überwindet man psychologische Barrieren von Mitarbeitern und motiviert sie, Gefahrenbeobachtungskarten auszufüllen?
  • Welche Rolle spielt die Automatisierung beim Management des Risikoerkennungsprozesses?
  • Wie nutzt man gewonnene Erkenntnisse, um reale Vorfälle zu verhindern?
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