Führung und Engagement auf individueller Ebene

Fallstudie
16 Mai 2023 🇷🇺 Originalsprache: русский

Die Entwicklung einer Sicherheitskultur in modernen Unternehmen führt unweigerlich zu der Erkenntnis: Vorschriften und technische Barrieren allein reichen nicht aus. Das persönliche Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters wird zum Schlüsselfaktor. In ihrem Vortrag analysiert Stella Sologubova, leitende Expertin für Arbeitssicherheit bei JSC NIPIGAS, detailliert die Mechanismen der Transformation der Unternehmenskultur, bei der Sicherheit nicht mehr ausschließlich im Verantwortungsbereich von Fachabteilungen liegt, sondern zu einem Grundwert auf allen Ebenen wird.

Die Unfallpyramide und die Verlagerung des Kontrollfokus

Die Referentin zeigt am Beispiel der Unfallpyramide, warum sich das Sicherheitsmanagement auf deren Basis konzentrieren sollte – unsichere Handlungen und Bedingungen. Der traditionelle reaktive Ansatz weicht der Prävention. Die Einführung von Risikobewertungsverfahren vor Arbeitsbeginn und verhaltensbasierten Audits während der Ausführung ermöglicht es, Bedrohungen präventiv zu beseitigen. In der Praxis funktioniert dies dank des Verfahrens für interne Untersuchungen, bei dem das Ziel nicht darin besteht, Schuldige zu finden, sondern kritische Faktoren und systemische Ursachen zu identifizieren.

Kriterien für Engagement auf individueller Ebene

Sicherheitsengagement entsteht nicht von selbst – es ist eine Fähigkeit, die eine systematische Entwicklung erfordert. Der Vortrag beleuchtet detailliert vier Schlüsselkriterien, die einen bewussten Umgang mit Risiken prägen:

  • Risikoorientierter Ansatz: Anwendung der Methode „Fünf Schritte zur Sicherheit“ vor Beginn jeder Aufgabe. Dies ermöglicht es dem Mitarbeiter, Gefahren selbstständig zu erkennen und die Folgen abzuschätzen, bevor die Situation außer Kontrolle gerät.
  • Kritische Haltung: Die Fähigkeit, Aufgaben und Arbeitsbedingungen zu analysieren. Die Entwicklung dieser Fähigkeit gibt dem Arbeitnehmer das begründete Recht, die Ausführung einer Aufgabe zu verweigern, wenn sie den Sicherheitsanforderungen widerspricht.
  • Regelbasierter Ansatz: Nicht nur das Wissen, sondern auch die innere Zustimmung zu den „Wesentlichen Sicherheitsregeln“. Die Referentin betont, dass die Einhaltung der Regeln bedingungslos sein muss und Verstöße (z. B. Arbeiten in der Höhe ohne PSA oder das Verbergen von Informationen über Vorfälle) strenge Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen.
  • Kommunikationsfähigkeiten: Die Fähigkeit, Probleme offen zu diskutieren. Ohne die Schaffung eines vertrauensvollen Umfelds, in dem es keine Angst vor Bestrafung für das Melden eines Fehlers gibt, ist es unmöglich, ein wirksames System zur Unfallverhütung aufzubauen.

Instrumente zur Einbindung: vom „Sicherheitskontakt“ bis zum verhaltensbasierten Sicherheitsaudit

Um theoretische Konzepte in die tägliche Praxis umzusetzen, werden spezifische Unternehmensinstrumente eingesetzt. Jede Besprechung mit einem „Sicherheitskontakt“ zu beginnen, bedeutet, den richtigen Kontext zu setzen, indem reale Fälle aus dem Leben oder der Produktion analysiert werden, um daraus zu lernen. Die Trennung der Konzepte des verhaltensbasierten Sicherheitsaudits (VSA) und der Interventionspraxis hilft, die Arbeit zu strukturieren: VSA wird von Führungskräften als geplantes Instrument für den Dialog und Managemententscheidungen genutzt, während Intervention die Pflicht jedes Mitarbeiters ist, eine unsichere Handlung eines Kollegen sofort zu stoppen.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie strukturiert und führt man einen „Sicherheitskontakt“ richtig durch, damit er nicht zur Formalität wird?
  • Welche fünf Fragen sollte sich jeder Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn stellen?
  • Was ist der grundlegende Unterschied zwischen einem verhaltensbasierten Sicherheitsaudit und der Interventionspraxis?
  • Wie kann man die Einstellung des Teams zur Meldung von Verstößen so verändern, dass sie nicht als „Denunziation“, sondern als Lebensrettung wahrgenommen wird?
  • Wie integriert man Auftragnehmer in eine einheitliche Sicherheitskultur des Unternehmens?
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