Kontext: Warum die Risikobewertung das Fundament der Sicherheit ist
Die Bewertung und das Management von Berufsrisiken sind nicht nur eine formale Anforderung, sondern die grundlegende Basis für den Aufbau einer sicheren Produktion. Genau im Prozess der Risikoerkennung werden die Aufgaben für den weiteren Umgang mit ihnen formuliert. Im Rahmen des Webinars teilen Experten der Unternehmen „Salavatsteklo“ und Pirelli ihre Erfahrungen beim Übergang von der reaktiven Untersuchung von Vorfällen zum proaktiven Risikomanagement, wobei das gesamte Personal einbezogen und das Ziel von null Unfällen (Vision Zero) angestrebt wird.
Die Praxis der JSC „Salavatsteklo“: Von der Untersuchung von Mikrotraumata zur bewussten Sicherheit
Svetlana Grigorieva, Leiterin der HSE-Abteilung der JSC „Salavatsteklo“, spricht über den Weg des Unternehmens zu null Unfällen. Ein entscheidender Schritt war es, die Geschäftsführung von der Notwendigkeit zu überzeugen, nicht nur offizielle Unfälle, sondern auch alle Mikrotraumata sowie Fälle von Unwohlsein am Arbeitsplatz zu untersuchen. Dies ermöglichte es, verborgene Probleme aufzudecken und systematisch an deren Beseitigung zu arbeiten.
- Einbeziehung der Mitarbeiter in die Entwicklung von Anweisungen: Mitarbeiter, die sich im Zentrum der Gefahren befinden, beteiligen sich aktiv an der Erstellung und Anpassung von HSE-Anweisungen. Dies macht die Dokumente praktisch anwendbar und verständlich.
- Auswahl von PSA durch Experimente: Um Schnitt- und Stichverletzungen bei der Arbeit mit Glas auszuschließen, wurden moderne PSA sowie Arbeitskleidung aus 100 % Baumwolle und ergonomische Sicherheitsschuhe ausgewählt, was für die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit während einer 12-Stunden-Schicht entscheidend ist.
- Zonierung und Ergonomie: Eine klare Trennung von Fußgänger- und Verkehrszonen sowie die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze verringern die Wahrscheinlichkeit von Vorfällen.
- Erste Hilfe vor Ort: Die Installation von Augenspülstationen und das Vorhandensein von Erste-Hilfe-Kästen ermöglichen es den Mitarbeitern, vor dem Eintreffen der Sanitäter schnell Erste Hilfe zu leisten.
Die Erfahrung von Pirelli: Systematischer Ansatz und die Bow-Tie-Methode
Vladimir Alekseev, leitender HSE-Spezialist des Reifenwerks Woronesch (Pirelli), analysiert detailliert den Prozess der Risikobewertung in einem Betrieb, der im Vierschichtbetrieb arbeitet. Der Vortrag zeigt, wie das Unternehmen die Bow-Tie-Methode (Fliege-Methode) zur tiefgehenden Analyse prioritärer Probleme einsetzt.
- Bildung funktionsübergreifender Arbeitsgruppen: An der Risikobewertung nehmen Vertreter der technischen Abteilung, des Wartungspersonals, der Produktion und der HSE-Abteilung teil. Dies gewährleistet eine umfassende Sicht auf das Problem.
- Visuelle Inspektion und Mitarbeiterbefragung: Die Arbeit beginnt mit einem Gang an die Linie, der Inspektion der Ausrüstung und Gesprächen mit den Bedienern aller Schichten, um verborgene Gefahren zu identifizieren.
- Modernisierung der Ausrüstung und Sicherungssysteme: Auf der Grundlage der Risikobewertung wird eine Modernisierung durchgeführt. Beispielsweise hat die Installation von individuell angepassten Auffangsystemen bei der Wartung von Formmaschinen in der Höhe das Absturzrisiko erheblich gesenkt.
- Kontinuierliche Neubewertung: Nach der Umsetzung von Änderungen (nach einem Monat Betrieb) wird eine erneute Bewertung und Befragung der Mitarbeiter durchgeführt, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu bestätigen.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie überzeugt man die Geschäftsführung von der Notwendigkeit, Mikrotraumata zu untersuchen, und wie wirkt sich das auf die Gesamtstatistik aus?
- Wie kann das Linienpersonal in den Prozess der Gefahrenerkennung und die Entwicklung von Anweisungen einbezogen werden?
- Wie wendet man die Bow-Tie-Methode zur Risikobewertung an komplexen Produktionsanlagen an?
- Wie organisiert man die Arbeit funktionsübergreifender Risikobewertungsgruppen und wie oft sollten sie sich treffen?
- Welche Schritte sind für die individuelle Modernisierung von Ausrüstung zu unternehmen, um die Risiken bei der Wartung zu verringern?