Die Entwicklung von HSE-Managementsystemen hat ein Stadium erreicht, in dem technische Lösungen und Managementstandards keine signifikante Reduzierung der Unfallzahlen mehr bewirken. Der Schwerpunkt hat sich auf den Menschen verlagert — den Bediener, dessen Entscheidungen in kritischen Situationen den Ausgang des Produktionsprozesses bestimmen. In seinem Vortrag analysiert Vitaly Dmitruk, gestützt auf 35 Jahre Erfahrung in der chemischen Industrie und im Flugzeugmotorenbau, die Natur gefährlicher Handlungen des Personals und schlägt einen umfassenden Ansatz zu deren Vermeidung vor.
Der Referent zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Vorfälle nicht auf Geräteausfälle zurückzuführen ist, sondern auf den menschlichen Faktor: bewusste Verstöße, übermäßiges Selbstvertrauen erfahrener Mitarbeiter oder Konzentrationsverlust unter Stress. Zur Lösung dieser Probleme reichen traditionelle Unterweisungen nicht aus — es werden Instrumente benötigt, die stabile Reflexe bilden und die psychophysiologischen Besonderheiten der Arbeitnehmer berücksichtigen.
Gestützt auf Dales Erfahrungskegel weist der Referent auf die geringe Effizienz traditioneller Vorlesungsformate hin. Damit Wissen zu Fähigkeiten für sicheres Verhalten wird, ist eine praktische Festigung erforderlich. Der Einsatz von Virtual-Reality-Systemen (VR) ermöglicht es, den Arbeitnehmer ohne Risiko für Leben und Gesundheit in eine realistische Produktionsumgebung einzutauchen.
Im Vortrag wird die Funktionsweise von VR-Simulatoren am Beispiel der Übung von Maßnahmen bei Stromschlägen detailliert betrachtet. Die Szenarien ermöglichen es nicht nur, das Wissen über den Algorithmus zu überprüfen (wie man sich dem Opfer unter Berücksichtigung der Schrittspannung richtig nähert), sondern auch den Faktor Eile zu simulieren. Künstlich erzeugter Zeitmangel provoziert Fehler und ermöglicht es dem Arbeitnehmer, "zum Schein" mit den fatalen Folgen seiner Handlungen konfrontiert zu werden. Dies reduziert effektiv das ungerechtfertigte Selbstvertrauen erfahrener Spezialisten und bildet eine reflexartige Fähigkeit zur Gefahrenvermeidung.
Neben der Schulung ist die Bewertung des psychophysiologischen Zustands des Personals ein entscheidendes Element der Fehlerprävention. Der Referent schlägt die Einführung eines mehrstufigen Filtersystems vor, das bereits bei der Einstellung beginnt.
Nicht jeder Spezialist mit einem entsprechenden Diplom ist in der Lage, komplexe technologische Prozesse sicher zu steuern. Der Einsatz psychometrischer Tests ermöglicht es, Personen mit inhärenten Risiken zu identifizieren: Neigung zu impulsiven Handlungen, Unaufmerksamkeit oder Unfähigkeit, die Ruhe zu bewahren. Auf der Grundlage dieser Daten werden Entscheidungen über die Zulassung von Mitarbeitern zu Arbeiten mit erhöhter Gefahr oder deren Versetzung in weniger kritische Bereiche getroffen.
Selbst der zuverlässigste Mitarbeiter kann in einem Zustand von tiefem Stress, Müdigkeit oder Depression zur Schicht erscheinen. Der Referent betont die Wichtigkeit der Beurteilung der situativen Anspannung vor Arbeitsbeginn. Linienmanager müssen in der Lage sein, Anzeichen für eine verminderte Konzentration während der Unterweisungen vor der Schicht zu erkennen und solche Mitarbeiter umgehend von der Ausführung verantwortungsvoller Aufgaben zu entbinden, um das Risiko eines Unfalls durch Unaufmerksamkeit auszuschließen.
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