Die Entwicklung internationaler Projekte konfrontiert Unternehmen unweigerlich mit Unterschieden in Mentalität und Sicherheitsansätzen. In diesem Webinar analysiert der Referent Evgeny Parygin anhand von Erfahrungen in der Nuklearindustrie, wie nationale Besonderheiten die Umsetzung großer Industrieprojekte beeinflussen.
Der Referent zeigt am Beispiel der Interaktion mit Partnern aus verschiedenen Ländern, dass Sicherheitsanforderungen unterschiedlich wahrgenommen werden können. In asiatischen Ländern wie Japan und Korea beeinflusst der nationale Kontext die Sicherheit stark, und Anforderungen werden oft implizit ausgedrückt. In Russland ist der Einfluss nationaler Besonderheiten ebenfalls erheblich, was eine Anpassung der Ansätze bei der Arbeit auf internationalen Märkten erfordert.
Am Beispiel des Unfalls im Kernkraftwerk Fukushima-1 werden im Vortrag die Folgen einer großen Machtdistanz und unzureichender Führungsentwicklung detailliert untersucht. Führungskräfte warteten auf Anweisungen von oben, anstatt proaktive Maßnahmen zu ergreifen. Dies unterstreicht die Bedeutung der Entwicklung einer Sicherheitskultur, bei der nicht die Vermeidung von Fehlern vor Vorgesetzten, sondern die tatsächliche Prävention von Vorfällen im Vordergrund steht.
Eine unter Führungskräften und Mitarbeitern russischer Unternehmen durchgeführte Studie zeigte sowohl Stärken als auch Schwächen des nationalen Arbeitsansatzes auf. Zu den Stärken zählen Leistungsfähigkeit, Kollektivismus und Kreativität. Konservatismus, große Machtdistanz und das Hoffen auf „gut Glück“ bilden jedoch Barrieren für ein effektives HSE-Management. Der Referent analysiert, wie diese Besonderheiten die Projektumsetzung beeinflussen und welche kompensierenden Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Die Erfahrungen bei der Umsetzung eines Kernkraftwerksprojekts in Finnland zeigten, dass der russische Ansatz, der auf die Einhaltung von Zeitplänen um jeden Preis ausgerichtet ist, oft mit den europäischen Anforderungen an eine konsequente Qualitäts- und Sicherheitssicherung in Konflikt gerät. Die finnischen Partner stellten fest, dass die Priorisierung von Zeitplänen vor Sicherheit, das mangelnde Verständnis der Rolle des Managementsystems und fehlende Kompetenzen im Bereich der nuklearen Sicherheit ernsthafte Probleme darstellen. Diese Erfahrung war eine wichtige Lektion für die Anpassung von Prozessen und die Änderung der Einstellung zur Sicherheitskultur.
Für die erfolgreiche Umsetzung internationaler Projekte ist es notwendig, nationale Besonderheiten nicht einfach als positiv oder negativ zu bewerten, sondern ihren Einfluss auf die Sicherheit zu verstehen. Der Referent betont die Bedeutung der Bildung von Arbeitsgruppen, der Durchführung gemeinsamer Schulungen und der Entwicklung emotionaler Intelligenz. Die Sicherheitskultur muss auf allen Managementebenen Priorität haben, und HSE-Manager müssen über ausreichende Befugnisse verfügen, um Prozesse zu beeinflussen.
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